2 Kommentare

Couragiert gegen den Absturz


29. September 2014 – 8. Spieltag

Leidenschaft, Laufbereitschaft, Pressing und Zweikampfstärke waren die Schlüssel zum Erfolg. Der Club schlägt Lautern in einem hochemotionalen Kampfspiel mit 3:2 und stoppt seinen Abwärtstrend. Leistung und Ergebnis sorgen für Zuversicht in der Woche der Wahrheit.

Es waren zwei höchst turbulente Wochen am Valznerweiher. Sowohl was die sportlichen Ergebnisse als auch die Ereignisse rund um Vorstand und Aufsichtsrat betrifft. Der FCN wieder mal mitten drin in der Sinnkrise und Herbstdepression.

Das Montagsspiel gegen die Roten Teufel verhieß daher eher noch eine Verschärfung der Lage, reiste doch ein Aufstiegskandidat mit viel Selbstvertrauen an. Zudem verbannte Trainer Ismael den langjährigen Stammkeeper Schäfer kurzfristig auf die Tribüne und ernannte Rakovsky dauerhaft zur neuen Nummer 1 im Tor. Eine Aktion, die mich doch ziemlich verwundert. Die Hintergründe wird man wohl nur bedingt erfahren.

Pure Leidenschaft

Aber der Club strafte die berechtigten Kritiker der letzten Wochen Lügen und lieferte endlich ein Kampfspiel ab, das den absoluten Willen der Mannschaft verdeutlichte. Ich habe selten den FCN so giftig, lauf- und zweikampfstark gesehen – mit intensivem Pressing auf den ballführenden Gegenspieler. So konnte Kaiserslautern kaum ein geordnetes Offensivspiel in der ersten Stunde entwickeln.

Hinten ließ unser Team erstmal auch nichts anbrennen: Kompromisslos wurden die Bälle weggedroschen, wenn Gefahr drohte. Wieder und wieder und wieder. Das sah zwar nicht nach einem geordneten Spielsystem aus, war aber sehr effektiv. Zu oft haben wir uns in der Saison dämliche Gegentore eingefangen, weil man von hinten heraus schön spielen wollte und dann den Ball leichtfertig vertändelt hat!

Und in der Offensive, man glaubt es kaum: Der FCN spielte energisch nach vorne, erzwang Torchancen und erzielte endlich wieder TORE. Daniel Candeias (25. Minute) und Alessandro Schöpf mit einem Doppelpack (41. und 51. Minute) verwerteten die blitzartig vorgetragenen Konter eiskalt und belohnten den Club schließlich für seinen couragierten Auftritt. Dreimal bin ich wie ein Springteufel vom Sofa aufgesprungen und habe den angestauten Frustjubel rausgebrüllt. Endlich!

Team hat Fans euphorisiert

Das Schöne neben den drei Toren war, dass von Anfang an die Mannschaft den Fans gezeigt hat: „Wir lassen uns nicht unterkriegen und kämpfen als Team für den FCN!“ Dieser absolute Wille war so deutlich erkennbar, dass die 25.000 Fans gar nicht anders konnten, als ihr Team bedingungslos und leidenschaftlich anzufeuern. Kein Murren, keine Pfiffe, keine Schmährufe.

Selbst als das Spiel nach einer Stunde kippte, weil Lautern nicht aufsteckte und zwei Tore schoss, kippte nicht die Stimmung. Statt lähmender Angst war einfach nur Leidenschaft und Zuversicht zu spüren. Dass die Fankurve gesperrt war, hat glücklicherweise auch nicht geschadet. So verlagerte sich die Heimat der eingefleischtesten Fans eben notgedrungen auf die Gegengerade, von wo die einpeitschende Unterstützung erfolgte.

Zittern für den Befreiungsschlag

Trotzdem gerieten die letzten 20 Minuten des Spiels zur puren Zitterpartie: Die Clubspieler wurden vom FCK eingeschnürt, der auf den Ausgleich drängte. Doch das Team nahm die Abwehrschlacht an und unsere neue Nummer 1 hielt klasse. Der eingewechselte Mlapa vergab bei zwei Konterchancen die vorzeitige Entscheidung, so dass die Pulsfrequenz bis zum Ende hoch blieb. Ein letzter Schuss von Lautern in der Nachspielzeit – über das Tor.

Danach folgte Freude und Erleichterung pur bei Mannschaft, Fans und Trainer. Es war schön zu sehen, wie Ismael seine Spieler umarmte und herzte. Von unterkühlter Distanz und einem zerrütteten Verhältnis keine Spur.

Auch mein Puls verlangsamte sich allmählich – alles wieder im rot-schwarzen Bereich. Ermattet sinke ich zurück aufs Sofa, nachdem ich 20 Minuten aufgeregt vor dem Fernseher herumgetigert bin. Der Sieg ist Balsam auf die wunde Fanseele.

Woche der Wahrheit

Der FCN schafft den dringend benötigten ersten sportlichen Befreiungsschlag. Jetzt müssen einfach weitere, ehrliche und konstante Leistungen folgen, durch die das Punktekonto und Selbstvertrauen weiter wachsen können. Dann kann daraus langfristig auch ein schlagkräftiges Team entstehen. Weiter so!

In der Woche der Wahrheit steht jetzt die Jahreshauptversammlung auf dem Tableau, bei der wichtige Weichen gestellt werden, was die personelle Führung und konzeptionelle Ausrichtung des Vereins angehen. Hier ist Spannung ebenfalls garantiert, bevor dann am Freitag im Ruhrpott das Gastspiel beim VfL Bochum ansteht.

Die ausführliche Spielanalyse zur Begegnung gibt’s bei kicker online.

Advertisements

2 Kommentare zu “Couragiert gegen den Absturz

  1. Dramatisches Spiel mit einem verdienten Sieger, muss man einfach anerkennen. Auch wenn’s am Ende nochmal richtig spannend wurde. Wenn man das Spiel gesehen hat, fragt man sich natürlich, warum der Club so weit unten in der Tabelle steht.

    So sehr die Niederlage schmerzt, freue ich mich aber, dass ein Traditionsklub (hoffentlich) wieder die Wende schafft! Grüße an den fleißigen Autor dieses Blogs!

    Gefällt mir

  2. „Warum nicht gleich so?“, möchte man da immer sagen. Aber die Geheimnisse der Psychodynamik von Fußballspielen bleiben wohl für immer ein Mysterium.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s