Ein Kommentar

Aus dem Außenseiter-Windschatten


24. Juli 2015 – Saisonstart:

Eine quälend lange Zeit: Zehn Wochen Sommerpause mit den üblich aufgeregten Zwischen- und Misstönen rund um den Valznerweiher sind überstanden. Endlich startet die Saison und das Herzbumbern wird weitergehen. Mein Zwischenfazit zwischen Vorbereitungskrise und gelassener Zuversicht.

Was hab ich mich doch anfangs auf eine langweilige Sommerpause eingestellt – zehn Wochen nur Training, Testspiele und Transfergedöhns. Bis auf die sehnsüchtig erwarteten Verstärkungen deutete kaum etwas auf Spannung hin. Doch unser Club hat auch in dieser staden Zeit für genügend Gesprächsstoff gesorgt.

Los ging es mit der konfusen Trennung von unserem Publikumsliebling Pino: Die Begleitumstände mit zu langer Bedenkzeit, zu hohen Gehaltsforderungen, am Schluss einer Zusage Pinos, die dann der FCN wieder abgelehnt hat – das war unwürdig! Das hat Pino nicht verdient, nachdem er zehn Jahre lang die Knochen für den Club hingehalten und immer alles gegeben hat. Unabhängig davon, dass er von seinem sportlichen Leistungsvermögen her erkennbar am Limit war, aber mit ihm fehlt Verein und Fans eine Identifikationsfigur. Unser sympathischer, argentinischer Rächer war eine richtige Type, die es heute nicht mehr oft im Fußballgeschäft gibt. Du wirst uns fehlen Pino! Viel Erfolg in Argentinien bei deinem neuen Verein Rosario Central. Und danach kommst du zurück und steigst in den Trainerstab beim Club ein. Du bist jederzeit willkommen!

Transfergerüchte und -granaten

Pino auf dem Platz ersetzen soll künftig Laszlo Sepsi (ASA Targu Mures), dessen Verpflichtung auch von einigen Ungereimtheiten begleitet war, bis er schließlich doch am Valznerweiher eintraf. Fürs Tor kam Thorsten Kirschbaum (VfB Stuttgart) wohl als neue Nummer 1, so kann der momentan verletzte Schäfer sein letzte Saison ausklingen lassen und Rakovsky vervollständigt das Torwarttrio und bleibt beim FCN. Davor sollen die Neuzugänge Hanno Behrens (SV Darmstadt 98), Tim Leibold (VfB Stuttgart II) und Kevin Möhwald (Rot-Weiß Erfurt) die defensive Zentrale stabilisieren. Die neuen Angreifer Stefan Kutschke (VfL Wolfsburg) und Rurik Gislason (FC Kopenhagen) sollen für mehr Torgefahr sorgen.

Aber in der Abwehr sind wir nach wie vor sehr dünn besetzt. Leider fehlt immer noch der ersehnte Verteidiger auf der rechten Seite. Hier sind seit Wochen viele Namen im Gespräch, wobei der Norweger Martin Linnes von Molde FK als heißester Kandidat gehandelt wird. Ich hoffe, dass wir ihn endlich an Land ziehen können. Auch er wird danach Eingewöhnungszeit benötigen.

Eine Gesamtübersicht zu allen bisherigen Transfers vom Club findet ihr hier.

Auf jeden Fall bin ich froh, wenn endlich das Transferfenster schließt: Ist schon nervtötend, welche Transfergerüchte täglich durchs Transferdorf getrieben werden. Das Fachgesimpel, wen man doch holen könnte oder stattdessen lieber hätte holen sollen, geht mir gewaltig auf den Keks!

Vorbereitungskrise oder Sand im Getriebe?

Was unsere Neuverpflichtungen letztlich können und ob sie richtige Verstärkungen werden, das wird sich dann im Laufe der Punktspiele zeigen. Hier sollten wir fairnesshalber jedem mal einige Partien zugestehen und jetzt nicht gleich in Panik verfallen, weil die Testspiele der Saisonvorbereitung durchwachsen liefen: 1:2 gegen Jahn Regensburg, 0:1 gegen Bohemians Prag, 1:0 gegen Schweinfurt sowie jeweils 2:2 gegen die Würzburger Kickers und Celta Vigo stehen zu Buche.

