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Tolle Sause ohne Brause


17. Oktober 2014 – 10. Spieltag

Das erste Mal soll ja immer etwas ganz Besonderes sein. Jedoch hat es bis zur 74. Minute gedauert, bis es endlich zum Höhepunkt kam und sich das Treffen aus Tradition und Investoren-Moderne zu einem rasanten Spiel entwickelt hat. Am Schluss feierte der Club einen knappen 1:0 Erfolg über RB Leipzig und setzt seinen Aufwärtstrend fort – ganz ohne energetische Stimulanzien.

Mein selbstauferlegtes Credo in der Woche vor der Partie lautete: Alle mentalen Kräfte bündeln und Brauseboykott, um den Gegner nicht zusätzlich noch stark zu machen. Also keine energiereichen Brausedrinks, egal ob pur zum Wachmachen oder mit Wodka als Partyschwungmacher! Denn die Erlöse gehen direkt ans Brauseimperium aus Österreich und damit auch quersubventioniert an deren deutsches Konzernprojekt RB Leipzig.

Seit fünf Jahren gibt es nun also diesen Vereinsableger in Leipzig, der mit außerordentlichem Millionenbudget ausgestattet ist. So lautet das Ziel für den Aufsteiger natürlich auch direkter Durchmarsch in die 1. Liga und dann so schnell wie möglich in die Champions League. Der milliardenschweren Konzernmutter sei Dank. So ist es müßig, über Wettbewerbsverzerrung in der Liga zu diskutieren – denn sie ist längst ein Fakt.

Schmaler Grat zur Doppelmoral

Auch über Retortenvereine wie Wolfsburg, Leverkusen oder Hoffenheim wird seit Jahren ein Füllhorn an Multiplen-Euro-Millionen ausgeschüttet, egal ob Titel und Erfolge da sind oder nicht. Dagegen kommen Traditionsvereine mit durchschnittlichem Budget auf Dauer natürlich nicht mehr an, die sich mühsam Geldgeber suchen müssen und nur mit tatsächlichen Erfolgen auf dem Platz auch attraktiver für Sponsoren werden.

Es wäre jedoch eine spannende Frage, wie würden sich Traditionsvereine verhalten, wenn ihnen plötzlich ein potenter Konzern, Gönner oder Investor viele Millionen zur Verfügung stellt? Schalke, Hamburg, Hertha und 1860 München haben es vorgemacht und lassen es erahnen: Jeder nimmt letztlich die Millionen dankbar an.

Ich denke, auch unser Club würde sich am Ende nicht allzusehr wehren, wenn plötzlich ein Millionenregen vom Himmel fiele und das verlockende Versprechen machen würde, aus der ruhmreichen Vergangenheit wieder eine ruhmreiche Zukunft werden zu lassen. Ein schmaler Grat zur Doppelmoral.

Wichtig ist auf dem Platz

Doch das Schöne daran: Egal wie teuer der Kader ist, die Spiele werden letztlich immer noch auf dem Rasen entschieden. So herrschte bei mir eine gespannte Vorfreude auf das erste Aufeinandertreffen mit RB Leipzig, das auch wegen dem guten Saisonstart favorisiert in die Partei ging.

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Gemeinsam mit einem Kumpel aus vergangenen Nordkurve-Zeiten und einem Arbeitskollegen, der aus lokaler sächsischer Verbundenheit den Leipzigern die Daumen drückt, nehmen wir in Block 32 Platz. Ein guter Blick auf die Nordkurve und die noch einmal gesperrten Stehplatzblöcke. Es ist ein seltsames Bild, die Fankurve leer und verwaist zu sehen. Auch wenn die Fans auf die Gegengerade umgesiedelt sind – es ist improvisiert und nicht das farbenfrohe Stimmungsspektakel wie sonst. Trotzdem appellieren sie auf Spruchbändern: „Für die Tradition die Chance nutzen und den Bullen die Flügel stutzen!“

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Gut, die 1.500 mitgereisten Fans aus Leipzig dürften das etwas anders sehen.

RB – Rasen-Bolzerei

Zunächst boten die beiden Mannschaften wenig Spektakel oder gar Höhenflüge: Ein Spiel aus einer massiven Abwehr heraus, viele Befreiungsschläge und Fehlpässe, kaum Torchancen. Ein geordnetes Aufbauspiel oder gar ein filigraner Leckerbissen? Fehlanzeige. Doch dafür Zweikämpfe, Pressing und Einsatz satt, sodass das Zweitligaspiel bis zur 70. Minute eher einer Rasen-Bolzerei glich. Nicht schön anzusehen, aber doch spannend, weil jederzeit ein Tor möglich schien.

