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Rückschritt trotz Fortschritt


28. Februar 2015 – 23. Spieltag

Der Club hat eigentlich alles richtig gemacht. Bis auf eine Kleinigkeit: Zu viele Torchancen ausgelassen. So endet das Spitzenspiel gegen den KSC nur unentschieden und die Konkurrenz setzt sich wieder ab. War‘s das mit den Aufstiegsambitionen?

Blaulicht, Straßensperren und eine Polizeieskorte zur Begrüßung am Messezentrum. Was sonst nur bei Derbys gegen den Nachbarn aus der Westvorstadt üblich ist, wird auch an diesem Samstagmittag praktiziert. Viele KSC-Fans reisen mit dem Zug und dann der U-Bahn an, so dass die Polizei die Gäste vom Messezentrum ins Stadion kanalisiert und eskortiert. Das bedeutet zwar 15 Minuten Wartezeit bis wir auf den Großparkplatz einbiegen dürfen, doch das sind die richtigen Zeichen für ein Spitzenspiel mit vielen Gästefans. Über 2.000 füllen nachher die Gästeblocks.

DSCN4686_klein2Denen zeigt die Nordkurve, was sie draufhat und hat eine farbenfroh anfeuernde Choreografie vorbereitet: „Siegen für Nürnberg“ steht auf einem riesigen Banner, das von an die hundert rot-schwarzen Fahnen flankiert wird. Pünktlich zum Spielbeginn werden noch dutzende große Fahnen mit dem Stadtwappen von Nürnberg dazu geschwenkt. Sieht klasse aus. Jetzt kribbelt es endgültig in der Magengrube. Es ist angerichtet und das neben mir sitzende Orakel prophezeit einen 2:1 Heimsieg.

Außenrist ins Glück

Der Club nimmt sich den Wunsch der Fans zu Herzen und erwischt einen klasse Start: Mlapa sichert den Ball an der Mittellinie, passt flach zu Sylvestr und der steckt durch auf Winterneuzugang Burgstaller. Der nimmt Fahrt auf, dringt von halbrechts in den Strafraum ein und schlenzt mit dem rechten Außenrist ins linke Eck. 1:0 nach drei Minuten – das Stadion mit über 28.000 Cluberern schwelgt im rot-schwarzen Freudentaumel und die Mannschaft in der Jubeltraube. Kein schlechter Auftakt für ein Sechs-Punkte-Spiel.

DSCN4688_kleinAber der KSC zeigt sich davon unbeeindruckt. Nach zu kurzer Rückgabe auf FCN-Keeper Rakovsky sprintet Torres dazwischen und hebt das Leder aber glücklicherweise knapp am Tor vorbei. Durchatmen. Auch danach spielt Karlsruhe ballsicher und fährt fast jeden Angriff brandgefährlich über die rechte Seite.

Das Orakel mahnt

Doch der Club hält kämpferisch prima dagegen, steht kompakt und erspielt zwei Großchancen durch Sylvestr: In der 25. Minute bedient Burgstaller die slowakische Torgranate, der den Ball schön mitnimmt und auf den Torwart zuläuft. Im letzten Moment wird Sylvestr noch so bedrängt, dass er den Keeper nur anschießen kann.

In der 40. Minute geht’s wieder schnell. Burgstaller flankt von links flach in den Fünfer. Sylvestr steht mutterseelenallein und jagt den Ball hoch drüber. Wir raufen uns die Haare. Das gibt’s nicht! Sowas macht er doch sonst locker rein.

Papa orakelt mit finsterem Blick, „hoffentlich rächt sich das nicht noch vor der Halbzeit“. Ich raunze ihn an, „das soll sich am besten überhaupt nicht rächen“ – als es sich rächt. Von rechts kommt der Ball von Torres an den zweiten Pfosten. Rakovsky segelt an der Kugel vorbei und der KSC vollstreckt aus wenigen Metern humorlos zum Ausgleich. Genau in der 45. Minute. Mit dickem Hals schimpfe ich über unsere unsortierte Abwehr und hadere über die vergebenen Großchancen. Der Appetit aufs Halbzeit-Weggla ist gründlich verdorben.

Fluch der Latte

Die zweite Hälfte beginnt wieder mit einer FCN-Großchance und mündet in ein zerfahren aggressives Spiel mit vielen Fouls und sieben gelben Karten. Der Schiri tut dazu sein Übriges und pfeift komischen Mist zusammen. Doch ab der 70. Minute ist der Club am Drücker, spielt energisch und kombiniert sehenswert. Nach Eckball von Schöpf herrscht völliges Durcheinander im Fünfmeterraum. Der Ball fliegt Richtung KSC-Tor, doch ein Abwehrbein kratzt das Leder geradeso von der Linie.

Dann holt den Club der Fluch der Latte wieder ein: Ein Hammer von Kapitän Polak aus 18 Metern klatscht nur an den Pfosten. Und kurz vor Schluss zimmert Blum den Ball an die Querlatte. Wahnsinn, dass der nicht reingehen will! So bleibt es beim schmeichelhaften Unentschieden. Ein Punkt, mit dem der KSC sicher besser leben kann.

FCN-Torschütze Burgstaller ärgert sich: „Wir sind enttäuscht, dass es nur ein Punkt geworden ist. Es wäre mir lieber, ich hätte nicht getroffen und wir hätten dafür gewonnen. Aber wie wir aufgetreten sind, war gut. Über die gesamten 90 Minuten waren wir die bessere Mannschaft. Leider haben wir unsere Chancen nicht genutzt.“

Fußball verkehrt

Der Club-Sieg wäre nach 7:3 Großchancen zwar hochverdient gewesen, doch die Badenser festigen ihren Ruf als das stärkste Auswärtsteam der 2. Liga. Der KSC mit seiner eingespielten Truppe ist verdient an den Aufstiegsplätzen dran. Kurioserweise macht der Club prima Fortschritte und ein sehr gutes Spiel, das richtig nach Fußball aussieht. Trotzdem holen wir nur einen Punkt, weil wir leider nicht so effizient wie in Düsseldorf waren.

Unabhängig vom Ergebnis bin ich trotzdem echt zufrieden – hat Spaß gemacht, war spannend und ansehnlich. Einziger Wermutstropfen: Weil die Konkurrenz Dreier eingefahren hat, gibt es trotz Fortschritte einen Rückschritt. Der FCN rutscht auf den siebten Platz und hat jetzt wieder sieben Punkte Rückstand auf die Aufstiegsränge. So hat die Minieuphorie einen kleinen Dämpfer bekommen. Ob das noch reicht? Keine Ahnung. Egal, einfach von Spiel zu Spiel denken. Abgerechnet wird am Schluss.

Tabelle_Spieltag-23-2015Das Orakel lag diesmal zwar daneben und muss sich neu besinnen, ist aber gegen Heidenheim am Freitagabend wieder mit dabei. Es hat einiges gut zu machen.

Die ausführliche Spielanalyse der Begegnung gibt’s bei kicker online.

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