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Erfolgsfans in der Niederlage


16. Dezember 2015 – Achtelfinale DFB-Pokal:

„EFF CEE ENN – Liebe, Glaube, Leidenschaft!“ Minutenlang hallt der Gesang laut und trotzig durch die Nordkurve. Die Club-Fans feiern ihr Team wie einen Sieger, obwohl es gerade aus dem Pokal ausgeschieden ist. Die Fans sind mit der Mannschaft im Reinen und endlich wieder eine Einheit. Die Zuversicht ist trotz Heimniederlage zurück. Sehen so Sieger aus?

Keiner war dem Team böse. Wir haben einfach gesungen, weiter und weiter voller Inbrunst. Die Spieler standen etwas ungläubig vor der Nordkurve und ließen sich von uns mit euphorischen Gesängen minutenlang feiern. Sie wussten nicht wirklich, wie sie das Ganze einordnen sollten – die Huldigungen und Liebesbeweise von uns Fans. Sie klatschten verlegen in Richtung Fankurve.

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Innerlich dürften bestimmt einige Tränen der Rührung geflossen sein. Sehen so Sieger aus? Keine Ahnung, aber sie wurden nicht wie Verlierer mit Pfeifkonzert oder Schimpftiraden aus dem Stadion verscheucht. Die Fans und ihr Club sind endlich wieder eine Einheit – trotz Heimniederlage. Aber gut, den Ruf Erfolgsfans zu sein, hatten wir ja eh nie. Wir sind Leiden gewohnt, aber es scheint sich gerade eine neue Zuversicht auszubreiten. Da sind auch Niederlagen kein Beinbruch. Der Ballast der letzten zwei Jahre ist abgeworfen.

Bittere Medizin

Da hätte es prima gepasst, dass der Club nach vier Siegen in Folge auch noch das Pokal-Achtelfinale gewinnt und über eine Million Euro einstreicht. Hätte, hätte – Fahrradkette! Aber es sollte nicht sein und zwar zu Recht. Die Hertha war an diesem Abend eben in allen Belangen überlegen. Nicht haushoch, aber immer dieses Quäntchen mehr an Qualität, Effizienz, Souveränität und Abgezocktheit. Das muss man neidlos anerkennen. Bis auf die letzten 15 Minuten hat die alte Dame komplett verhindert, dass der Altmeister nennenswerte Torgefahr entwickeln konnte. Mehr war nicht drin, zu groß der Respekt und unsere kleinen Unzulänglichkeiten. Die Heimniederlage gegen den Dritten der 1. Liga geht in Ordnung.

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Der Club, der sich in den letzten Wochen selber durch fast schon gnadenlose Effizienz bei der Torchancenverwertung hervorgetan hat, musste von der eigenen Medizin kosten. Bittere Medizin, die nicht gut schmeckt und wo es einen durchschüttelt. Aber durchaus heilsame Medizin! Sie hat dem Team gezeigt, dass es noch nicht so weit ist und die Bundesliga noch ein gutes Stück weit entfernt ist. Aber das kann durchaus eine heilsame Erfahrung sein, damit man die Bodenhaftung nicht verliert und daran erinnert wird, immer weiter an sich zu arbeiten.

Blöde Knallfrösche

Es war trotzdem ein schöner Pokalabend, weil das Team alles gegeben und gekämpft hat. Es sich auch nach dem 0:2 nicht hat hängen lassen, sondern weiter gefightet. Dieser Einsatz hat auch den über 33.000 Club-Fans im Achteck imponiert, so dass der Funke übersprang und statt resignierter Ruhe eine trotzige Anfeuerung wurde.

Gut, das mit dem Funken haben lediglich die über 2.000 Fans der Hertha falsch verstanden. Nach dem 1:0 haben sie ein Pyroarsenal gezündet, das fast schon den Ansprüchen einer Silvesterfeier am Brandenburger Tor genügen könnte. Passend dazu haben sie gesungen: „Wir sind die Hauptstädter, die asozialen Hauptstädter!“ Gut, dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Aber nicht umsonst bezeichnen sich die Hertha-Fans selber als die „Hertha Frösche“. An diesem Abend waren es eher blöde Knallfrösche!

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Als sie dann noch ein zweites Mal zahlreiche Bengalos abgefackelt haben, haben wir uns alle insgeheim einen Spielabbruch gewünscht – natürlich mit einer Spielwertung für den Club. Aber dieser Wunsch sollte sich nicht erfüllen. Gut so. Mund abwischen. Die Enttäuschung abschütteln. Weiter machen und mit Zuversicht die Rückrunde angehen. Denn wir haben „mehr Träume, als die Realität zerstören kann“.

Wir sind der Club!

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