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Stolpertor stoppt schwarze Serie


24. April 2015 – 30. Spieltag:

In einem Schweinespiel stoppt der Club seine schwarze Serie und sichert den Klassenerhalt. Doch der kollektiven rot-schwarzen Erleichterung drohen die nächsten Hiobsbotschaften: Der Ausrüster geht von Bord und der Vorwurf der Spielmanipulation steht im Raum.

Jede Durststrecke endet einmal – geht doch! Der FCN hat das Siegen nicht verlernt und seine Serie von sieben Spielen ohne Sieg mit einem Stolpertor gestoppt. Wenn es schon bei schönen Spielen mit dem Siegen nicht klappt, dann eben in einem Schweinespiel ohne große technische Raffinessen. Egal!

Der eingewechselte Torschütze Kerk hat passend dazu Fans und Verein mit einem wahren Stolpertor erlöst: „Der Trainer hat vor dem Spiel gesagt, dass wir heute den Sieg auch mal erzwingen müssen. So war es dann auch. Beim Tor war ich zunächst überrascht, dass der Ball durch kam.“

Hauch von Slapstick

Stimmt – und seine Überraschung wäre statt dem verdienten 1:0 beinahe in tragischem Slapstick ausgeartet: Blum setzt sich in der 75. Minute auf links entschlossen durch. Seine scharfe Hereingabe saust durch den Sechzehner. Kerk steht am zweiten Pfosten und stolpert die Pille aus fünf Metern erst an den Pfosten. Den Abpraller stochert er aus kürzester Distanz zwischen Keeper und Pfosten ins Netz.

In einer zähen Begegnung war der Bann endlich gebrochen! Denn was der FCN und Sandhausen am Freitagabend den 25.000 Zuschauern vor sehr leer wirkenden Rängen boten, war magere Zweitligadurchschnittsware. Klar, Sandhausen reiste mit 37 Punkten im Gepäck zum Altmeister sowie der Empfehlung, noch kein Auswärtsspiel in 2015 verloren zu haben. Die spielten auf Unentschieden und brachten in der Offensive kaum etwas zustande.

Dabei hätte es hervorragend gepasst, wenn deren verunglückter Flankenversuch vom Außenpfosten nicht ins Aus, sondern unglücklich an Schäfer und von dort ins Tor gekugelt wäre. Doch diesmal war Fortuna mit uns im Bunde.

Abstiegsgespenst über Stadtgrenze gescheucht

Und als unser österreichischer Torgarant Burgstaller in der Nachspielzeit sogar noch überlegt ins lange Eck schlenzte, war der überfällige Heimsieg besiegelt. Ein überragender Wintereinkauf und nicht mehr aus dem Team wegzudenken!

So lag sich die rot-schwarzer Fangemeinde endlich mal wieder freudetrunken und erleichtert in den Armen. Endlich mal wieder ohne Gegentor. Durch den lang ersehnten Dreier hat der Club nun 38 Punkte auf dem Konto und klettert auf den neunten Tabellenplatz. Doch viel wichtiger ist, dass der Ruhmreiche damit den Klassenerhalt de facto gesichert hat und sich aufkeimender Abstiegssorgen postwendend entledigen konnte. Das schont unser Nervenkostüm ungemein. Danke Club – auch wenn uns der Klassenerhalt letzte Saison noch mehr gefreut hätte …

Tabelle_30-Spieltag_2015

Sei es drum. Stattdessen haben wir das Abstiegsgespenst über die Stadtgrenze in die Westvorstadt gescheucht, denn dort herrschen sportlich seit vielen Wochen ähnlich gruselige Zustände. Soll es sich doch dort austoben.

Adidas geht von Bord

Doch der Club wäre nicht der Club, wenn sich in die Erleichterung des Sieges nicht auch ein paar bittere Pillen mischen würden. So wurde im Verlauf des Freitags noch vor dem Spiel bekannt, dass Ausrüster Adidas beim Club übernächstes Jahr aussteigt.

