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Weiße Taschentücher sagen leise Servus


3. Mai 2014 – 33. Spieltag

Der Club ergibt sich seinem Schicksal. Nach einer blutleeren Leistung geht auch das letzte Heimspiel verloren, so dass dem Direktabstieg nur noch der Rechenschieber im Wege steht. So umgeht man wenigstens die drohenden Relegationsspiele gegen Fürth.

Dass uns die gegnerischen Fans seit Wochen als Absteiger verhöhnen, daran haben wir uns und die Mannschaft sich inzwischen gewöhnt. Doch dass die eigenen Fans ihren Club nach dem Spiel mit weißen Taschentüchern hämisch in die zweite Liga wedeln, das muss man sich erst mal hart erarbeiten. Und der Club hat wahrlich ganze Arbeit geleistet, um den Kredit seiner Fans zu verspielen. 46.000 Zuschauer waren gekommen. Wir Fans sind zwar treudoof und halten zu unserem Club, egal was auch passiert, doch auch diese Zuneigung und Leidensfähigkeit kennt ihre Grenzen!
Denn das Gespür der Fans für den Einsatzwillen der Mannschaft ist trotz Fanbrille durchaus vorhanden. Der Fan-Seismograph funktioniert – mit heftigem Erschütterungsgrad: Ab der 60. Minute verweigert die Nordkurve nicht nur die Anfeuerung, sondern holt alle Fahnen ein und hängt die Zaunfahnen ab. Das habe ich in 28 Jahren noch nie im Stadion erlebt. Doch damit nicht genug, tausende Fans verlassen die Stehplatzblöcke und gehen fast eine halbe Stunde vor Spielschluss. Liebesentzug – und das völlig zu Recht. Was für ein Debakel im entscheidenden Abstiegsendspiel der Saison!

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Genickbruch in der fünften Minute
Doch was war passiert in der vorangegangenen Stunde? Genau das, was seit Monaten immer passiert. Der Club spielt ohne Abwehr. Schlimmer noch: Wir servieren unseren Gegnern die Bälle auf Höhe der Mittellinie auf dem Silbertablett, so dass sie nicht anders können, als diese Konterchancen zu verwerten. Schon steht es 1:0 für Hannover.
Das ganze Konzept war ab der fünften Minute Makulatur und eine verunsicherte Mannschaft taumelt ängstlich über den Platz.
Das 2:0 für Hannover entspricht ebenfalls dem bekannten Schema: Weiter Einwurf von Pino direkt auf den Kopf eines Hannoveraners, ein kurzer Pass und schon läuft ein 96er unbedrängt aufs Clubtor zu. Fünf Clubspieler verfolgen ihn, ohne einzugreifen. Er umkurvt Schäfer und schiebt in der 51. Minute zum Siegtor ein.
Und was bringt der FCN im Angriff zu Stande? Nichts Zwingendes. Die wenigen guten Torchancen werden auch noch vergeben. Alles wie immer. So reicht befreit kombinierenden Hannoveranern eine biedere Durchschnittsleistung. Mehr war gar nicht nötig.

Apathie statt Endspielmodus
Den vom Verein ausgerufenen Endspielmodus habe ich mir anders vorgestellt. Der Club war lediglich bemüht – von Feuer, bedingungslosem Kampf und druckvollem Offensivspiel war nichts zu sehen. Das ist zu wenig, um in der 1. Liga bestehen zu können.
Auch der Trainerwechsel ist wirkungslos verpufft. Der Club spielt genau so erbärmlich und verunsichert wie die letzten Wochen unter Trainer Verbeek. Nicht einmal ein Tor gelang bisher. Das war ja wohl ein klassischer Rohrkrepierer.
Als letztes Lebenszeichen knallen lediglich drei Böller in der Nordkurve. Die sollten wohl die drei ersehnten Punkte symbolisieren. Die Rufe „Bader raus“ im Stadion mehren sich.

Bayuwarische Schützenhilfe nicht genutzt
Was am ätzendsten ist: Rein rechnerisch ist immer noch der Relegationsplatz denkbar. Denn Bayern und Augsburg leisten bayuwarische Schützenhilfe für den fränkischen Konkurrenten und besiegen auswärts den HSV und Braunschweig. Doch unser Club ist wieder mal zu doof, um daraus Kapitel zu schlagen. Andererseits hat er mit den gezeigten Leistungen auch wirklich nix in der Bundesliga verloren.

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Jetzt steht das letzte Saisonspiel auf Schalke an, die noch einen Punkt brauchen, um sich für die Champions League zu qualifizieren. Da wird trotz Fanfreundschaft ganz bestimmt nichts hergeschenkt. Zudem hat der Club auf Schalke seit Jahrzehnten nicht mehr gewonnen. Ein weiterer „Hoffnungsschimmer“ ist, dass der FCN für das Spiel auch noch drei Verteidiger seiner Viererkette verliert. Chandler, Pinola und Plattenhardt begehen unnötige Frustfouls und kassieren dafür jeweils ihre fünfte Gelbe Karte. Was für ein Scheißdreck.
Aber andererseits: Eigentlich egal, wer in der Abwehr spielt, viel schlechter kann es doch nicht mehr werden!

Erlöse uns von dieser grausamen Saison
Ich habe auch gar keine Lust mehr auf diverse Rechenspielchen am letzten Spieltag. Und auch keinen Bock mehr auf die Scheißhausparolen von Vereinsseite von wegen „Endspiel und wir können es noch schaffen“. Laber, laber Rhabarber! Dass der Club am letzten Spieltag eher was vergeigt, als etwas zu gewinnen, ist hinlänglich bekannt. Die Wahrheit liegt bekanntermaßen auf dem Platz – und dort hat die Mannschaft seit Wochen jämmerlich versagt. Ist traurig, aber Fakt.

Wir gehören in die 2. Liga – wahrscheinlich als Tabellenletzter. Bin gespannt, ob Braunschweig dem HSV noch den Relegationsplatz wegschnappt. Der Dino der Liga ist nämlich ebenfalls fällig.
Bei den Löwen aus Braunschweig könnte sich der Club dagegen so Einiges abschauen. Die haben im Spiel gegen Augsburg vorgemacht, was ein Endspiel bedeutet: Mutiges Anrennen bis zum Schluss und keine Schicksalsergebenheit. Auch wenn sie es unglücklich in der 94. Minute verloren haben. Doch sie stehen auf und kämpfen weiter.

Leider gehen wir nicht mit erhobenem Haupt und wehenden Fahnen unter. Dazu fehlt der Mannschaft der Mumm.
Der Fußballgott möge uns von dieser Saison erlösen und dem jämmerlichen Treiben ein Ende machen! Dann ist diese grausame Saison endlich überstanden.

Die ausführliche Spielanalyse dazu gibt’s bei kicker online.

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2 Kommentare zu “Weiße Taschentücher sagen leise Servus

  1. Ales leidende Braunschweigerin danke ich dir, allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass sie es gegen Hoffenheim packen 😦 Es bleibt spannend

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  2. Zwei Heimspiele des Clubs besucht, zwei Niederlagen erlebt. War bei der Niederlage gegen Bremen noch ein Kampf und Aufbäumen der Mannschaft zu sehen, war gestern meist nur Hilflosigkeit und Resignation zu sehen. Ich drücke dem Club beide Daumen, dass es mit dem Relegationsplatz noch klappt. Aber egal ob Trainerwechsel, Abstiegshexe oder „Bader raus“ – am meisten hinterfragen müssen sich die Spieler, ob sie wirklich alles gegeben haben.

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