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Fortuna im Schatten


30. August 2015 – 5. Spieltag:

Hinten zu Null und vorne hilft schon der liebe Gott! Getreu diesem Motto kämpft sich der Club zu einem wichtigen Heimsieg und dämpft die Krisenstimmung im Umfeld. Mysteriöse Rätsel werfen die in Rauchschwaden gehüllten Ultras auf. Oder sind es gar Illuminaten?

Am Anfang haben wir die Fans aus Düsseldorf beneidet. Während der Gästeblock mit 1.500 Fortunen schön „gekühlt“ im Schatten lag, brutzelte der Stimmungsblock in der Nordkurve in der prallen Sonne. Das Nürnberger Achteck glich einem Glutofen: Schon die pure Anwesenheit ließ den Schweiß rinnen. Bei tropischen Temperaturen weit über 30 Grad käme es keinem vernünftigen Mensch in den Sinn, sich anzustrengen – geschweige denn Profisport zu betreiben.

Die beiden Teams auf dem Rasen waren also nicht zu beneiden. Zudem mussten sie zusätzlich noch den schlechten Saisonstart und einhergehende Zweifel und Krisenstimmung aus dem Umfeld verdauen. Also ideale Bedingungen für ein munteres Scheibenschießen oder ein 0:0-Krampfspiel.

Ultras im Bunde mit Illuminaten?

Zu Beginn der Partie hüllen die Ultras Nürnberg die Nordkurve erstmal in bunte Rauchschwaden. Begleitet von einem riesigen Banner mit der Aufschrift „Deine Augen sehen es, doch dein Verstand kann es nicht fassen“. Neben dem Motto sind noch Zirkel und Lineal, eine Pyramide mit Auge in der Mitte und eine Eule zu sehen – alles Symbole der Freimaurer.

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Als Durchschnitts-Clubberer habe ich in dieser Choreo erstmal keine riesige Verschwörung eines Geheimbundes gesehen. Die Aussage „Deine Augen sehen es, doch dein Verstand kann es nicht fassen“, habe ich gemünzt auf die unfassbaren Darbietungen des Ruhmreichen in den letzten Wochen – sowohl auf dem Rasen als auch abseits des Platzes.

Aber anscheinend sollte doch eine tiefergehende Botschaft enthalten sein. Am Abend veröffentlichten die Ultras ein rätselhaftes Video bei Youtube, das geprägt von mystischen Anspielungen auf die Illuminaten ist. Fan-Diskussionen auf Twitter interpretieren es so: Viele sehen zwar, was die Ultras machen, aber sie verstehen nicht den tieferen Sinn hinter den Aktionen, weil die Ultras wie ein Geheimbund agieren. Ja, da ist was dran. Macht euch doch selbst ein Bild und schaut das mysteriöse Video an. Gänsehaut inklusive.

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Was die Polizei davon hält, weiß ich nicht. Aber sie hat die Choreo mit dem gezündeten Rauchpulver gespannt auf Video gebannt. Auch der DFB dürfte sich da einreihen und die Beweggründe der Ultras wohl nicht verstehen. Aber man muss kein Hellseher sein, dass der DFB den Club erneut mit einer saftigen Geldstrafe belegen wird, gilt man doch als Wiederholungstäter in Sachen Pyrotechnikverstöße. Da dürften wieder ein paar Tausender in Rauch aufgehen, die der Verein mit seinen klammen Kassen anderweitig gut hätte einsetzen können. Ja, es stimmt: „Deine Augen sehen es, doch dein Verstand kann es nicht fassen.“ Mag es noch so schön anzuschauen sein.

Drei Abseitstore im Glutofen

Trotz potenzieller Verschwörungstheorien offenbarte sich auf dem Rasen, dass beide Teams auf eine sichere Abwehr setzten und das Risiko scheuten. FCN-Trainer Weiler stellte mächtig um: Aus der Startelf flogen Bulthuis, Behrens und Schöpf. Ebenso fehlte das zur Hertha verscherbelte fränkische Juwel Stark. Stattdessen kamen Neuzugang Margreitter, Kerk, Gislasson und Möhwald zum Einsatz. Gleichzeitig kehrte Weiler zum System 4-4-2 zurück.

