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Derby mit Kampf und Choreo


20. Dezember 2014 – 19. Spieltag

Mit einem torlosen Derby verabschieden sich die beiden fränkischen Erzrivalen in die Winterpause. Wenig Spektakel bot das zerfahrene Kampfspiel auf dem Spielfeld. Kreatives und zündende Ideen gab es lediglich in den Fankurven.

47.500 Zuschauer wollten sich das 258. Franken-Derby nicht entgehen lassen. Es ist nun mal das traditionsreichste Derby in ganz Deutschland, das eben seit jeher die Fans mobilisiert und in Wallung versetzt – egal in welcher Liga. Unsere Nordkurve inszenierte beim Einlaufen der Mannschaften eine aufwendige Choreografie mit dem Nürnberger Christkind im Mittelpunkt: „Doch bleibt’s alle Zeit, ihr Herren und Frau’n: das Nürnberg das ihr seid – bis in die Ewigkeit. Bedenkt, wer alles schon hat, braucht nichts geschenkt!“

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Was will uns das Christkind wohl damit sagen? Meine Interpretation: Wer den FCN hat, ist schon beglückt (bedient) genug und braucht (verkraftet) gar keine weiteren Geschenke mehr …

Auf jeden Fall ist die Choreo klasse! Mit dieser Kreativleistung sorgen unsere Fans für Gänsehaut und Emotion. Genau sowas will ich sehen und nicht die rot-schwarzen Pyro-Entgleisungen vom Hinspiel, die das Vereinsimage beschädigen.

Die Fürther zeigen als Choreografie grün-weiße Banner, aber sie fackelten auch Bengalos ab und zündeten weiße Rauchtöpfe. Ja, das habe ich als Retourkutsche erwartet, denn das Hinspiel wollte die Fürther Ultra-Szene so natürlich nicht auf sich sitzen lassen.

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Übliches verbales Derbygeplänkel

Ansonsten ist die Stimmung und Anfeuerung von den Rängen gut. Natürlich dürfen die üblichen, gegenseitigen verbalen Boshaftigkeiten im Zuge des Fan-Derbygeplänkels nicht fehlen.

Ein Spruchband in der Nordkurve hat mir besonders gut gefallen: „Die Scheidung reicht ihr ein? Der hässliche Holzschuh wird auf ewig euer Logo sein!“

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Aber in Summe nichts Dramatisches, was komplett dem vorweihnachtlichen Geist des harmonischen Miteinanders widersprechen würde und zwingend auf dem Beichtstuhl gestanden werden müsste.

Und man glaubt es kaum: Nach der Partie pilgern trotz aller oft hochgespielten Fanrivalität beide Lager als schwarz-grün-rot-weiß gemischter Pulk von der Südkurve zum Großparkplatz. Auf dem Weg dorthin genehmigen wir uns Franken-Tappas am Club-Imbiss. Dort stehen wir Bratworschdsemmel kauend mit Fürthern zusammen und unterhalten uns ohne Aggressionen – frotzelnd, aber friedlich zivilisiert wie normale Fußball-Liebhaber, die eben nur die Farben des Vereins trennen.

Zerfahren und hitzig

Anscheinend hat das Spiel auf dem grünen Rasen die Anhänger zwar emotionalisiert, aber nicht wirklich in Rage versetzt: Der Club startet schwungvoll. Es entwickelt sich eine intensive Partie mit vielen Zweikämpfe und Fouls – hitzig und zerfahren. Wenig Spielfluss, kaum brenzlige Situationen und Torchancen, so dass beide Torhüter nur selten eingreifen müssen. Der letzte Pass kommt einfach nicht an, am Sechzehner wird immer noch ein weiterer Pass gespielt, anstatt mal zu schießen.

Fürth steht gut und die Pässe verfangen sich im vielbeinigen Abwehrverbund. Zudem haben sich die Fürther anscheinend beim Überqueren der Stadtgrenze den seltenen Virus der Fall- und Schwindsucht eingefangen. Zu oft fallen sie nach normalen Zweikämpfen hin, markieren den sterbenden Schwan und bleiben liegen. Oder es ist einfach die Müdigkeit nach einem aufreibenden Jahr.