Genau das gab es in der 74. Minute nach starker Pass-Stafette: Der Club erobert links vorne den Ball. Füllkrug setzt sich gut durch und spielt Doppelpass mit Sylvestr. Füllkrug legt den Ball kurz vor den Strafraum quer ins Zentrum auf Schöpf, der das Ding aus 15 Metern in die Maschen zirkelt. TOR für den Club! 27.000 Cluberer jubeln und unsere angestaute Spannung weicht den Freudensprüngen!

Rasanz und Rudelbildung

Dieser Angriff war die beste FCN-Aktion der ganzen Partie und gab die Initialzündung für eine rasante Schlussphase. Nach der Führung entwickelte sich dann endlich das erhofft rassige Duell. Es folgten weitere Hochkaräter für den Club, doch Schöpf und Koch zielten überhastet knapp neben das Tor oder an den Pfosten.

Das wäre die Entscheidung gewesen, doch so war weiter Zittern angesagt in einer hochklassigen Schluss-Viertelstunde, die für das vorangegangene Gebolze entschädigte. Leipzig schmiss alle Stürmer in die Waagschale und rannte an, doch Keeper Rakovsky hielt sicher, was auf seinen Kasten flog.

Hektisch wurde es in der Nachspielzeit, als es zu einer Rudelbildung direkt hinter der Torauslinie kam. Mittendrin unser argentinische Rächer Pino, der sich gerade warmlief und gar nicht im Spiel war, aber trotzdem die Gelbe Karte sah. Das Temperament unseres Heißspornes wurde mit Sprechchören gefeiert – genau dafür lieben wir ihn.

Fans versöhnt

Doch der Club ließ sich von dem ganzen Trubel nicht beeindrucken. Trotz fünf Minuten Nachspielzeit stand unsere Abwehr richtig stark und brachte den Dreier über die Zeit. Schlusspfiff. Einen favorisierten Gegner besiegt. Jubel. Erleichterung. Mein Arbeitskollege aus Leipzig gratuliert uns zum letztlich verdienten Sieg des FCN.

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Bei der anschließenden Ehrenrunde bedankt sich die Mannschaft bei den Fans und lässt sich euphorisch feiern. Die spielerische Leistung war zwar wahrlich kein Leckerbissen, doch der ehrliche Einsatz und unbedingte Siegeswillen haben das alles wettgemacht. Das erkennen die Fans an – und sind nach schwierigen Monaten wieder mit ihrem Club versöhnt. Tradition sorgt eben stets für tiefe und heftige Emotionen!

Auch die Blocksperre hat sich letztlich nicht negativ ausgewirkt: Beide Heimspiele wurden knapp gewonnen und der Aufwärtstrend setzt sich weiter fort. Wohin genau wird sich noch zeigen – aber Siege bringen Selbstvertrauen und erhöhen zumindest schon mal die Stimmung. Das Wochenende ist damit gerettet und die nächste Party mit Wodka-Red-Bull darf ohne schlechtes Gewissen kommen.

Die ausführliche Spielanalyse zur Begegnung gibt’s bei kicker online.

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2 Kommentare zu “Tolle Sause ohne Brause

  1. Von einem Fußballspiel konnte man erst ab der zweiten Hälfte sprechen. Bei beiden Mannschaften gab es wohl einen kleinen „Enegiekick“ in der Pause 😉 Jedenfalls sah man ein deutlich besseres Spiel auf beiden Seiten. Am verdienten 1:0 für Nürnberg lässt sich nichts schlecht reden. Lediglich die Zickerei am Spielfeldrand hätte nicht sein müssen. Die Leipziger waren einfach nicht bissig genug, bzw. fanden keinen guten Abschluss – ärgerlich! Dennoch, es war ein schöner Abend im Stadion – sehr gerne wieder!

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  2. Dem bleibt von meiner Seite als Kumpel aus ehemaligen Nordkurve Zeiten nicht mehr viel hinzuzufügen. Wir haben ein jederzeit spannendes, wenn auch kein hochklassiges Spiel gesehen, das der FCN nicht unverdient für sich entschieden hat. Es ist natürlich offensichtlich, dass sich spielerisch noch einiges tun muss. Kampf und Einstellung haben am Freitag Abend aber gereicht um den Dreier einzufahren!

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