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Relegationsnimbus ist gebrochen


23. Mai 2016 – Rückspiel Relegation:

Eine überragende Saison bleibt ungekrönt: Der Club verliert verdient mit 0:1 und hat in der Relegation erstmalig das Nachsehen. Der enthronte Relegationsmeister muss daher auch nächstes Jahr in der 2. Liga antreten. Droht nun der Ausverkauf der Mannschaft?

Niko Kovac kümmert sich beinahe liebevoll um den am Boden liegenden Spieler. Der Trainer der Eintracht geht in die Hocke, tätschelt den Oberkörper des Spielers, nimmt dessen Hand, spricht tröstende Worte. Er tröstet jedoch nicht einen seiner Spieler, sondern Tim Leibold vom FCN. Der sackte direkt nach dem Abpfiff auf den Rasen und lässt seiner Trauer freien Lauf. Anschließend kümmert sich Kovac noch um eine Reihe anderer todtrauriger Club-Spieler, nimmt sie in den Arm und baut sie auf. Das tut er nicht mit dem überheblichen Mitleid des Siegers über den Verlierer, sondern auf eine ehrliche und unverfälschte Weise, die Mitgefühl, Verständnis und Respekt für den Besiegten ausdrückt.

„Für Nürnberg tut es mir ehrlich leid. Ich weiß, wie man sich als Sportler in so einer Situation fühlt“, sagte der Eintracht-Coach auf der Pressekonferenz.

Seine Worte passen zu seinem vorangegangenen Verhalten. Für diese Geste des fairen Sportsgeistes, sie ist im Millionengeschäft des Profifußballs nicht selbstverständlich, zolle ich Niko Kovac meinen Respekt und applaudiere.

Spalier fürs Team

Applaudiert haben die Club-Fans ihrer Mannschaft bereits bei der Anreise vom Hotel zum Stadion. Sie bildeten ein Spalier für den Mannschaftsbus und machten ihrem Herzensverein nochmal Mut fürs entscheidende Rückspiel in der Relegation.

IMG_0643_bearbeitetDiese Anfeuerung ging auch im Stadion weiter. Bereits beim Warmlaufen herrschte eine frenetische Lautstärke. Jeder Zuschauer schien sich bewusst zu sein: „Heute zählt es. Heute müssen wir alles geben. Wenn wir heute die Mannschaft bedingungslos pushen, dann kann sie es schaffen!“

So war dann auch die Stimmung während der Choreo und dem Spiel. „LETS ROCK“ war das Motto und die rot-schwarzen Fans standen hinter ihrem Club.

IMG_0661_bearbeitetFunke springt nicht über

Wir haben geschrien, geklatscht und alles gegeben. Leider auch wieder zu viel. Was schon beim Hinspiel in Frankfurt mit Pyrowahnsinn in beiden Fanlagern begann, wurde auch in Nürnberg exzessiv weitergeführt. Die Frankfurter legten vor, dann zogen die UN und BDA opulent nach. Unzählige Pyrotechnik wurde abgefackelt. Fast unzählbar werden auch die Strafzahlungen sein, die der DFB dafür verhängen wird. So richtig weh tun wird das vor allem unserem Kassenwart und Finanzchef, weil unsere Geldsorgen künftig noch deutlich größer sein werden.

IMG_0680_bearbeitetOb der DFB nachsichtiger mit dem FCN werden wird, wenn er sich umbenennt in den 1. Feuerwerk Club Nürnberg? Ich glaube nicht. Auf jeden Fall muss sich die Vereinsspitze echt was überlegen, inwieweit sie ein Konzept mit wirkungsvollen Maßnahmen und Sanktionen gegen die Pyroentgleisungen der unverbesserlichen Fans entwerfen kann. Denn eines ist klar: Dass durch die Pyro aus der Kurve der Funken auf das Team überspringt und es erfolgreicher macht – ist ein absoluter Irrglaube! Denn sonst hätte die Mannschaft die Relegation doch haushoch gewinnen müssen, oder?

