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Akuter Lizenzierungsschock


20. April 2015 – Lizenzierungsverfahren

Der Club muss um die Lizenz bangen! Im laufenden Lizenzierungsverfahren hat die DFL dem FCN zunächst die Lizenz für die nächste Saison verweigert und an Bedingungen geknüpft. Anscheinend steckt der Verein in finanzieller Schieflage, an der unfreiwillig auch die Fans „mitschuldig“ sind. Ein Rückfall in die chaotische Vergangenheit?

Plötzlich holt mich die schmerzliche Vergangenheit wieder ein. Beim Aufschlagen des NN-Sportteils am Mittwochmorgen überkommt mich ein längst vergessenes Gefühl und wirkt wie ein Schlag in die Magengrube: Die Deutsche Fußball Liga hat dem FCN vorerst die Lizenz verweigert und stellt Bedingungen. Ich bekomme Schnappatmung – denn mit dieser neuen offenen Flanke beim Club habe ich in keinster Weise gerechnet! Schließlich waren die finanziellen Planungen des Vereins für sehr viele Jahre solide und vernünftig.

Skandalnudel kurz vorm Ruin

Das war nicht immer so. In den wilden Neunzigern war der Altmeister eine hochverschuldete Skandalnudel, die regelmäßig beim Lizenzierungsverfahren durchgerasselt ist und gegen Auflagen verstoßen hat. Als Dauergast beim DFB-Schiedsgericht haben wir wegen Punktabzügen gestritten und wollten die Lizenz einklagen. Ein Balanceakt eines hochverschuldeten Vereins auf der Rasierklinge – immer kurz vorm finanziellen Ruin. Nur diverse Bankdarlehen und Notkredite vom Expräsidenten Michael A. Rot haben den FCN vor dem Kollaps bewahrt.

Diese Jahre haben Image und Reputation unseres Herzensvereins arg ramponiert und das Nervenkostüm von uns Fans zerfleddert. In diesen Jahren glich der Club einem todkranken Patienten auf der Intensivstation. Natürlich haben wir mitgelitten und hatten Sorgenfalten auf der Stirn.

Verdient hat nur die Telekom

Wir haben nach Neuigkeiten gelechzt, ob die Lizenz doch noch erteilt wird: In einer Ära vor dem Internet – ja, die gab es tatsächlich mal – haben wir ungeduldig alle erdenklichen Quellen genutzt. Es war die Zeit, als Bundesligavereine eigene Hotlines angeboten hatten. Sündhaft teure 0190-Nummern, bei deren Anruf sich eine Bandansage mit den aktuellsten Vereinsnews abspielte. Ja, das investigative „Club-Fon“.

Verdient hat dabei nur die Telekom – und der Rüffel meiner Eltern wegen horrender Telefonrechnungen klingelt noch heute in meinen Ohren. Es waren sehr unruhige und keine schönen Zeiten für den FCN und seine Fans – sowohl sportlich als auch finanziell!

Plötzlich seriös

Doch irgendwann wurde aus dem Krisen-Club ein fast ganz normaler, seriöser Verein, der anfing vernünftig zu planen und Schulden kontinuierlich abzubauen. Aus den Sorgen vor dem Bankrott wurden lediglich sportliche Sorgen, die ja immer noch für genügend graue Haare sorgen. Untrennbar mit dieser soliden finanziellen Gesundung des FCN ist auch der Name Martin Bader verbunden. Seine Verdienste während des vergangenen Jahrzehnts sind daher unbestritten, trotz der aktuell heftigen Kritik an seinen Entscheidungen der letzen zwei Jahre.

Umso mehr überrascht es jetzt, dass der Club anscheinend wieder in eine finanzielle Schieflage geraten ist. Klar, der Abstieg mindert alleine die Einnahmen aus den Fernsehgeldern um schätzungsweise zwölf Millionen Euro.

Deckungslücke trotz hoher Transfererlöse?

Jedoch wirft die noch nicht erteilte Lizenz für die Zweitliga-Saison 2015/2016 Fragen auf: Die DFL zweifelt anscheinend ernsthaft an der Liquidität des FCN. Bis Mitte Mai müssen die zusätzlich angeforderten Nachweise bei der DFL abgegeben werden.

