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Rauschender Pokalabend


27. Oktober 2015 – 2. Runde DFB-Pokal:

Ein Kantersieg zur richtigen Zeit spült Geld in die Kasse und hebt die Stimmung. Aber was der Club seinen Fans beim Pokalspiel bot, war schlichtweg eine … berauschende Vorstellung! Als Lohn dürfen wir jetzt gespannt auf den Gegner im Achtelfinale warten.

Viel los rund ums Messegelände, wenn die Consumenta und ein Club-Spiel anstehen. Beim dem zähflüssigen Verkehr vor dem Spiel rechne ich mit mindestens 30.000 Zuschauern. Quälend langsam schlängelt sich die Blechlawine zum Großparkplatz. Stau. Die Uhr tickt gegen uns. Wir kommen zu spät! Ein deftiger Wutausbruch im Auto. Geht ja wieder klasse los! Aber es sollten überraschenderweise meine einzigen Unmutsbekundungen an diesem Herbstabend bleiben. Mit Papa dem Orakel eile ich den langen Weg vom Parkplatz zur Nordkurve. Auch wenn wir fünf Minuten zu spät kommen, trösten wir uns: „Bloß keinen Stress. Wir verpassen doch eh nix. Das geht mit 0:0 in die Verlängerung und Elfmeterschießen.“

Was für eine grandiose Fehleinschätzung bei der Saison-Premiere des Orakels! Was sind wir nur für Amateure und haben doch überhaupt keine Ahnung vom Fußball. Ja, das Orakel wird eben alt.

Minuskulisse im Achteck

Endlich im heimischen Achteck angekommen gibt es erstmal lange Gesichter: Gerade mal 19.200 Zuschauer wollen diesen Pokal-Kick sehen. Das ist für Club-Verhältnisse schon sehr wenig. Aber die schlechten Leistungen und geringen Erfolge der letzten Monate schlagen sich nun auf den vielen leeren Plätzen im Stadion nieder. Auch die fanunfreundliche Anstoßzeit an einem Dienstagabend um 19 Uhr tut sein Übriges.

DSC01686_bearbeitetSchade, denn der Club braucht bei der klammen Kassenlage jeden Euro und dieses Spiel hätte wahrlich mehr Fans verdient gehabt. Denn jeder, der nicht da war, hat echt was verpasst – zumindest wenn er Clubberer ist …

Torrausch bis zur Pause

Der Ruhmreiche lieferte in der ersten Hälfte mit vier Buden ein Glanzstück ab, das ich so seit 24 Jahren nicht mehr erlebt habe. Ein 4:0 zur Halbzeit gab es zuletzt im August 1991 gegen den 1. FC Köln. Was war das damals für eine Genugtuung, im Torwartduell Köpke gegen Ilgner dem unfähigen Bodo vier Dinger reinzuballern. Längst vergessene Zeiten. Herrlich!

DSC01710_bearbeitetUmso schöner, dass unser Club sich mal endlich wieder in einen Torrausch reingesteigert hat. Zwei schnelle Tore nach einer Viertelstunde und ein Doppelschlag kurz vor der Halbzeit sorgten für klare Verhältnisse. Auch wenn man fairnesshalber zugeben muss, dass vor dem 2:0 eine knappe Abseitsstellung vorlag und die anschließende Flanke und das Kopfballtor nicht hätten zählen dürfen.

Nichtsdestotrotz hatte der FCN alles im Griff und trug seine Angriffe flüssig, druckvoll und zielgerichtet vor. Fast jeder Schuss war ein Treffer: Die Fortuna ohne Glück wurde zu Statisten degradiert und mutierte zu „Düsseldoof“.

Wir dagegen lagen uns freudetrunken in den Armen. Staunende Gesichter. „Ist das nur ein Traum? Bitte zwick mich bloß nicht!“ Wir konnten unser Glück kaum fassen.

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Oh, du schöne Euphorie

Nur die skeptischsten Pessimisten befürchteten, dass hier noch was schiefgehen kann – also alle Club-Fans im Stadion. Aber unser FCN zeigte auch in der zweiten Hälfte eine couragierte Leistung mit gutem Kombinationsfußball und weiteren hochkarätigen Chancen. So blieb es letztlich „nur“ bei einem 5:1 Kantersieg, der niemals gefährdet war. Aber mit dieser Schlappe im Gepäck war die Fortuna gut bedient. Ich wünsche ihr von Herzen, dass sie sich im nächsten Spiel am Freitag mal so richtig den Frust von der Seele ballert – denn da geht es gegen die Westvorstadt.

Fortunas Leid war unsere Freud – übermannt von dem ungewohnten Ergebnis herrschte Euphorie im rot-schwarzen Fanlager. Längst vergessenes Liedgut schallte nach Jahren wieder aus zigtausend Kehlen: „Oh, wie ist das schön!“, „Den FC Nürnberg Walzer tanzen wir!“ und „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!“ tönten übermütig im Achteck.

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Daheim nen dicken Fisch

Jetzt sind wir im Achtelfinale und haben eine halbe Million Euro sicher. Sehr wichtig. Natürlich steigt jetzt die Spannung bis zur Auslosung am 1. November. Wahnsinn, wie interessant der DFB-Pokal plötzlich wieder sein kann …

DFB-Pokal_Lostopf_Achtelfinale

Ich wünsche mir völlig überraschend ein Heimspiel. Von mir aus gegen einen tollen Gegner. Denn wenn wir dann irgendwann mal ausscheiden, dann wenigstens gegen nen dicken Fisch aus der 1. Liga: Mit Livespiel, vollem Stadion und wehenden Fahnen. Schade nur, dass die königsblauen Freunde aus Schalke nicht mehr im Lostopf sind.

Auf jeden Fall war dieser Gala-Sieg ein Brustlöser und Stimmungsaufheller, der die Woche gerettet hat. Ist schon Wahnsinn, was ein Sieg vom Club alles bewirken kann. Plötzlich ist der Alltag rosa-rot und die Laune grandios. Jetzt gilt es, Euphorie und Selbstvertrauen mit in die Liga zu nehmen und eine Erfolgsstory daraus werden zu lassen, die mal mehrere Spieltage anhält.

Aber gut, wir wissen ja: Wir sind der Club …

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