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Sechs auf Gras


23. April 2016 – 31. Spieltag:

Papa das Orakel hat sich sauber verspekuliert! Meinte er doch, an diesem legendären Spieltag seine „Goldene Hochzeit“ feiern zu müssen! So hatte ich die Qual der Wahl – und habe mich schweren Herzens gegen das Heimspiel des Ruhmreichen entschieden. Aber gleichzeitig aus der Not auch eine Tugend gemacht: Ich habe meiner Kollegin Kathrin Wild, die sonst als Reisebloggerin schreibt, die Dauerkarte und Kamera in die Hand gedrückt. Der Auftrag lautete: Geh zum Club und schreib darüber. Und nicht nur der Club hat überragend geliefert! Aber lest selbst, wie sie ihr erstes Club-Spiel erlebt hat.

Die Mission war klar: „Geh ins Stadion zur Partie FCN gegen Union Berlin und finde heraus, was die Fans am Club so fasziniert.“ Wenn ihr Club-Fans kennt, dann wisst ihr, das sind diese Kollegen, die am Montagmorgen wahnsinnig emotional sind – von himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt kann alles dabei sein. Ich war aufgebrochen, um zu sehen, was dahinter steckt und mir war bewusst: Fußballverständnis und Taktikanalyse würden mir hier nur bedingt weiter helfen.

Ist der Club ein Depp?

Neugierig fing ich schon in der Bahn an, die Fans zu begutachten und ich stellte fest: Man(n) gibt sich unglaubliche Mühe mit dem Outfit! Retro-Schals, rot-schwarze Mützen mit passender Outdoor-Jacke, Trikots … der Club-Fan bereitet sich auf das Match mit sehr viel Liebe zum Detail vor. Bis zur Socke. Und zum Haargummi. Ich glaube hier nicht an Zufälle. Gutaussehen tut der Club-Fan also. Dazu wie so manch einer riecht, sage ich hier lieber nichts.

Club-Fans_Legende_bearbeitetAber er klingt gut. Wenn zu Beginn die Vereinshymne ertönt, kommt schon Gänsehaut auf und man möchte glauben, dass die Legende lebt. Ich war beim Anpfiff um Punkt 13 Uhr noch ganz träumerisch beschwingt von dieser Stimmung, der Atmosphäre und den Fahnen – ich fürchte der Mannschaft auf dem Platz ging es ähnlich. Man war wohl noch ein bisschen schläfrig unterwegs, denn auf einmal – PENG – lag der Ball nach nur drei Minuten schon im Nürnberger Tornetz. Ich konnte es nicht fassen. Na gut, 0:1 das geht ja noch. Das wird schon. Ich verfolgte gespannt die nächsten 20 Minuten und wieder schaffte es Union vor das Tor und traf prompt zum 0:2. Ein nichtgezählter Treffer von Füllkrug im Anschluss sollte nur ein Moment von vielen auf der Achterbahn der Gefühle an diesem Tag sein.

Ich möchte an dieser Stelle einmal Menschen ohne Fußballsachverstand ermutigen, ins Stadion zu gehen. Denn er findet dort genug Experten, die geduldig das Geschehen erklären. In der Einzelkritik nicht so gut weggekommen ist in meinem Block der Herr Sepsi aus der Verteidigung. Das war also das typische Club-Erlebnis? Hoffen, bangen und dann lernen mit der Enttäuschung zu leben? Es würde so viele mürrische Montage erklären. War der Club heute schon wieder ein Depp? Versaute er sich gerade die schon sicher geglaubte Relegation und mit ihr die Hoffnung auf eine bessere finanzielle Ausgangslage in der neuen Saison? Immer wieder versuchte die Mannschaft in der ersten Halbzeit, nach vorne Druck aufzubauen und scheiterte dann vorm Berliner Tor. Kopfschütteln. Verärgerte Rufe. Pause.

Torfest statt Fan-Frust

Die Spannung zu Beginn der zweiten Halbzeit war auch den Fans anzumerken. Man sang sich die Seele aus dem Leib und wollte nicht wahr haben, dass diese Partie verloren sein könnte. Und dann kam Tim Leibold und gab der Menge mit dem Anschlusstreffer zum 1:2 einen ersten Funken Hoffnung! Knapp zehn Minuten später kommt es zu einem strittigen Elfmeter – und Füllkrug schenkte den Berlinern zum zweiten Mal einen ein.

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War das gerade ihr Club, der hier kontinuierlich das Tornetz der Gegner zum Rascheln brachte? Eben noch hatte man geschimpft, da kennt man sich aus. Aber so ein Torfest? Wie sollte man da jetzt mit umgehen? Was auf dem Platz geschah, konnte man nicht mit Fußballwissen erklären, das musste man fühlen! Arme in die Luft. Begeisterte Gesänge. Sieg! Nur die Fans der Eisernen dürften die Reise dagegen bereut haben.

Nervenflattern und Herzbumbern

Zum letzten Mal waren dem Club sechs Tore in einer Halbzeit 1975 gelungen. Ob dieser historische Erfolg mit sechs Nembercher Brodwörschdla auf Kraut gefeiert wurde, ist leider nicht bekannt. Ziemlich sicher ist aber, dass der quasi sichere dritte Platz am Montagmorgen für seliges Grinsen in allen Kaffeeecken und Pausenräumen des Frankenlandes gesorgt haben dürfte.

Ich bin mir allerdings sicher, dass der Club es schafft, auch die Relegationsspiele für seine Fans zu einer echten nervlichen Herausforderung zu machen. Aber die wollen das nicht anders, oder? Denn die Faszination vom Club – das ist das Herzbumbern.

Gastbloggerin Kathrin Wild im Steckbrief

Alter: im absolut besten

Beruf: Kommunikation und Marketing

Fußballerfahrung: War bei der WM 2006 Volunteer im Frankenstadion

Clubfan: Bisher nur Sympathisant, aber nach dem tollen Spiel …

Dauerkarte: Noch nicht, aber ich komme bestimmt mal wieder ins Stadion

Reiseblog: http://www.wildwildme.wordpress.com

Heute war der Club absolut eine Reise wert!

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4 Kommentare zu “Sechs auf Gras

  1. […] Sechs auf Gras […]

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  2. Da sage ich danke sehr! Ich würde mich schon nochmal als Clubflüsterin engagieren lassen. 😉

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  3. Tja, die Kathrin. Das nenn ich dann mal nen Sechser im Lotto! Erstes Spiel des Ruhmreichen und dann gleich 6 Tore bejubeln dürfen. Nein, ich bin auch KEIN bißchen neidisch, dass ich net dabei sein konnte …
    Aber was solls. So hatte ich am letzten Samstag eben doppelten Grund für ne heftige Feier. Auf jeden Fall ein herzliches Dankeschön an die Gastbloggerin. Hast dem Club Glück gebracht und darfst wiederkommen 🙂 So werden Legenden gemacht und neue Fans geboren.

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  4. Glückwunsch zu der tollen „Vertretung“ Frank. Recht viel besser hättest Du es selber auch nicht schreiben können. Schick sie öfters oder nimm sie einfach mit!

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