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Der Fluch der guten Tat – und der schlechten


28. März 2016 – Gastbeitrag:

Die wohl unerfreulichste Länderspielpause seit Jahren verdonnert den Ligabetrieb zur Zwangspause. Ausgerechnet am zweiten Geburtstag des Blogs „Clubgeflüster“ gibt es kein Spiel unseres Ruhmreichen! Doch Glubberer und FAZ-Redakteur Thorsten Winter aus meiner Twitter-Follower-Gemeinde hat nen Gastbeitrag spendiert: Denn unsere Spieler wecken Begehrlichkeiten bei anderen Vereinen, die über die klammen Club-Kassen Bescheid wissen. Ob das dem FCN im Aufstiegsrennen schadet?

Hoffentlich hat er nicht recht, der liebe Kollege. „Wenn ein Spieler so gut ist, dass die Mannschaft ihn unbedingt braucht, dann ist er praktisch schon weg“, meint der wirklich liebe Kollege. Dass er mit dem Herzen einem Verein anhängt, dessen Spieler nicht unbedingt auf der Shoppingliste anderer Klubs stehen, wertet seine Aussage nicht ab. Vielmehr hat sie die nötige Distanz für sich, um glaubwürdig zu sein. Was das mit unserem Glubb zu tun hat? Pünktlich nach dem grandiosen Sieg über Rote Brause wurden Meldungen lanciert, der Hamburger Sportverein schiele auf unser Stürmer-Duo. Ausgerechnet der HSV, der wieder nach unten schielt und sich seinem Lieblingsplatz, dem 16. der Bundesliga, abermals nähert. In der Länderspielpause ist leider genug Zeit, auf solch einem zähen Stückchen Fleisch herumzukauen.

Leistung schwächt das Team

Nun ist es zunächst nicht verwunderlich, wenn Spieler wie Burgstaller und Füllkrug den Scouts anderer Vereine auffallen. Es ist der Fluch der eigenen guten Tat: Beide haben einen Lauf, Füllkrug mehr als Burgstaller. Wobei Burgstaller als Duracell-Hase des FCN in den vergangenen Monaten immer ein Vorbild für Einsatz ist – unabhängig von seiner Treffsicherheit. Ein bodenständiger mitreißender Typ. Zudem fühlt er sich nach eigenen Worten wohl beim Glubb. Gleiches ist von Füllkrug zu vernehmen. „Lücke“ preist zudem Trainer Weiler, weil der ihm geholfen habe, sich deutlich zu verbessern. Doch Schöpf hat sich allem Anschein nach auch wohlgefühlt. Er galt als Mann, den die Mannschaft braucht. Stark ebenso. Und beide sind weg.

Das hat im kurzlebigen Fußballgeschäft nicht nur mit dem immer währenden Lockruf des Geldes zu tun. Nicht jeder Spieler wägt wie der Kapitän des unter uns so beliebten SC Freiburg mit Bedacht ab, was für den Verbleib im Verein spricht und was dagegen (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 27. März) – um dann gleich mehrfach höher dotierte Angebote anderer Vereine auszuschlagen.

Da ist der Glubb ein gebranntes Kind: Erinnert sei an Drmic, Wollscheid und Klose, um nur drei Namen zu nennen.

Kostbare Mangelware

Zu tun hat kurzlebige Treue zu einem Verein auch mit dessen Finanzkraft. Unser Glubb hat´s leider nötig. Deshalb hat er Stark und Schöpf verkauft. Und die Finanzlage ist immer noch nicht befriedigend, wie aus dem Vorstand verlautet.

Daraus dürfte sich folgende Perspektive ergeben: Im Falle eines Verbleibs in Liga zwei werden weitere Leistungsträger abgegeben, um die Kasse zu füllen. Oder der Glubb steigt auf und hat dann wegen des daraus folgenden Geldregens auch bessere finanzielle Argumente auf seiner Seite. Das wäre dann der Segen der guten Tat. Den Spielern dazu immer wieder Wertschätzung zu zeigen und den Wohlfühlfaktor zu steigern, sollte zur DNA gehören.

