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Der Rächer weint


24. Mai 2015 – 34. Spieltag

Am Schluss habe ich alles richtig gemacht. Ich verpasse zwar die Choreo für Pino, doch das Saisonfinale bot für den Club keine Dramatik mehr. So fällt die beinahe schicksalshafte Urlaubsbuchung doch versöhnlich aus und der FCN belegt einen einstelligen Tabellenplatz. Ob ich mir wohl vor Ekstase das Trikot vom Leib gerissen und einen Lorbeerkranz geflochten habe?

Ich weiß nicht, welche geistige Umnachtung mich im Februar umgeben haben muss. Habe ich doch tatsächlich einem Urlaub während der Pfingstferien zugestimmt. Das ist per se noch nichts Verwerfliches, doch hätte mich der Liga-Spielplan in echte Gewissenskonflikte bringen können. Denn heuer liegen das Saisonfinale und die Relegation mitten in den Pfingstferien. Und ich Amateur habe zu einem Zeitpunkt, als der Club nach dem Auswärtssieg in Düsseldorf nur noch fünf Punkte von dem Relegationsplatz entfernt war, tatsächlich Urlaub gebucht! Auch auf die Gefahr hin, die nervenzerfetzende Aufstiegsphase zu verpassen und trotz Dauerkarte nicht live im Stadion dabei sein zu können. Solche Anfängerfehler begehen doch eigentlich nur Schulbuben aus der Westvorstadt. Also mal ehrlich!

Doch der FCN hat alles dafür getan, dass ich mich nicht grämen muss: Er hat im März rechtzeitig alle Aufstiegsambitionen verspielt und sorgte so für einen spannungsfreien Ausklang im Mittelmaß. Also konnte ich doch tiefenentspannt in Urlaub fahren.

Choreo für den Rächer

Sehr schade allerdings, dass ich die Choreo für unseren Pino verpasst habe, die seinen Einsatz in den letzten zehn Jahren für den FCN würdigte. Was ich bisher via Twitter und Youtube mitbekommen habe, sorgte die sagenhafte Choreo für Gänsehaut im Stadion – mehr noch, sie hat Pino sogar zu Tränen gerührt. Unser Rächer mit dem großen Kämpferherz weiß eben, was Charakter und Hingabe zum Fußball und für den Herzensverein bedeuten.

Choreo-Pino

Doch vielleicht steckt in seinen Tränen bereits eine gewisse Vorahnung, dass er keine Spiele mehr für den Club machen wird? Denn just diesen Dienstag war zu lesen, dass Pino das Angebot für einen neuen Einjahresvertrag zunächst abgelehnt hat. Irgendwie beschleicht mich das traurige Gefühl, dass Pino nicht mehr für den Ruhmreichen auflaufen wird. Ich hoffe, dass er noch eine letzte Saison bei uns dranhängt und dann seine Karriere vielleicht mit einem weiteren Aufstieg krönend beenden kann.

Ich fände es klasse, denn die Strahlkraft, die er durch seine bedingungslose Identifikation mit dem FCN ausübt, ist gut für Mannschaft, Fans und Verein. Diesen Effekt sollte die Vereinsführung bedenken und das Vertragsangebot nachbessern, um Pino zu halten. Denn Söldner ohne Identifikation und Herzblut sind bereits viel zu weitverbreitet in den Vereinen quer durch alle Spielklassen! Also ermuntere ich die FCN-Vereinsführung: Pino MUSS bleiben! Ich hoffe, dass es klappt …

Taktikfreier Ausklangs-Kick

Ansonsten hielt das letzte Saisonspiel alles, was man so erwartet, wenn der Club im Niemandsland der Tabelle dümpelnd gegen bereits abgestiegene Aalener spielt:

Die offensivfreudig geführte Begegnung entwickelte sich auf einem ansehnlichen, aber taktisch niedrigem Niveau. Beide Teams vernachlässigten die Defensivarbeit und suchten stattdessen mit offenem Visier den Weg zum Tor. Die 30.500 Fans sahen 12 zu 8 Chancen und am Ende doch noch einen 2:1-Heimsieg des Ruhmreichen. Auch wenn das Siegtor erst in der 87. Minute fiel, war es absolut verdient. Wer sonst als unser Össibomber Burgstaller hätte es erzielen sollen?

Was mich gefreut hat, ist auch der Torschütze zum 1:0: Hat Dave the Machine Bulthuis tatsächlich doch noch sein erstes Saisontor erzielt, was im noch vor Wochenfrist illegalerweise in München aberkannt wurde.

Der kicker kürte Bulthuis gar zum Spieler des Spiels: „Nicht fehlerfrei, doch engagiert und einsatzfreudig. Beim 1:0 stellte er seine Kopfballstärke auch in der Offensive unter Beweis.“

Die ausführliche Spielanalyse der Begegnung gibt’s bei kicker online.

Sein erster Treffer für den Club dürfte jedoch auch sein letzter gewesen sein – er wird wohl keine Vertragsverlängerung erhalten. Finde ich nicht gut, da Bulthuis meiner Meinung nach eine gute Rückrunde gespielt und mit kompromisslosem Einsatz (meistens) für Ordnung in der Abwehr gesorgt hat. Auch hier heißt es abwarten, bis die Personalie endgültig entschieden ist.

Wenigstens vor der Westvorstadt

Was am Ende einer grottigen Saison voller Höhen und Tiefen bleibt, ist die Tatsache, dass wir am Ende wenigstens noch einen Sieg eingefahren und gerade so einen einstelligen Tabellenplatz erreicht haben. Mit 45 Punkten rangieren wir auf Platz 9, was zumindest ein paar mehr Kröten aus dem Topf der Fernsehgelder bringt. Auch dass wir fünf Plätze vor Fürth liegen, ist nur ein schwacher Trost.

Tabelle-Spieltag-34-2015

So ist es wenig verwunderlich, dass ich mir zum Saisonende nicht das Clubtrikot siegestrunken vom Leib gerissen und gleich einen Lorbeerkranz aufs Haupt drapiert habe, um dem Ruhmeichen entsprechend zu huldigen. Zu tief sitzt die Enttäuschung über eine Saison, bei der das Unheil ab dem zweiten Spieltag mit einer unsäglichen Derbypleite seinen Lauf nahm.

Schonungslose Selbstkritik nötig

Jetzt gilt es für die Vereinsführung, sich selbstkritisch und schonungslos zu hinterfragen und die richtigen Schlüsse aus dieser enttäuschenden Spielzeit zu ziehen: Personalwechsel und Konsequenzen an höchster Stelle nicht ausgeschlossen – und damit meine ich definitiv nicht den Trainer Weiler! Mit diesem Mut zur nötigen Katharsis kann der Umbruch gelingen, um wieder in erfolgreichere Spielzeiten zu münden. Dafür braucht es ein vernünftiges Konzept sowie wieder etwas mehr Glück bei der Kaderzusammenstellung und der Verpflichtung von Neuzugängen.

Doch erstmal genieße ich die Sommerpause und lehne mich tiefenentspannt zurück voller Vorfreude auf die anstehenden Relegationsspiele in den nächsten Tagen. Bin gespannt, ob der HSV und 1860 das bekommen, was sie die Saison über verdient haben …

Dabei werde ich schon mal den FCN-Lorbeerkranz für nächste Saison flechten – denn neue Saison, neues Glück. Getreu dem Swingermotto: Alles kann, nichts muss. Aber es wäre schon schön, wenn doch was geht!

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