Nichts ging mehr

Hat sie aber nicht. Kämpferisch zwar absolut überragend und mit disziplinierter Ordnung in der Abwehrarbeit. Aber das war es leider auch schon. Ballbesitz – marginal. Passgenauigkeit – viel zu gering. Offensive Durchschlagskraft – Fehlanzeige! Aufgrund dieser Defizite war die Unterlegenheit auch nicht mehr zu kaschieren. Der Club hat die Relegation verdient gegen einen besseren Gegner verloren.

IMG_0684_bearbeitetTraurig stimmt mich die Tatsache, dass es die Mannschaft eigentlich deutlich besser kann! Sie hat uns in dieser Saison mit sehr vielen Toren und tollen Offensivaktionen immer wieder verzückt. Doch gerade in den entscheidenden zwei Spielen merkte man den erfolgreichen Sturmreihen die Verzagtheit, die Ehrfurcht, die Hilflosigkeit und letztlich ihre Defizite an. Das ist sehr schade, denn aufgrund einer so torreichen Saison durften wir durchaus mehr erhoffen. Ausgerechnet in der Relegation dominierte die Ladehemmung.

Gesang mit Gespür

Doch es hat nicht sollen sein. Es war einfach nicht mehr drin. Diese Erkenntnis – eine sehr, sehr schmerzhafte – haben alle Fans im Stadion gespürt. Sie haben ihr Team aufgerichtet mit ehrlichem Applaus. Haben nicht gebuht, gepfiffen oder mit Schimpf- und Hasstiraden die Spieler aus der Kurve verjagt. Nein! Ganz im Gegenteil: Die Nordkurve hat bewiesen, dass sie mehr kann als nur exzessiv zündeln. Sie stimmte den traurigen wie mutmachenden Song „You’ll never walk alone!“ an. Trotzig und laut haben wir es gesungen, während das Team gerührt klatschend und tränenreich vor der Kurve stand.

IMG_0699_bearbeitetAlle haben gespürt, dass diese Mannschaft so nah am Aufstieg war, wie es wahrscheinlich in den nächsten Spielzeiten keine mehr sein wird. Dass selbst eine Saison voller Vereinsrekorde und mit 65 Punkten nicht zum Aufstieg gereicht hat, ist nun bittere und schmerzhafte Realität. Und auch die Tatsache, dass unser Nimbus als Relegationsmeister gebrochen ist.

Konkurrenzfähig im nächsten Jahr?

Auch bin ich kein Prophet, wenn ich voraussage, dass der Club wichtige Stammspieler verlieren wird, die künftig erstklassig spielen wollen. Burgstaller, Fülkrug, Kerk und Leibold sind die schon fast sicheren Abgänge.

Durch den nichtgeglückten Aufstieg entgehen dem Club viele Millionen an Fernseh-, Eintritts- und Sponsorengeldern. Geschätzt werden mindestens 20 Millionen Euro. Alles Geld, das für die Konsolidierung des Vereins sowie für die Investitionen in eine konkurrenzfähige Mannschaft fehlt. Der Etat wird deutlich zusammengekürzt, das wird definitiv auch Auswirkungen auf den Kader haben. Ob der Club auch nächste Saison so konkurrenzfähig sein wird, damit er um den Aufstieg mitspielen kann, weiß ich nicht. Es ist aber zu befürchten, dass er noch für viele Jahre in der zweiten Liga festhängen wird. Warten wir mal ab, wie sich die Sommerpause in den nächsten Wochen und Monaten entwickelt.

Was ich dagegen jetzt schon weiß:

Was-auch-immer-passiert

Die Trauer um den Nichtaufstieg, der sich leider anfühlt wie ein Abstieg, wird verfliegen. FCN – Liebe, Glaube, Leidenschaft!

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2 Kommentare zu “Relegationsnimbus ist gebrochen

  1. […] Relegationsnimbus ist gebrochen […]

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  2. Hallo Frank,

    du hast mal wieder den Nagel auf dem Kopf getroffen, dem ist nichts hinzuzufügen.
    Also auf in die nächste Saison, mit demselben Optimismus,
    Let’s go for it!

    Ein Unverdrossener

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