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Ein Rudel macht noch keinen Sommer


10. April 2015 – 28. Spieltag

Der Club stoppt gegen den bärenstarken Aufsteiger Darmstadt seinen Abwärtstrend. Doch trotz Choreo und Frühlingsgefühlen der Fans reicht es nicht zum ersehnten Sieg. Wann ist endlich Schluss mit den immer wieder gleichen, nervigen Fehlern?

Ein fast sommerlicher Freitagnachmittag bei 22 Grad. Beste Laune auf dem Weg ins Stadion als plötzlich ein großer Schatten mein Auto verdunkelt. Gerade überholt mich der FCN-Mannschaftsbus im zähflüssigen Feierabendverkehr. Ein freudig erstaunter Aufschrei und der Griff zum Smartphone. Beweissicherung gelungen und via Twitter in die Club-Community gepostet. Am Messeparkplatz streife ich das FCN-Sommertrikot über. „Köpke“ und die „1“ sind hinten draufgeflockt. Da bleibt unser Kasten heute hoffentlich sauber. Na, wenn das mal keine guten Omen zum Auftakt sind.

FCN-MannschaftsbusAm Glubb-Imbiss dann ein entspannter Plausch mit Fans der Lilien, rund 2.500 sind mitgereist. Da sich deren Sonderzug verspätet hat, verzögert sich der Spielbeginn um 15 Minuten. So stoßen wir erstmal mit einem Seidla an und wünschen uns gegenseitig den Aufstieg – heuer und nächstes Jahr. Schön, wenn endlich mal Tradition mit authentischen Fans zu Gast ist. Auch nach dem Spiel gibt’s weiteren Fantalk. Viele Darmstädter waren begeistert vom Stadion und der Stimmung.

Volkes wahrer Himmel

Die war trotz des Ballasts von vier Pleiten hintereinander wenig nachtragend, sondern heiter bis sonnig unter den 30.500 Zuschauern. Kurz vor Spielbeginn vertrieb dann die Choreo in der Fankurve letzte trübe Gedanken. Auf zwei riesigen Bannern stand: „NORDKURVE – Hier ist des Volkes wahrer Himmel. Hier bin ich Mensch, hier darf ich‘s sein!“

??????????In dieser prickelnden Atmosphäre liefen dann die Mannschaften ein. Es war angerichtet für mein erstes Aufeinandertreffen gegen Darmstadt.

Kompaktes Kampfspiel

Das Spiel läuft dann wie erwartet: Die Lilien stehen kompakt und lassen nur sehr wenig zu. Sie spielen einfachen und schnörkellosen Fußball und überzeugen mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung. Damit haben sie in der Saison nur 19 Gegentore und drei Niederlagen zugelassen und insgesamt 48 Punkte geholt. Ihr überragender Lauf hat sie bis auf den Relegationsplatz gehieft. Hut ab für diesen Aufsteiger!

Doch der Club bestreitet seinerseits eine starke erste Hälfte: Nimmt die Zweikämpfe am Boden und in der Luft an. Spielt gefällig mit flüssigen Kombinationen und dominiert die Partie. Doch er kommt zu deutlich weniger Torchancen als in den letzten Spielen. Trotzdem schepperts noch vor der Pause durch Burgstaller in der 34. Minute – dieser österreichische Wintereinkauf ist einfach ein Volltreffer! Sylvestr hat mit seinem Lupfer sogar die Chance zum 2:0, doch der Keeper der Lilien bekommt noch reaktionsschnell die Hände hoch.

??????????Auf der Anzeigentafel steht eine hochverdiente 1:0 Pausenführung. Die Stimmung ist hervorragend und die Ultras ziehen nach der Pause euphorisiert von Spielstand und Frühlingsgefühlen blank: 1, 2, 3 – Oberkörper frei!

Club-Urgesteine im Rudel

Die zweite Halbzeit verläuft dann aber wie gehabt in den letzen Wochen. Der FCN will zwar, doch er lässt nach. Darmstadt macht mehr Druck, gewinnt mehr Zweikämpfe und spielt energischer nach vorne. Mit der ersten richtigen Chance erzielen sie den Ausgleichstreffer in der 73. Minute, weil die FCN-Abwehr nicht kompromisslos genug am Sechzehner zu Werke ging. Der nach seiner Ellenbogenverletzung wiedergenesehne Schäfer ist machtlos gegen den plazierten Schuss. So ist der Ausgleich etwas glücklich, doch nicht gänzlich unverdient.

Ansonsten schenkten sich beide Teams die restliche Spielzeit nichts und bestritten kompromisslos ihre Zweikämpfe. Nicht verwunderlich, dass es zweimal zur Rudelbildung mit zwei hitzköpfigen Club-Urgesteinen mittendrin kam: Mal der Pino und mal der Schäfer. Ja, das ist gelebte Emotion für den Club! Geradezu lachhaft, dass Ex-Trainer Ismael beide aus dem Kader gekegelt hat, weil er Spieler braucht, „die sich emotionalisieren lassen“. Das konnte man den Hitzköpfen wahrlich noch nie vorwerfen!

Punkt lindert den Seelen-Schmerz

Weitere Torchancen waren Mangelware bis zur 88. Minute, als Burgstaller aus fünf Metern freistehend direkt in die Arme des Lilien-Keepers köpfte. Mann, oh Mann – den darf man schon mal machen!

Es bleibt am Ende bei einem intensiven Unentschieden. Der Club ist leider immer für ein Gegentor gut und nutzt seine Chancen wieder nicht konsequent genug. So kann man am Ende eben nicht gewinnen. Alles wie gehabt. Aber ein Punkt lindert zumindest den Seelen-Schmerz von vier Schlappen in Serie. Mehr geht halt momentan leider nicht.

Was noch bei den Lilien geht, wird sich zeigen. Bei dem Lauf ist ein Durchmarsch nicht ausgeschlossen. Mehr Tradition in der 1. Liga kann aber nicht schaden. Am Ende des Tages endete alles wie es begann: Kurz vor der Autobahnauffahrt zog wieder ein Mannschaftsbus an mir vorbei – diesmal der vom SV Darmstadt 98.

Die ausführliche Spielanalyse der Begegnung gibt’s bei kicker online.

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