Seine Wechselrotation zahlte sich aus. Die Abwehr stand deutlich besser als in den zwei Spielen zuvor. Der Club kämpfte, rackerte und scheute keinen Zweikampf. Nur das Offensivspiel mit vielen technischen Unzulänglichkeiten schien darunter zu leiden. Bälle wurden hoch und weit gedroschen. Torchancen Mangelware. Die Hitze lähmte anscheinend alle.

Für etwas Aufregung sorgten dann wenigstens drei Abseitstore vor der Halbzeit: Zwei erzielte die Fortuna, eines der Club. Nach Studium der Fernsehbilder waren zwei Tore regulär und es hätte mit 1:1 in die Pause gehen müssen. So blieb es beim 0:0. Interessant, dass der Ruhmreiche in zwei Spielen fünf Tore gegen sich aberkannt bekam – nur Glück oder gar eine Verschwörung zu unseren Gunsten?

Lethargie überwunden

Nach der Pause ersetzte beim Club Behrens Kapitän Polak, Bulthuis kam für den angeschlagenen Margreitter ins Spiel und Schöpf für Kerk. Ansonsten aber blieb es bis zur 65. Minute beim uninspirierten Kick. Ein typisches 0:0 Gewürge und die knapp 26.500 Zuschauer sehnten nicht nur wegen der Temperaturen den Schlusspfiff und kalte Biere herbei. Lediglich die Banner „Kein Vergeben, kein Vergessen!! Dem Nazi-Mob Beine machen!“ in der Gästekurve waren Hingucker mit starkem Statement. Bravo!

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Dann aber verscheucht der Altmeister die Lethargie aus dem Spiel: Erst trifft Blum nach einem Konter aus 16 Metern nur den Pfosten. Kurz danach ballert Möhwald aus 26 Metern volley die Kugel an den Innenpfosten, von dort trudelt sie in die Mitte zu Behrens, der konzentriert zur Führung einschiebt. Klassischer Abstauber und der Club führt nach 67 Minuten! Das unerwartete Tor reißt uns alle aus der Hitzestarre und ausgelassener Jubel mit tausendfach verschwitzten Umarmungen bringt das Frankenstadion zum Brodeln.

Der Club spielte danach wie ein einigermaßen passabler Zweitligist und fuhr noch ein paar gefährliche Konter, die er jedoch leichtsinnig vertändelte. Dann besann sich das Team wieder aufs Verteidigen, um den knappen Vorsprung über die Zeit zu retten. Nen Herzkasper erzeugte noch ein Lattentreffer der Fortuna kurz vor Schluss. Nach vierminütiger Nachspielzeit war es dann endlich vollbracht: Ein glücklicher, aber nach starker zweiter Halbzeit nicht unverdienter 1:0-Heimsieg und endlich wieder mal kein Gegentor!

Wer nicht hüpft

Beim gemeinsamen Feiern mit der Mannschaft stimmte man sich schon mal aufs Franken-Derby ein: „Wer nicht hüpft, der ist ein Fürther“, schallte es ausgelassen in der Nordkurve.

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Bis zum Derby in Fürth nach der Länderspielpause in zwei Wochen sollte beim Club also etwas Ruhe einkehren. Dieser wichtige Dreier war genau die richtige Medizin für den kränkelnden FCN – zumindest sportlich gesehen. Finanziell bleibt die Lage weiter angespannt.

Nach dem Spiel dürften die Fans der Fortuna die Clubberer beneidet haben: Sie standen im Schatten und mussten die Niederlage verdauen, während wir uns im Glanz des Sieges sonnen durften. Licht und Schatten sind nah beieinander, aber das kennen die leidgeprüften Fans beider Mannschaften ja nur zu gut. Tradition, die verbindet.

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