Nur ein Sieg glückte dem Club in seinen Testspielen. Klar, eine ziemlich maue Bilanz, die nicht gerade Euphorie und Aufbruchsstimmung im Umfeld erzeugt. Aber irgendwie normal, dass es noch nicht richtig rund läuft und der Sand im Getriebe knirscht.

Auch Trainer Weiler kommt zu dem salomonischen Urteil:

„Die Vorbereitung darf man nicht überwerten, aber natürlich auch nicht unterschätzen. Ich will nicht Zeit schinden, aber wer erwartet, dass wir aus den Startlöchern kommen und vorneweg marschieren, der versteht das Business nicht. Das geht nicht, unmöglich.“

Recht hat er. Für Siege in Testspielen kannst du dir nix kaufen. Ich habe schon Saisonvorbereitungen erlebt, da hat der FCN bombig aufgespielt und namhafte europäische Gegner besiegt. Doch anscheinend hatten wir unser Pulver damit schon verschossen und sind dann kläglich abgestiegen. Also kein Grund für Tristesse und Trübsal im seit jeher aufgeregten Umfeld des Ruhmreichen. Trotz der von lokalen Medien titulierten „Vorbereitungskrise“ ist noch nichts Gravierendes passiert.

Kreis der Aufstiegsanwärter

Zudem sind die Ziele für die neue Saison zurückhaltend formuliert: Der Club will laut Vereinsführung im vorderen Drittel mitspielen, was objektiv betrachtet als realistisches Ziel erscheint – unabhängig davon, was wir Fans uns alle insgeheim wünschen.

Angesichts der Investitionen der finanzstarken Konkurrenz aus Leipzig oder Düsseldorf sowie ambitionierter Klubs wie Freiburg, Braunschweig, Karlsruhe, Paderborn, Union Berlin und Kaiserslautern gehört der Club in der kommenden Spielzeit eben nur zum erweiterten Kreis der Spitzenteams in einer 2. Liga, in der mindestens neun Teams vom Aufstieg träumen. Eine Liga mit viel Tradition und Titeln, in der sich sieben ehemalige Deutsche Meister tummeln.

ABER: Auch wenn keiner den FCN auf dem Aufstiegszettel hat, vielleicht geht aufgrund der mannschaftlichen Geschlossenheit sogar mehr. Nach dem radikalen Umbruch letzte Saison gab es heuer nur wenige schwächende Abgänge und punktuelle Zukäufe. Das Mannschaftsgerüst steht und hat bereits in der Rückrunde vielversprechende Andeutungen gemacht. Und was eine mannschaftliche Geschlossenheit bewirken kann, haben die Erstliga-Aufsteiger Ingolstadt und Darmstadt letztes Jahr eindrucksvoll demonstriert.

Wer weiß, vielleicht gelingt dem FCN, aus dem Außenseiter-Windschatten heraus eine wichtigere Rolle im Aufstiegsrennen zu spielen, als derzeit alle Experten der Liga vermuten.

20.000 mit Herzbumbern

Auf jeden Fall sind die Glubberer heiß. Gut 20.000 haben sich wieder eine Dauerkarten gekauft – und das trotz der zwei enttäuschenden Vorsaisons. Auch ich bin einer davon. Nach Jahren in der Diaspora der Südkurve habe ich endlich wieder eine Dauerkarte in der Nordkurve ergattert. Yes, Frank is back!

Dauerkarte Herzbumbern

„Unsere Heimat ist die Kurve, unser Stolz der Club – ole Nürnberg, ole, ole!“

Ich freue mich auf die Saison und gebe mich keiner Illusion hin, dass es langweilig werden wird. Schließlich handelt es sich um unseren Club. Der wird schon für genügend Herzbumbern, Puls, dicken Hals und Blutdruck sorgen. Dabei bleiben wird doch einfach mal – so untypisch für einen fränkischen Fußballfan – gelassen und zuversichtlich.

Lasst die Spiele endlich beginnen. Wir nehmen die Gegner, wie und wann sie kommen. Wir sind der Club!

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Ein Kommentar zu “Aus dem Außenseiter-Windschatten

  1. Hallo Frank,
    was habe ich deine Blogposts in der Sommerpause vermisst! Gut, dass die Saison wieder losgeht!
    Ich drücke euch die Daumen für heute Abend!

    Gefällt mir

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