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Almauftrieb ohne Botox


11. März 2016 – 26. Spieltag:

Der Club baut seine Rekordserie weiter aus. Der 4:0-Auswärtssieg geriet am Ende zwar etwas zu hoch, doch war er verdient. Ein Elfer für den FCN und Rot für die Arminia kippten das Spiel endgültig. Pat hält dich und nach überraschenden Niederlagen der Verfolger geht der Blick sogar nach oben. Direktaufstieg?

Der Club macht müde Männer munter: Eine lange Arbeitswoche steckte mir in den Knochen. Körper und Geist sehnten nur nach Feierabend und Sofa. Die erste Halbzeit hörte ich im Büro noch über Sport1FM Internetradio. Es war das erwartet schwere Spiel auf der Bielefelder Alm. Kampfbetont und mit Arminen, die ihr Heil in der Offensive suchten. Sie ließen sich vom imposanten Lauf des Ruhmreichen kaum beeinflussen – im Gegenteil: Sie wollten die ersten sein, die den Club nach 15 Spielen ohne Niederlage mal wieder bezwingen können.

Dementsprechend setzten sie den Club unter Druck und hatten gefährliche Chancen. Der FCN dagegen war zwar wie immer engagiert und mit vollem Einsatz auf dem Platz, aber den Ton gab eindeutig Bielefeld an. Mir schwante Übles, denn irgendwann reißt jede Serie.

Diese fränkisch-prophetischen Mahnungen fand meine Twitter-Timeline gar nicht so toll und brachte mich prompt zum Schweigen.

Twitterverlauf_Bielefeld

Frohsinn nach ner Stunde

Ich gehorchte. Zum Halbzeitpfiff startete ich ins Wochenende. Zuhause angekommen legte ich gerade die Freizeitkluft der Stilrichtung „Gelsenkirchener Barock“ an, als Kerk mich in der 60. Minute aus dem Tran riss. Nach Steilpass von Erras nimmt er richtig Fahrt auf, umkurvt noch den Torwart und netzt halbhoch zur Führung ein. Der Club führt auf der Alm, was es bei Ligaspielen für uns dort nur selten gab.

Keine fünf Minuten später dann die spielentscheidende Szene: Lücke tankt sich in den Bielefeld Sechzehner und läuft frei aufs Tor. Im Sprintduell mit einem Arminen wird er am Fuß getroffen. Der Schiri entscheidet auf Elfmeter für den Club und Rot für Bielefeld. Den Elfer kann man geben, aber der Platzverweis ist zu hart. Den erst zweiten Elfer der Saison für den FCN, der erste wurde im Heimspiel gegen FSV Frankfurt kläglichst vergeben, verwandelt Lücke sicher. 2:0. Meine Skepsis der ersten Halbzeit war verflogen und ich war wieder hellwach.

Doch die Arminen, aus einer Stadt in Ostwestfalen, die es laut Spöttern gar nicht gibt, gaben nicht auf. Selbst mit einem Mann weniger fighteten sie weiter und wollten punkten. Der Club dagegen wollte lediglich verwalten und ließ sich hinten reindrängen. Ein Blick auf die Statistik beweist: Die Hausherren hatten mehr Torschüsse (16:13), mehr Flanken (11:7) und mehr Ecken (7:4).

Pat hält dicht

So war unser Keeper Pat Rakovsky, der nach Raphas Achillessehnenverletzung den Vorzug im Club-Kasten erhielt, oft im Brennpunkt. Und das war gut so! Sein letztes Spiel von Anfang an bestritt er vor einem Jahr gegen den FCK. Doch Pat flatterte aufm Betze und verlor danach seinen Stammplatz. Daher war das ganze Fanumfeld skeptisch, wie er sich nun zwischen den Pfosten machen würde. Und er hat seinen Job hervorragend gemacht. Er warf sich mutig ins Getümmel und entschärfte einige Bielefelder Knaller. Reaktionsschnell, aufmerksam, tolle Paraden – er war ein starker und souveräner Rückhalt.

