Hinterlasse einen Kommentar

Dezenter Lizenzjubel


9. Juni 2015 – Lizenzierungsverfahren

Im zweiten Anlauf hat es doch noch geklappt: Der Club hat die Lizenz für die nächste Zweitliga-Saison. Soll ich deshalb vor Freude überschnappen? Eher stimmen mich die spekulativ zufälligen Geldeingänge nachdenklich.

Frohe Kunde vom Club am Dienstagvormittag: Via Twitter teilte der FCN mit, dass die finale Bestätigung der DFL zur erteilten Lizenz vorliegt. Demnach haben die nachgebesserten Unterlagen alle Bedingungen erfüllt – laut Verein erwartungsgemäß.

Ironisch schnippische Twitter-Kommentare ließen natürlich nicht lange auf sich warten:

Spezifisch_Lizenz

Die Lizenz – eigentlich selbstverständlich und kein großes Ding sollte man meinen. Doch vor sechs Wochen hatte die überraschende Nichterteilung in erster Instanz für sehr viel Unruhe gesorgt – Sorgenfalten beim Anhang inklusive.

Daher bin ich jetzt erstmal froh und erleichtert, dass wir die Lizenz haben und noch eine Runde in der 2. Liga mitmischen dürfen. Demut über die kleinen Dinge des Fußballfanlebens ist zwar toll, doch vor Freude übergeschnappt bin ich wahrlich nicht. Eher beschleicht mich Skepsis, dass die finanzielle Situation beim Club nach wie vor ziemlich angespannt ist.

Transfernachzahlungen und HSV helfen

Zumindest konnte der FCN mit seinen nachgebesserten Unterlagen die DFL überzeugen, dass er die geforderten finanziellen Auflagen und Bedingungen erfüllen kann. Dazu beigetragen haben sicherlich klimpernde Nebengeräusche in den Club-Kassen, die auf Transfervereinbarungen basieren:

Für Josip Drmic, Philipp Wollscheid, Adam Hlousek und Almog Cohen sollen in Summe weit über eine Million Euro an Nachzahlungen fällig geworden sein. Auch der Klassenerhalt des scheinbar unabsteigbaren Dinos HSV zahlt sich künftig noch aus. Dadurch bleibt der Club auf Rang zwei in der TV-Tabelle der 2. Liga, was dem FCN nächste Saison 626.400 Euro Mehreinnahmen an TV-Geldern beschert.

TV-Gelder_2016

Das hinterlässt bei mir ein echt mulmiges Gefühl, dass diese Zufallsereignisse für die Lizenz mitentscheidend waren. Eine vorausschauend solide und seriöse Finanzplanung ist das nicht unbedingt …

Knackpunkt Fananleihe

Ein Knackpunkt im Lizenzierungsverfahren war zudem die Rückzahlung der Fananleihe für das neue Funktionsgebäude am Valznerweiher. Die von den Fans investierten sechs Millionen Euro werden zwar erst im April 2016 fällig, doch die DFL wollte schon jetzt wissen, wie der Club diesen Batzen zurückzuzahlen gedenkt. Auch hier hat der Verein inzwischen eine Lösung gefunden, da ein Bankpartner eine langfristige Anschlussfinanzierung ermöglicht. Ebenfalls gilt, dass eine vorausschauende Planung wohl anders aussieht.

Ansonsten hat die DFL im verklausulierten Amtsdeutsch die „weitere sukzessive Verbesserung des negativen Eigenkapitals“ gefordert. Für Einheimische übersetzt heißt das – Schulden abbauen. Eine Auflage, die der FCN bereits in der Vergangenheit zwar immer wieder erfüllen konnte. Jedoch muss am Etat für die kommende Saison gespart werden, vor allem weil die im Vergleich zum Vorjahr fehlenden sehr hohen Transfereinahmen wegfallen.

Aber vielleicht werden es ja die Einnahmen im DFB-Pokal richten. Hier hat der Ruhmreiche das Traumlos VfR Aalen gezogen. Ein Weiterkommen in die 2. Runde ist damit nicht ganz ausgeschlossen, aber trotzdem wagemutig! Vielleicht schaffen wir ja das schier Unmögliche …

Keine Panik durch Prinzip Zufall?!

Laut Sportvorstand Martin Bader gehöre der Club allerdings „schon noch zu den Vereinen, die Spielern sehr gute wirtschaftliche Perspektiven aufzeigen können“.

Von jenen „Untergangsszenarien“, wie sie in den vergangenen Wochen im Club-Umfeld gezeichnet wurden, will er im Gespräch mit der Nürnberger Zeitung nichts wissen. „Wir hatten an unserer Arbeit wenig Zweifel“, sagt Bader selbstbewusst und bewertete das Placet aus Frankfurt als „Bestätigung, dass sie von der Liga honoriert wird“.

Na dann ist ja alles gut und überhaupt kein Grund zur Panik! Ich hoffe nur, dass sich die Vereinsführung hier nicht in die klammen Taschen lügt und das Drama bei dem nächsten Lizenzierungsverfahren wieder von vorne losgeht und dann letztlich sogar nach hinten losgeht. Aber solange wir keinen Einblick in die Bücher beim FCN haben, kann man nur spekulieren. Doch bei der diesjährigen Hauptversammlung im Oktober lohnt es sich sicherlich, mal etwas genauer auf die Bilanzen und das komplexe Zahlenwerk zu schauen.

Ich hoffe inständig, dass der neue FCN-Vorstand Michael Meeske den frischen Wind von St. Pauli beim Club wehen lässt: Er wird ab September neuer Vorstand Marketing, Verwaltung und Finanzen – hier hoffe ich auf mehr Weitsicht, Kompetenz und Professionalität in der Vereinsführung. Denn dass sich etwas tun und verbessern muss, ist wohl unbestritten!

Bis dahin genießen wir die Sommerpause und freuen uns in Demut über die erteilte Lizenz – man wird ja bescheiden als Club-Fan.

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s