Der NN bestätigte Club-Aufsichtsratschef Thomas Grethlein, dass man die geforderten Bedingungen nun abarbeite: „Auch in den vergangenen Jahren wurden dem 1. FC Nürnberg für die Zweite Liga im Lizenzierungsprozess Bedingungen auferlegt und Auflagen erteilt. Sie bringen den Verein aber nicht in die Bredouille.“

Also alles in Ordnung und nur halb so wild? Laut DFL anscheinend nicht! Sie sieht Deckungslücken für die nächste Spielzeit, trotz Einnahmen in dieser Saison von circa 38 Millionen Euro. Alleine die Transfererlöse für Drmic, Kiyotake oder Ginczek dürften fast 15 Millionen betragen haben. Schwer vorstellbar, dass dieser Batzen Knete nicht ausreicht, um ein dickes Minus zu vermeiden!?

Tja, notfalls verkaufen wir eben ein paar Rohdiamanten aus dem NLZ oder Stark und Schöpf aus dem aktuellen Kader. Tolle Aussichten.

Fananleihe als Totengräber?

Dass die im April 2016 fällige Rückzahlung der Fananleihe mit einem Gesamtvolumen von mindestens sechs Millionen Euro plus Zinsen gewaltig auf die Stimmung rund um den Valznerweiher drückt, gilt als offenes Geheimnis. Doch der Verein beabsichtigt, die Belastung in die ferne Zukunft mittels eines Anschlusskredits zu verschieben.

Es wäre geradezu ein unanständiger Treppenwitz, falls sich die Fananleihe nicht nur als Stimmungskiller, sondern gar als Totengräber für den FCN erweisen sollte. Das wäre wiederum eine boshafte Laune des Schicksals, dass die Fans am Lizenzentzug eine Mitschuld tragen könnten. Unmöglich sagt ihr? Stimmt, mindestens genau so unmöglich, dass der FCN als Deutscher Meister und Pokalsieger absteigen kann …

Die nächsten Wochen werden spannend und wir können uns wieder Sorgen machen um unseren Verein – sportlich wie finanziell. Ach Club …

Der Hintergrundartikel zum Lizenzierungsverfahren in den Nürnberger Nachrichten findet ihr hier.

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3 Kommentare zu “Akuter Lizenzierungsschock

  1. Naja, das ist schon verdammt weit hergeholt. Der Club hat es sechs Jahre lang versäumt entsprechende Rücklagen zu bilden um die Fananleihe zurückzahlen zu können. Und laut Woy ist es ein „völlig“ normaler Vorgang in 2016 umzuschulden in ein Bankdarlehen. Was ist wenn wir das nicht bekommen weil die Sicherheiten (neues Verwaltungsgebäude) als nicht ausreichend angesehen werden von der Bank? Und ich persönlich werde mit Sicherheit meinen Anteil zurückfordern weil ich es im Leben nicht einsehe Bader und Co. auch nur noch einen Cent anzuvertrauen. Wir waren und sind entgegen aller Beteuerungen NIE schuldenfrei gewesen. Der Abstieg in 2008 klebt wie eine Klette noch heute in unseren Bilanzen und wir haben es sträflich versäumt in den fetten Jahren Bundesliga unsere Strukturen so zu ändern das wir nicht ständig auf Transferüberschüsse angewiesen sind um die laufenden Kosten zu decken. Das ist der eigentliche Skandal: Wir haben seit Jahren ein strukturelles Defizit und die allermeisten wollten davon nichts wissen. Nah dem Pokalsieg und den Spielen auf internationalen Parkett war der Club eine Marke, ein echtes Pfund mit dem man hätte wuchern können. Heute sind wir nur noch eine Lachnummer.

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  2. Bizarre Aussage, „die Fans“ wären schuld, wenn sie auf der Rückzahlung ihres für klar umrissene Projekte gewährten Darlehens bestünden.

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    • Das meinte ich natürlich nur im übertragenen Sinn, weil es den Verein finanziell wohl in Zugzwang bringen würde. Natürlich sollen alle Fans ihr Geld zurückbekommen! Aber es würde mich nicht wundern, wenn es hier zeitlich zu Verzögerungsszenarien kommen könnte. Ich hoffe aber das Beste. Denn wir Fans wollen sicherlich nicht eine potenzielle Schieflage des FCN verschärfen.

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