Ein Kommentar

Der Club ist (k)ein Depp (mehr)?!


29. Dezember 2015 – Gastbeitrag:

Das Jahr macht seine letzten Zuckungen. Die wohl frühlingshafteste Winterpause lässt die zarten Knospen von rot-schwarzen Aufstiegsträumen weiter erblühen. Da sich mein Kreativitätsmurmeltier trotzdem im wohlverdienten Winterschlafmodus bereits die Akkus auflädt, muss mal ein anderer ran, um das Club-Jahr 2015 endgültig abzuschließen: Cluberer Kai Wörner aus meiner Twitter-Follower-Gemeinde zieht in seinem Gastbeitrag Resümee.

Wer kennt es nicht das Schamberger-Zitat, das auf knappe und doch eindringliche Weise den Grundcharakter unseres Vereins – vor allem seit dem Wiederabstieg 2014 – widerspiegelt. Dass der fränkische „Spezi“ mit der „Deppen-Metapher“ gar nicht so verkehrt lag, beweist auch ein Blick in den Duden. Ein „Depp“ ist demzufolge ein „einfältiger, ungeschickter Mensch, Tölpel oder Dummkopf“. Da fallen jedem, der sich mit dem Club beschäftigt, sicher einige real existierende Beispiele ein, wobei aber wohl „ungeschickt“ in den meisten Fällen als Prädikat ausreicht – wir gehen jetzt mal davon aus, dass niemand absichtlich gegen seinen eigenen Verein handelt.

Etymologisch noch spannender ist allerdings die Herkunft des Wortes „Depp“: Dieses kommt nämlich vom Verb „tappen“ und beschreibt jemanden, der „täppisch geht oder zugreift“. Auch dies würde hervorragend zum Club passen, wenn man an Spielweise und Chancenverwertung der vergangenen beiden Spielzeiten denkt.

Mitleid kriegst gschenkt

Sicher ist es vielen ähnlich im Alltag ergangen. Gerade Arbeitskollegen, Freunde oder Verwandte hatten mit uns Fans Mitleid oder zeigten Unverständnis, wenn wir über unsere rote-schwarze Leidenschaft reden wollten. Automatisch befanden wir uns in der Verteidigungsposition, mussten manchmal auch beschönigen, um noch ernst genommen zu werden oder waren völlig hilflos, wenn wir auf Bayern-Fans trafen, die uns voller Missachtung überhaupt nicht mehr wahrnahmen.

Diese Zeiten scheinen nicht nur vorbei zu sein, ich bin mir sicher, sie sind es! Filz und Unvermögen der Baderschen Jahre sind gänzlich aufgebrochen und eine neue Epoche eingeläutet. Dafür sprechen aus meiner Sicht nicht nur die fünf Siege am Stück, die den FCN zu Jahresabschluss auf den Relegationsplatz hievten. Gerade auch die Begleiterscheinungen stimmen mich sehr positiv, wenn es darum geht, das „Deppen-Image“ endgültig ad acta zu legen.

Der Deal mit Umbro als neuem Ausrüster, der dem Club ein gewisses Alleinstellungsmerkmal bietet, ist hierfür ein Beleg. Ich möchte nur daran erinnern, dass der Ruhmreiche seine letzte Meisterschaft in den Leibchen mit dem Umbro-Logo errang. Vielleicht Indiz und Hoffnungsschimmer für neue Erfolge?

Eingeschworen auf Erfolg

Auch der tapfere René Weiler kann nun endlich befreit „auftrainieren“ und seine Vorstellung von attraktivem Konter- bzw. Offensivfußball verwirklichen. Last but not least sei noch die Zusammenstellung der Mannschaft erwähnt, die im Winter wohl zusammenbleiben wird. Hier wird sich die neue sportliche Leitung sicher nicht über den Tisch ziehen lassen und höchstens im Sommer (lukrative) Verkäufe tätigen – ohne die es nun mal leider nicht gehen wird.

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Mit dem grandiosen Sieg gegen Düsseldorf im Pokal hatte diese „Anti-Deppen-Entwicklung“ für mich ihren Anfang. Immer öfter kommt man nun ganz von selbst auf mich zu und beglückwünscht mich, will Einschätzungen zum Club hören oder ist einfach erstaunt, wie sehenswert Zweitligafußball sein kann. Jetzt gilt es, diese „Interessierten“ auch noch ins Stadion zu locken, das hoffentlich im Sommer endlich nach Max Morlock benannt wird. Denn der Zuschauerschnitt ist aus meiner Sicht auf jeden Fall noch ausbaufähig und so wäre als ein schöner Nebeneffekt auch wieder mehr gutes Geld für den Konsolidierungskurs in den klammen Kassen.

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Ich würde mir für 2016 auf alle Fälle wünschen, dass ich mit meiner Prognose, dass „der Club kein Depp mehr ist“, richtig liege. Sollte am Ende noch ein Aufstieg stehen, wäre das natürlich noch optimaler, aber letztlich nicht entscheidend. Wir Club-Fans definieren uns ja nicht unbedingt über Erfolg, sondern über Leidenschaft, Treue und Werte, die über ein 1:0 hinausgehen.

In diesem Sinne wünsche ich allen „Glubberern“ einen guten Rutsch und ein spannendes und erfolgreiches Jahr 2016!

Nehmt auch weiterhin an der Umfrage teil, wie es für den FCN nach der Winterpause weitergeht.

Gastautor Kai Wörner im Steckbrief

Alter: 35

Beruf: Lehrer

Clubfan: seit Geburt (vererbt)

Dauerkarte: natürlich

Mitglied: seit 2009

Twitter: @Woe_Real

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Ein Kommentar zu “Der Club ist (k)ein Depp (mehr)?!

  1. Ich findes es klasse, dass Kai als Gastblogger einen Beitrag für mein „Clubgeflüster“ geschrieben hat. Ist mal ne andere, bereichernde Perspektive und war eine absolut unkomplizierte „Zusammenarbeit“. Twitter-Followerpower at its best! Mir hat es Spaß gemacht und auch andere Clubberer können gerne als Gastblogger aktiv werden. Meldet euch einfach bei mir – denn bei unserem Club werden die Themen nie ausgehen.
    Wie hat es euch gefallen, dass mal ein Gastautor beim „Clubgeflüster“ zu lesen war?

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