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Zwei Quantum Trost


19. September 2015 – 7. Spieltag:

Etwas Balsam für die lädierte Derby-Seele. Mit einem souveränen 2:0-Heimsieg dämpft der Club Derby-Frust und aufkeimende Herbstkrise. Diesen Schwung gilt es, in die englische Woche mitzunehmen.

Meine Vorfreude auf den Samstagskick gegen Sandhausen hielt sich arg in Grenzen – pendelte zwischen „nicht vorhanden“ und „ist mir eigentlich worschd“. Ähnlich dürfte es auch vielen anderen Zuschauern gegangen sein, da im Stadion zunächst Totenstille und gähnende Leere herrschte. Offiziell besuchten knapp 23.500 Zuschauer das Spiel, wobei die klaffenden Lücken selbst in der Nordkurve unübersehbar und letztlich deutlich weniger Fans dabei waren. Der Derby-Kater schmerzte eben immer noch.

Zum Glück werden die 20.000 Dauerkarteninhaber bei der Zuschauerstatistik immer automatisch als anwesend gezählt, das hält den Schnitt. Denn die 150 Gästefans aus Sandhausen pushten die Statistik jedenfalls nicht wirklich in astronomische Höhen. Trister Alltag in der 2. Liga an einem Samstag um 13 Uhr. Das wird uns leider noch einige Saisons begleiten.

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Doch so kurios es auch klingen mag: Jeder, der nicht dabei war, hatte was verpasst. Der Club zeigt seine bis dato beste Saisonleistung, auch wenn das übliche Spektakel ausnahmsweise ausfiel – oder gerade weil es ausfiel!

Schießbude verrammelt

„Halbherzig im Derby – halbherzig die BILD boykottieren. Zeigt endlich mal Rückgrat!“ forderten die Ultras auf Transparenten. Von Beginn an spürte man den Kampfgeist und Willen der Mannschaft, Wiedergutmachung für die Derby-Niederlage zu betreiben. Das druckvolle Spiel mit guten Schusschancen wiederbelebte die Fans im Achteck, die ihre Lethargie schnell ablegten und dann das Team wie gewohnt anfeuerten.

Ein erstes Trostpflaster war der verdiente Führungstreffer von Behrens: In der 18. Minute knallte Schöpf nach einer Ecke seinen Weitschuss nur an den Pfosten. Doch der Abpraller fiel Behrens vor den Schlappen, der den Ball ins rechte Tordreieck schlenzte.

Auch danach behielt der Club die Zügel in der Hand, selbst wenn Sandhausen nun offensiver agierte. Die Defensive stand geordnet und sicher und ließ wenig bis gar nix zu. Gut, in der Spieleröffnung ist immer noch Luft nach oben, aber in Summe überzeugte die Kompaktheit des Teams. Und wenn man mit 15 Gegentoren in der Republik als Schießbude der 2. Liga ausgelacht wird, ist es schon ein Fortschritt, dass die Schießbude mal geschlossen hat. Mir hats getaugt.

Polak der Flipperkönig

Auch die zweite Hälfte bot zunächst wenig Potenzial für defensive Herzinfarkte, höchstens für verzweifeltes Haareraufen, weil Möhwald zweimal freistehend im Sechzehner kläglichst versemmelte. Die einzig dicke Chance von Sandhausen landete in der 75. Minute am Außennetz und rüttelte den Altmeister nochmal wach. Der spielte danach wieder energischer nach vorne und drängte auf die Entscheidung.

Unser kurz zuvor eingewechselte Kapitän Polak machte dann im Stile eines Flipperkönigs das Runde ins Eckige: Einen Eckball faustete Sandhausens Keeper nur schwach zur Seite, Schöpf flankte und wurde blockiert. Der Abpraller landete bei Polak, dessen Schuss wurde ebenfalls abgeblockt, prallte aber zu ihm zurück. Er zog volley ab und flipperte die Kugel unter dem Torwart in die Kiste. TOOOOR! Das 2:0 in der 82. Minute – mit dem zweiten Quantum Trost war das Spiel entschieden. Erleichterung im Stadionrund.

Sylvestr ist begnadigt

Kurz vor Schluss wurde auch Stürmer Sylvestr endgültig begnadigt: Der in der Vorwoche vom Mannschaftstraining der Profis aussortierte Stürmer rutschte überraschend wieder in den Kader und wurde sogar eingewechselt. Ironie des Schicksals, dass er mit einem schönen Kopfball knapp am Tor vorbei fast noch den Sieg höher geschraubt hätte. Aber ich freue mich, dass er wieder zurück ist! Ich bin fest davon überzeugt, dass er in der Mannschaft noch eine wichtige Rolle spielen wird. Ich gönne es ihm jedenfalls sehr.

So blieb es bei einem klaren Chancenübergewicht von 9:3 bei dem hochverdienten Heimsieg. Der Club brannte spielerisch zwar kein Feuerwerk ab, doch er stand hinten souverän, zeigte sich im Mittelfeld als richtig ballsicher und stark in den Zweikämpfen und hat vorne zwei Dinger versenkt. So bleibt unterm Strich zwar kein brillantes Spektakel, sondern „nur“ ein solider Pflichtsieg. Aber es ist wichtiger, dass der Ruhmreiche mal wieder ohne Gegentor die Schießbude dichtmachen konnte.

Ähnlich sah es auch Trainer Weiler nach dem Spiel:

„Sylvestr habe ich am Schluss eingewechselt um ein Zeichen zu setzen, dass ich ihn nicht fallen lasse, aber von ihm auch mehr erwarte. Von seinem Verhalten her hat er sich nichts zu Schulden kommen lassen. […] Heute war das beste Spiel der Saison, weil wir das Spiel aktiv bestimmt haben, uns gute Torchancen herausgespielt haben und defensiv fast nichts zugelassen haben.“

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Und nur mal so nebenbei: Nach jeder Auswärtsniederlage hat der Club eine starke Reaktion gezeigt und das folgende Heimspiel gewonnen. Jetzt wäre es doch mal an der Zeit, diesen Schwung mit in die englische Woche zu nehmen und endlich auch auswärts zu punkten.

Am besten schon am Dienstagabend aufm Betze! Auf geht’s Club.

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