Mit Blick auf die Finanzen können auch die Glubb-Fans ihrem Herzensverein etwas Gutes tun. Durch zahlreichen Stadionbesuch des heimischen Achtecks – soweit es Zeit und Budget zulassen. Und nicht zuletzt durch ein Benehmen, das die regelmäßig tollen Choreographien nicht trübt. Man mag die durch den DFB verhängten Geldstrafen wegen angeblich beleidigender Transparente im bisher letzten Spiel gegen den FSV Frankfurt ja kleinlich finden. Nützt aber nichts: Der Glubb muss zahlen! Also etwas herausrücken, was er zu wenig hat. Irgendwie ein Teufelskreis. Dies zu bedenken, dazu besteht am nächsten Sonntag, beim FSV Frankfurt, wieder Gelegenheit. Und dazu, die Spieler bei unserem rot-schwarzen Heimspiel am Bornheimer Hang zu den nächsten drei Punkten anzutreiben. Für den Wiederaufstieg mit wehenden Fahnen – am besten den direkten …

IMG_0338_bearbeitet Gastautor Thorsten Winter im Steckbrief

Alter: 48 Jahre

Beruf: Redakteur bei der F.A.Z. und FAZ.Net

Glubb-Fan: Bin ich seit 1984. Wurde ich damals im Zuge der schlimmen Saison und der furiosen Aufholjagd unter Trainer Höher.

Dauerkarte: Wohne berufsbedingt in Oberhessen, daher leider keine 😦

Glubb-Mitglied: seit 1. April 2014

Twitter: @thorsten_winter

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6 Kommentare zu “Der Fluch der guten Tat – und der schlechten

  1. […] Der Fluch der guten Tat – und der schlechten […]

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  2. Für die Geldstrafen von unbedachten bis zu dummen Ultras-Aktionen könnten wir uns inzwischen sicher einen mittelprächtigen bis prächtigen Spieler leisten.

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  3. Sehr guter Artikel, dessen Kernaussage ich zustimme bzw. in einem eigenen Artikel bereits zugestimmt habe: https://www.clubfans-united.de/2016/03/25/entweder-oder/

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  4. Ich findes es klasse, dass Thorsten als Gastblogger einen Beitrag für mein “Clubgeflüster” geschrieben hat. Ist mal ne andere, bereichernde Perspektive und war eine absolut unkomplizierte “Zusammenarbeit”. Twitter-Followerpower at its best! Mir hat es Spaß gemacht und auch andere Clubberer können gerne als Gastblogger aktiv werden. Meldet euch einfach bei mir – denn bei unserem Club werden die Themen nie ausgehen.
    Wie hat es euch gefallen, dass wieder ein Gastautor beim “Clubgeflüster” zu lesen war?

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  5. Ohne Ultras ist es im Stadion sicher öde (siehe Stimmung Länderspiel)! Oftmals erweisen sie dem Verein jedoch einen kostspieligen Bärendienst. Bei den Finanzen kann man auch auf einen Transfer von Gündogan hoffen, an dem der Club ja partiziperen würde.

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    • Ohne unsere Ultras geht es definitiv nicht – gar keine Frage! Aber wenn Fehlverhalten immer wieder Geldstrafen für den Club nach sich ziehen, wird eine Grenze überschritten. Hier ist Einsicht und eine andere Lösung und Art der Meinungsäußerung im Stadion gefordert. Denn wir Fans wollen am Schluss unserem Club ja nicht schaden, sondern ihn zum Sieg & Aufstieg peitschen.
      Und auf Transfernachschläge eines Gündogan-Weiterverkaufs zu spekulieren, habe ich mir inzwischen auch wieder abgewöhnt. Dieses Drama ist nur noch ne Farce, so oft wie der schon irgendwo unterschrieben haben soll …

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