Ein Kommentar

Relegation statt Rechenschieber


30. April 2016 – 32. Spieltag:

Die neuaufkeimende Hoffnung hielt keine 24 Stunden. Doch nach der verdienten 1:3-Niederlage war klar, dass der Direktaufstieg abgehakt werden muss. Jetzt gilt die volle Konzentration auf das Erneuern des Abwehrbollwerks und die Relegation.

Es war ein prima Auftakt des 32. Spieltages am Freitagabend: Da Verfolger St. Pauli mit einer Heimniederlage auch die letzten rechnerischen Zweifel beseitigte, war dem Club der Relegationsplatz definitiv nicht mehr zu nehmen. Und dass Spitzenreiter Freiburg mit einem Auswärtssieg den Aufstieg klargemacht hat, habe ich so auch erwartet. Aber das Leipzig daheim gegen Bielefeld nur Unentschieden spielt, habe ich nur in meinen kühnsten Träumen gehofft!

Plötzlich war der Ruhmreiche also wieder dick im Geschäft. Ein Auswärtssieg am Samstag in Braunschweig hätte uns bis auf zwei Punkte an die schwächelnden Leipziger herangebracht. Tja – hätte, hätte, Herrentoilette! Nix wars mit dem erhofften und fest eingeplanten Sieg.

Zerbröseltes Bollwerk

Stattdessen hat der Club einen Rückfall erlitten, der stark an den Anfang der Saison erinnert. Ein gutes und gefälliges Offensivspiel, bei dem gute Einschussmöglichkeiten ausgelassen werden, gepaart mit einem gruseligen Abwehrverhalten. Dieses hat Braunschweig konsequent und kaltschnäuzig bestraft – mit drei Treffern, die auf dilettantisch schlafmütziger rot-schwarzer Abwehrverweigerung basieren. Das alles zu den besten Zeitpunkten kurz vor und nach der Halbzeit, sodass die Partei bereits in der 65. Minute beim Stand von 0:3 gelaufen war. Glückwunsch!

Klar, einige Optimisten hatten gehofft, dass dem Club das gleiche Husarenstück wie vor Wochenfrist gelänge. Aber Leute, bleibt doch mal realistisch: Aus einem 0:2 ein 6:2 zu machen ist weder selbstverständlich noch ein Automatismus, der beliebig wiederholbar ist. Wunder gibt es zwar immer wieder, aber eben nicht im Wochenrhythmus.

Siege sind kein Automatismus

Gleichzeit hat dieses Spiel gezeigt, dass es in der 2. Liga keinen leichten Gegner gibt, den du einfach so beherrschst und die Spiele locker gewinnst. Auch wenn es uns während der Siegesserie mit 18 Spielen ohne Niederlage manchmal so vorgekommen sein mag. Und nur mal nebenbei: Braunschweig hat die letzten zehn Heimspiele nicht mehr verloren und hat auch gegen Freiburg dominiert und den Sieg sehr spät in der 94. Minute vertändelt. Als wahrlich keine Laufkundschaft!

So bekommt der Club durch diesen hoffentlich heilsamen Schock auch wieder die nötige Bodenhaftung sowie die Erkenntnis, dass jeder Sieg mit harter und akribischer Arbeit verbunden ist. Die Mannschaft hat das auch gleich nach dem Spiel eingesehen und zerknirscht zugegeben.

Burgis unverblümte Worte nehme ich mal stellvertretend fürs ganze Team:

„Scheiße war das heute wieder von uns.“

Stolz auf die Relegation

Auch wenn mir der Direktaufstieg natürlich deutlich lieber gewesen wäre, bin ich froh über die jetzt klaren Fronten. Statt dem Träumen und Rechnen kann sich Trainerstab und Mannschaft nun gezielt fokussieren:

„Jetzt müssen wir die Kräfte bündeln und schauen, dass wir uns bestmöglich auf die Relegationsspiele vorbereiten. Wir haben den dritten Platz jetzt schon sicher, das ist keine Selbstverständlichkeit und das ist richtig toll, was die Mannschaft hinbekommen hat. Es zählt auch die ganze Meisterschaftsrunde und nicht nur einige Phasen“, lautet das positive Resümee von Club-Trainer Weiler.

Ich finde, die grandiose Aufholjagd mit dem Sichern des Relegationsplatzes zwei Spieltage vor Schluss kann gar nicht hoch genug bewertet werden. Wenn wir uns überlegen, wo wir Mitte November noch in der Tabelle standen, im grauen Mittelmaß auf Platz 10 mit 18 Punkten. Wir brauchen echt nicht traurig sein, dass wir Platz 2 nicht erreicht haben. Wir waren zwar knapp daran, aber es wäre falsch zu behaupten, dass der Club ihn verspielt hat. Und ich wette: Die 15 hinter uns platzierten Teams würden liebend gerne mit dem FCN tauschen.

Also positiv denken und aus der starken Leistung im Saisonverlauf Energie, Selbstvertrauen und Zuversicht schöpfen!

Pyro verbrennt Cash

Was mich dagegen nachdenklich bis verärgert den Kopf schütteln lässt, ist das erneute Fehlverhalten der „Unbeugsamen Nürnberger Ultras“. Wieder einmal wurde exzessiv Pyro abgefackelt und Rauchtöpfe gezündet.

Pyro_Braunschweig_Twitter

Mir geht es gar nicht um die grundsätzliche Debatte über die Gefahr von Pyrotechnik. Mir geht es darum, dass jeder Club-Fan weiß, dass der Einsatz von Pyro Strafen nach sich zieht, die jedoch der FCN bezahlen muss! Drastische Strafen, die summiert über die letzten zwei Jahre inzwischen weit über 100.000 Euro ausmachen. Und das bei der verdammt klammen Kasse vom FCN! Die ist inzwischen so knapp, dass der Club erneut gegen Lizensierungsauflagen des DFB verstoßen hat – was wiederum vor einigen Wochen Strafzahlungen von mutmaßlich einer halben Million Euro nach sich gezogen hat.

Und weil der Club die Kohle im Überfluss hat, wird sie eben verbrannt. Nur leider durch die eigenen „Fans“. Die erweisen dem FCN damit einen wahren Bärendienst – und der DFB reibt sich schon die Hände, weil er den Club als Wiederholungstäter wieder saftig zur Kasse bitten kann. Das schadet und schwächt den Verein! Das will mir nicht in den Kopf. Das darf ein wahrer Club-Fan doch nicht wollen! Aber manchen „Fans“ ist das anscheinend herzlich egal. Egal, dann verkaufen wir halt wieder ein paar Spieler: Burgi, Erras und Lücke braucht doch eh keiner!

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Ein Kommentar zu “Relegation statt Rechenschieber

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