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Gegen die Wand gerannt


6. März 2015 – 24. Spieltag

Die Heimserie ist gerissen: Der Club verliert nach einem Torwartfehler ein Spiel, das er nie hätte verlieren dürfen. Mit nur einem Punkt aus zwei Heimspielen ist das Thema Aufstieg erledigt und das Orakel erhält eine Denkpause.

In der Hektik des Feierabendverkehrs stehen wir rund ums Messezentrum im Stau. Freitag um 18:30 Uhr ist eine bescheuerte Anstoßzeit. Gleichzeitig findet die Internationale Waffenmesse mit Knarren und Kalaschnikows statt. Hier hätten sich die Cluberer abschauen können, wie man ins Schwarze trifft – oder zumindest Zielwasser besorgen können. Haben sie leider versäumt.

Es geht nur zäh voran und das Spiel beginnt gleich. Abgehetzt erreichen wir die Stadioneingänge und hören, wie die „Legende“ gespielt wird. Jetzt aber schnell in den Block. Ein gellendes Pfeifkonzert ertönt, weil die Heidenheim-Fans Bengalos zünden. Als wir endlich auf unseren Plätzen sitzen, lichten sich die Rauschwaden und das Spiel läuft bereits. Vor lauter Hektik haben das Orakel und ich nicht mal das Ergebnis getippt. Aber für uns ist klar, dass der Club nach den guten Leistungen der letzen Wochen gewinnen wird. 90 Minuten später sind wir schlauer und total ernüchtert.

Eingeschnürt

Dabei ließ es sich in der ersten halben Stunde prima an. Der Ruhmreiche schnürt Heidenheim in der eigenen Hälfte ein und hat Partie und Gegner im Griff: Schon in der vierten Minute bedient Pino von links Sylvestr. Der dreht sich im Strafraum geschickt um seinen Gegenspieler und schließt mit links ab. Knapp rechts vorbei.

Es geht munter weiter. Hovland bekommt nach einer Standardsituation den Ball und zieht aus 17 Metern gleich ab. Doch der Schuss segelt drüber. Der FCN presst gewaltig und Heidenheim kommt kaum aus der eigenen Hälfte. Sie haben aus zwei Viererketten – gefühlt sind es mehr – ein Abwehrbollwerk errichtet und finden offensiv nicht statt.

Die 31.000 Zuschauer sind guter Dinge – lange kann es nicht mehr dauern. In der Tat.

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Im Fünfer verirrt

In der 28. Minute bekommt Heidenheim auf der rechten Seite knapp 40 Meter vor dem Club-Gehäuse einen Freistoß. Der segelt lange, lange ans rechte Fünfereck. FCN-Keeper Rakovsky irrlichtert umher, rennt raus, dann bleibt er stehen. Abwehrspieler Celustka verschätzt sich ebenfalls, sodass Wittek letztlich unbedrängt zur Gästeführung einköpfeln kann. Damit hat keiner gerechnet und auch die 600 Fans aus Heidenheim jubeln ungläubig und etwas verspätet.

Dieses Ding hat unser Torwart verkackt! Wir ärgern uns über den unverdienten Rückstand nach der ersten gegnerischen Offensivaktion.

Rakovsky zeigt sich einsichtig:

„Wir haben eigentlich gut gespielt, hatten viel Ballbesitz und waren die bessere Mannschaft. Aber es hat immer ein Meter gefehlt. Das Tor geht auf meine Kappe. Der Ball ist lange in der Luft, dann gehe ich raus und muss ihn haben. Das war eigentlich die einzige Chance der Heidenheimer, deshalb ist diese Niederlage sehr bitter.“

Prellball ohne Lücke

In der Folge rührt Heidenheim erst recht Abwehrbeton an und stellt sich hinten rein. Der Club versucht es weiter. Spielt nicht schlecht. Rackert unermüdlich – immer wieder angetrieben vom grandiosen Pino auf der linken Seite. Noch ist ja genügend Zeit.

Aber die Pille will einfach nicht rein: Entweder verpasst Sylvestr in der Mitte haarscharf eine flache Hereingabe oder er vergeigt aus fünf Metern knapp am Tor vorbei. Die Uhr tickt jetzt gegen uns.

Immer wieder bekommt ein Heidenheimer ein Bein dazwischen oder wirft sich in die Schussbahn. Kurz vor Schluss zieht Blum noch mal ab. Auch dieser Ball wird abgefälscht und trudelt am Gehäuse vorbei. Das war‘s. Abpfiff. 0:1. Die erste Heimniederlage seit September – und das gegen einen solch biederen Gegner!

Frühlingserwachen verpennt

Wir sind fassungslos und ernüchtert: Der Club rannte unermüdlich an, fand die entscheidende Lücke nicht und prallte wieder und wieder an der Abwehrmauer ab. Selten hat sich ein Gegner so destruktiv nur hinten reingestellt, hat nach vorne nichts zustande gebracht und nur durch einen Torwartfehler ein Spiel gewonnen. Ich hadere mit unserer schlechten Chancenverwertung und der schwachen Torhüterleistung. Dieses Spiel hätte der FCN nie und nimmer verlieren dürfen.

Hat er aber.

Enttäuscht grummeln wir zurück zum Parkplatz. Der Altmeister hat es in zwei Heimspielen hintereinander nicht geschafft, mit Siegen Druck auf die Konkurrenz aufzubauen Acht Punkte beträgt der Rückstand auf die begehrten Aufstiegsplätze. Das war‘s dann mit jeglichen Aufstiegsträumen und der Rechenschieber wird endgültig eingemottet. Das zarte Pflänzchen Aufstiegshoffnung, das nach dem Auswärtssieg in Düsseldorf erblühte, ist am frostigen Winterabend unerwartet eingegangen. Das Frühlingserwachen wird ohne den Club stattfinden. Ich erteile dem Orakel eine Denkpause und Stadionverbot für die nächsten Partien.

Zeit sinnvoll nutzen

Der Club sollte die nächsten Wochen nutzen, die Mannschaft einzuspielen und noch so viele Punkte wie möglich zu holen, damit am Saisonende ein vernünftiger Platz im oberen Tabellendrittel herausspringt. Das gibt dann wenigstens etwas mehr Fernsehgelder. Geld, das wir brauchen können, weil in unserer nächsten Zweitliga-Saison das Budget für den Kader um voraussichtlich 25 Prozent schrumpfen wird.

Damit wird ein künftiger Aufstieg sicher nicht leichter …

Die ausführliche Spielanalyse der Begegnung gibt’s bei kicker online.

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