Hinterlasse einen Kommentar

Bayern-Dusel goes Fränkisch


17. August 2015 – 3. Spieltag:

Der Club ergattert sich mit einer gehörigen Portion Dusel einen Punkt im Derby gegen 1860 München. Bis auf die prima Chancenverwertung, Moral und Kampfgeist stimmte nicht viel. Dieses Heimspiel hätte zum Debakel werden können.

Die nackten Zahlen drücken eine schauderhafte Wahrheit aus: 6 zu 23 Torschüsse und 1 zu 12 Ecken. Das sind erwartbare Werte, wenn du auswärts bei einem Spitzenteam wie den Bayern antreten musst. Aber in einem Heimspiel gegen 1860 München darf sowas nicht passieren! Das gleicht einer bajuwarischen Watschn sondersgleichen. Das einzig Gute an diesem Montagabend war das Ergebnis – mit 2:2 erduselte sich der Club einen Zähler.

Blech und Flutlicht

Es ging schon zäh los. Eine Blechlawine quält sich vor der Partie über Umwege auf den Messeparkplatz. Kilometerlanger Stau und ich mittendrin. Eine baustellenbedingte Vollsperrung blockiert die übliche Zufahrt. Also eine zwangsweise Umleitung über die Münchener Straße und dann die Bayernstraße. Hilfe, was sind das für unheilsschwangere Omen! Genervt und mehrere Hupkonzerte später bin ich erst zehn Minuten vor Spielbeginn endlich im Stadion.

Gerade noch rechtzeitig, um die Choreo der Nordkurve mitzukriegen. Als Erinnerung an den legendären und 2005 verstorbenen Liedermacher Maximilian Kerner gab es in schönstem Fränkisch den mutmachenden Sinnspruch mit auf den Weg: „Des ganze Abstiegsgwaaf des is ma worschd, weil … des Johr steign ma wieder aaf!“

DSC00865_bearbeitetEs war angerichtet an diesem Montagabend für das fränkisch-bayrische Derby vor 36.500 Zuschauern, davon circa 3.500 Sechzig-Fans. Ein Flutlichtspiel, das nur die Löwen zu erleuchten schien.

Club tappt im Dunkeln

Denn die Sechziger marschierten von Anfang an. Spielten druckvoll aufs FCN-Gehäuse und nahmen Keeper Kirschbaum kräftig unter Beschuss. Es schien, als wollten Okotie und Adlung im Alleingang den Club zerlegen. Mehrere Großchancen und ein Lattentreffer später schwante mir Übles. Das passierte dann in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit: Die x-te Ecke für die Löwen, Kopfball an den Pfosten und der Abpraller wird zum 0:1 eingenickt. So überflüssig wie ein Kropf, aber leider absolut hochverdient.

Und was brachte der Ruhmreiche zustande? Nun, auf dem Platz war er schon. Aber anscheinend war das Flutlicht nicht hell genug, denn der Club tappte völlig im Dunkeln. Kein geordneter Spielaufbau, kein Zug zum gegnerischen Tor und eine nicht sattelfeste Abwehr. Torchancen Fehlanzeige! Pfiffe verabschiedeten das Team in die Pause.

Achterbahnfahrt mit Dusel

FCN-Trainer Weiler schien die richtigen energischen Worte in der Kabine gefunden zu haben. Er wechselte Schöpf und Behrens aus und stellte das Spielsystem um. Plötzlich war der Club bereit, zu fighten und endlich wie eine Heimmannschaft aufzutreten.

Dann begann die Achterbahnfahrt im Stadionachteck: In der 53. Minute zieht ein Sechziger vom linken Strafraumeck ab und versenkt die Kugel rechts unten im Eck. 0:2! So eine Scheiße, jetzt war das Spiel für mich gelaufen. Doch während die Löwen jubelnd abdrehten, durchbrach ein Pfiff deren Glückseligkeit. Das Schirigespann hatte ein aktives Eingreifen des passiv im Abseits stehenden Okotie gesehen. Eine harte Entscheidung und glücklich für den Club. Doch die Münchner mussten fast im Gegenzug die nächste bittere Pille schlucken: Blum spitzelte das Leder in den Lauf von Burgstaller, der frei vorm Löwen-Käfig auftauchte und flach zum 1:1 vollstreckte.