Damit dürften hoffentlich die ganzen kritischen Stimmen erstmal verstummt sein. Pat zeigt sich nach einem Jahr Pause selbstsicher und gereifter. Gleiches gilt auch für das ganze Team, sodass sich Keeper und Mannschaft gegenseitig stützen können. Wenn die Leistung stimmt, kann Pat auf Dauer die Nummer 1 werden. Aber das ist noch Zukunftsmusik. Er muss jetzt konstant gute Leistungen zeigen und alles Weitere kommt dann schon.

Burgi is back

Was dann im Spiel kam, ist der typische Lauf des Erfolges. Als sich die Arminia an der Clubabwehr und Rakovsky abgearbeitet hatte, fuhr der Altmeister gnadenlos effizient seine Konter.

In einen Fehlpass an der Mittellinie, von der Kategorie unverzeihlicher Querpass der lange Strafläufe nach sich ziehen wird, sprint Burgstaller rein. Mit dem Ball am Fuß Richtung Tor. Dann ein gezielter Schuss flach unten links und Burgi beendet seine Torflaute in 2016. Das 3:0 in der 88. Minute ist die endgültige Entscheidung. Es freut mich besonders für GB9, dass er sich endlich wieder mit einem Tor belohnt hat. Was er in den letzten Partien gelaufen ist, wie er mannschaftsdienlich gerackert und für die Mitspieler aufgelegt hat, das war einfach sensationell. Dieses Tor hat er sich verdient!

Und wenn du schon nen Lauf hast, denn eben richtig: In der Nachspielzeit lässt der Ruhmreiche den Ball laufen und kontert. Jetzt darf auch Behrens ran und schiebt zum vierten Tor ein. Der Club erstürmt in 30 Minuten eindrucksvoll die Alm und die 1.300 mitgereisten Rot-Schwarzen haben gewaltigen Almauftrieb.

Twitter_Fans_BielefeldBotox oder was?

Ein selten hoher Auswärtssieg ist besiegelt. Erst zum sechsten Mal im 264. Auswärtsspiel in der 2. Bundesliga gelang dem Club gestern ein 4:0-Sieg. Die Müdigkeit der Woche fällt endgültig von mir ab und weicht Freudengesängen. So blöd die letzten Spielansetzungen mit den vielen Freitagabendspielen waren, so genial sind die Auswirkungen: So startest du zum dritten Mal hintereinander mit nem Sieg und fettem Grinsen ins Wochenende.

Nachbarn fragen schon seit Wochen, ob ich wegen meinem Dauergrinsen wohl neuerdings Botox spritz? Ich antworte: „Ne, das macht die Siegesserie vom Club …“ So muss das!

Spitzenspiel gegen die Dosen

Damit nicht genug – hat auch noch das Verfolgerfeld gepatzt: Pauli verliert überraschend daheim gegen Paderborn mit 3:4 und Braunschweig ist nach dem 0:3 in der Westvorstadt endgültig aus dem Aufstiegsrennen. Je nachdem, wie sich Bochum am Montag aufm Betze schlägt, beträgt unser Vorsprung auf den vierten Platz mindestens sieben Punkte.

Jetzt kann der Club sogar nach ganz oben schielen, weil am nächsten Sonntag das Marketingkonstrukt aus Leipzig zum Spitzenspiel in die Noris kommt. Also jenes Team, gegen das es am zehnten Spieltag mit 2:3 die bislang letzte Pleite in der Liga setzte. Daher heißt die Devise: Unser altehrwürdiges Achteck voll machen und mit vollem Einsatz den Dreier einfahren! Nicht auszudenken, wie danach die Euphorie das Frankenland endgültig aus den Angeln hebt.

Aber gemach. Weiterhin von Spiel zu Spiel denken und nicht abheben. Genau das ist die große Stärke des Ruhmreichen im bisherigen Saisonverlauf. Das Träumen übernehmen wir Fans – weiter mit Dauergrinsen und ohne Botox.

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Ein Kommentar zu “Almauftrieb ohne Botox

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