Auf der FCN-Homepage ist zu lesen: „Ab der Saison 2016/17 haben der 1. FC Nürnberg und adidas die Entscheidung getroffen, die Zusammenarbeit über die Saison 2015/16 hinaus nicht fortzuführen. adidas wird sich künftig im Zuge einer neuen Strategie noch stärker auf Partnerschaften mit jungen, aufstrebenden Spielern sowie auf Kooperationen mit ausgewählten Top-Vereinen und -Verbänden im internationalen Fußball konzentrieren.“

Was für eine WATSCHN für den Club! Doch es zeigt, auf was Adidas Wert legt: „Auf Partnerschaften mit jungen, aufstrebenden Spielern sowie auf Kooperationen mit ausgewählten Top-Vereinen.“ Leider kann genau das der Altmeister gerade nicht wirklich bieten. So hält der fränkische Weltkonzerns dem Verein schonungslos einen zwar berechtigten Spiegel vor – trotzdem ist dieses Signal verheerend und enttäuschend zugleich. Schon eine Frechheit, dass der Prophet im eigenen Frankenland nichts wert ist. Trotzdem gilt der Abgang von Ausrüster Adidas erneut nicht als Arbeitsnachweis, der für die Kompetenz der Vereinsführung spricht. Ein Trauerspiel!

Vorwurf der Spielmanipulation

Doch damit nicht genug – auch die Vergangenheit hat wieder mal heftig zugeschlagen. Das Fußballmagazin 11 Freunde veröffentlichte in seiner Online-Ausgabe ein Interview mit dem ehemaligen Bundesligaprofi Michael Krätzer vom 1. FC Saarbrücken. Krätzer erzählt darin von Manipulationsvorwürfen seitens der Nürnberger Mannschaft in der Saison 1992/93. Saarbrücken war schon abgestiegen und spielte am letzen Spieltag beim Club, der wie so oft noch um den Klassenerhalt kämpfte. In mehreren Telefonaten sollen sich Nürnberger Spieler erkundigt haben, was Saarbrücken für eine Niederlage haben wolle.

Ein Auszug aus dem Interview mit 11 Freunde mit den Anschuldigungen von Michael Krätzer im Wortlaut:

Immer eine schwierige Frage, aber welches Ihrer Spiele würden Sie hervorheben?

In der Bundesligasaison 1992/93 verloren wir mit dem FC Saarbrücken acht Spiele in Folge und waren praktisch abgestiegen. Am letzten Spieltag mussten wir nach Nürnberg, für die ging es noch um den Klassenerhalt. Einen Tag vor dem Spiel erhielten wir einen Anruf aus Nürnberg.

Worum ging es?

Sie fragten uns, was wir für eine Niederlage haben wollten.

Wie bitte? Wie haben sie reagiert?

Wir hatten uns schon geeinigt. Die Kohle sollte direkt in die Mannschaftskasse gehen, für die Abschlussfahrt. Dann ging das eine Weile hin und her. Unfassbar viele Telefonate. Die Nürnberger machten im Endeffekt einen Rückzieher gemacht, weil Andreas Köpke strikt dagegen war. Einen Tag später legte ich Juri Sawitschew den Ball auf und plötzlich führten wir mit 1:0. Köpke war kreidebleich. Ich ganz frech zu ihm: »Gestern hättest du noch die Chance gehabt, mein Freund!« Ob am Ende trotzdem alles sauber lief, bezweifele ich aber. Zwei von uns haben mit so angezogener Handbremse gespielt, wie ich es noch nie zuvor von ihnen gesehen hatten. Wir verloren mit 1:4, der Club hielt die Klasse.

Das ganze Interview mit Michael Krätze könnt ihr hier bei 11 Freunde nachlesen.

Tja, was soll man davon halten? Das Interview erscheint mir nicht als verspäteter Aprilscherz. Warten wir mal die Reaktionen des Vereins und des DFB ab – sowie potenzielle Konsequenzen. Bin echt sehr gespannt!

So einen Fall habe ich beim Club bisher noch nie miterlebt. Es dürften weiterhin spannende Tage und Wochen beim Ruhmreichen werden. Öfters mal was Neues. Oder auch nicht.

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