Sechzig ließ sich davon nur kurz beirren, stürmte weiter und scheiterte an Kirschbaum. Es war ein offener Schlagabtausch und in der 63. Minute stellte der FCN den Spielverlauf endgültig auf den Kopf: Brecko drang vehement in den Löwen-Strafraum ein und flankte nach innen, wo Stark aus drei Metern nur noch den Fuß hinhalten musste. Jetzt explodierte das Achteck und die rot-schwarze Gemeinde jubelte enthemmt. Der Ruhmreiche hatte tatsächlich das Spiel gedreht und aus dem Rückstand ein 2:1 gemacht. Freude und Staunen gleichermaßen!

Sechzig zündet Knaller

Doch das Spiel war noch lange nicht gelaufen. Die Löwen blieben bissig und ballerten weiter aus vollen Rohren. Während die Sechzig-Fans in der 73. Minute ihre Pyroshow zündeten, ließ sich davon Adlung zu einem Knaller animieren: Die überforderte Nürnberger Hintermannschaft bekam wieder einmal eine Flanke nicht geklärt und stocherte unkoordiniert im eigene Sechzehner rum. So kam Adlung zentral aus 16 Metern zum Schuss und knallte die Kugel ins linke Eck. Der Ausgleich und die Fans mussten vor Freude keine Pyros zünden, denn die brannten ja schon. Tolles Timing!

DSC00876_bearbeitet

Glück mit dem Gestänge

Die Schlussphase gehörte dann wieder den Giesingern. Sie blieben die aktivere Mannschaft und verbuchten weitere Großchancen. Doch entweder vereitelte Kirschbaum oder sein Co-Keeper – der Pfosten. Die Sechziger trafen an diesem Abend dreimal ans Aluminium-Gestänge. Was für ein Dusel für den Club, der sich wenigstens zu einer historischen Großtat aufraffen konnte. In der 81. Minute gelang die erste und einzige Ecke für den Ruhmreichen, während die Löwen zu zwölf Eckstößen kamen. Ohne Worte!

Glücklicherweise ertönte endlich der erlösende Schlusspfiff. Ich war erleichtert, dass dieses rasante und spannende Spiel vorbei war und der Club einen Punkt ergattern konnte. Denn es blieb beim schmeichelhaften und glücklichen 2:2. Es hätten am Ende locker fünf Gegentore mehr werden können. Der FCN hatte den Dusel, den man sonst nur von den Roten aus der Landeshauptstadt kennt.

Klappriges Mannschaftsgerüst

Nach drei Spieltagen hat der Club schon zehn Gegentore kassiert – so viele waren es zuvor noch nie in 47 Jahren Profifußball! Glücklicherweise herrscht momentan im Angriff eine erstaunlich gute Effizienz, weil aus vergleichbar wenigen Torchancen schon acht Treffer erzielt werden konnten.

Trotzdem hakt es derzeit in allen Mannschaftsteilen: Zu viele individuelle Fehler, zu wenig individuelle Klasse, noch keine Automatismen und zu viel Unordnung. Viele Spielaktionen entstehen eher aus Zufall, als aus System. Auch wenn am Anfang der Saison noch nicht alles klappen kann, hatte ich mir deutlich mehr erhofft. Weil das Mannschaftsgerüst der Rückrunde fast komplett erhalten blieb und eigentlich auch sinnvoll verstärkt wurde, dachte ich, dass es eigentlich runder laufen sollte. Gerade die eklatante Abwehrschwäche bereitet arge Kopfschmerzen. Ohne Abwehr gewinnst du keinen Blumentopf – egal in welcher Liga.

Ob noch bezahlbare Verstärkungen bis Ende August geholt werden können, bleibt abzuwarten. Finanziell scheint die Lage beim Club wieder mal sehr angespannt zu sein. Daran ändert auch das Weiterkommen im DFB-Pokal nichts. Im Gegenteil: Es droht sogar der Verkauf von Leistungsträgern, damit Lizenz-Auflagen erfüllt werden können.

Schau mer mal, welche Kaderbewegungen es noch bis Ende August geben wird. Auf jeden Fall wartet auf Vereinsführung und Trainerstab genügend Arbeit, um das Team wettkampftauglich zu machen. Es gibt leichtere Aufgaben im bezahlten Fußball.

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s