Dabei leistet Schiedsrichter Florian Meyer seinen Beitrag: Er pfeift sehr kleinlich und liegt mit seinem Gespann oft daneben. Von einem FIFA-Schiri erwarte ich doch etwas mehr. Sei es drum.

Verlieren verboten

Nach der verdienten gelb-roten Karte geben den Greuther Giftzwerg Schröck in der 52. Minute verstärkt Fürth mit doppelter Viererkette die Abwehrbemühungen. Verlieren verboten, lautet das Motto für beide Teams im Derby.

Der FCN hat danach zwar optische Vorteile und Übergewicht, doch damit weiß er nicht viel anzufangen – große Torchancen bleiben trotz Überzahl Mangelware. Im Gegenteil: Fürth setzt sogar noch mal gefährliche Konternadelstiche.

Ein intensiv geführtes Kampfspiel, bei dem sich beide Teams leidenschaftlich beharkt und letztlich neutralisiert haben, endet ohne Sieger. So kommt in Summe ein leistungsgerechtes 0:0 heraus, das genau das Niveau einer mittelmäßigen Zweitligabegegnung wiederspiegelt. Aber mehr hat der fränkische Fußball auf beiden Seiten der Stadtgrenze derzeit eben leider nicht zu bieten.

Die Bilanz von FCN-Coach Weiler fällt ebenfalls selbstkritisch und realistisch aus:

„Wir hatten drei Spiele in sechs Tagen, das hat man vor allem zum Ende der Partie gemerkt. Nach dem Platzverweis hatten wir in Überzahl keine Chancen mehr. Die ersten 30 Minuten waren gut, da hätten wir ein Tor machen können. Danach war es ein kampfbetontes und wahrscheinlich für die Zuschauer nicht sehr ansehnliches Spiel. In den sechs Partien seit ich da bin haben wir jetzt vier Gegentore bekommen. Das ist ein guter Wert. Nach vorne bleibt allerdings noch einiges zu tun.“

Der Baum darf bleiben

Das neben mir sitzende Orakel hoffte zwar auf den Heimsieg, prophezeite aber bereits während der Autofahrt ein Unentschieden. Der alte Fuchs hat wieder mal Recht gehabt. Auch ich finde mich mit der Punkteteilung ab und beschließe, dass der grüne Weihnachtsbaum doch bleiben darf. Ich glaube, bei einer Derbypleite wäre er hochkant rausgeflogen!

Ich bin froh, dass das Fußballjahr 2014 vorbei ist. Der Auftakt mit vier Siegen gegen Hoffenheim, Berlin, Augsburg und Braunschweig war prächtig und auch der Abschluss mit Siegen gegen Sechzig, Aalen und Aue. Aber der Rest dazwischen war grausam und hat zigtausend meiner Haare ergrauen lassen.

Der Club überwintert auf dem achten Tabellenplatz als Nummer 1 in Franken. Schaun wir mal, was 2015 bringt. Es ist noch genügend Luft nach oben. Aber ich bin zuversichtlich, weil ich unseren neuen Trainer Weiler und dessen Art klasse finde. Sein Konzept und gezielte Verstärkungen des Kaders in der Winterpause könnten noch für eine interessante Rückrunde sorgen. Vielleicht geht ja noch was …?!

Die ausführliche Spielanalyse dieses Franken-Derbys gibt’s bei kicker online.

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2 Kommentare zu “Derby mit Kampf und Choreo

  1. Erstmal vielen Dank an unseren Frank für die tollen Beiträge über unseren Club. Auch ich war im Stadion und voller Zuversicht, einen lang herbeigesehnten Derbysieg zu sehen. Choreo spitze, 1.Halbzeit gut, 2.Halbzeit unterirdisch…aus meiner Sicht war es lange nicht so leicht, die Teebeutel zu schlagen. Aber naja, die letzten Spiele zeigen einen erfreulichen Trend und der Trainer gibt ebenfalls Grund zur Hoffnung. Also weiter so…

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  2. Danke an Frank Ordosch für das ganzjährige Begleiten durch Hoch und Tief. Dem Clubgeflüster eine besinnliche Weihnachtzeit und auf ein Neues in 2015. fcn123

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