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Käpt‘n über Bord


20. Juni 2016 – Trainerwechsel

Egal ob Spieler oder Trainer: Reisende soll man nicht aufhalten. Dass (Ex-) Kapitän Weiler jedoch so schnell die Brücke des schlingernden Club-Schiffs verlässt, ist dann doch überraschend. Ein Wechsel zur Unzeit, aber gerade noch rechtzeitig?!

Als ich Mittwochabend letzte Woche erstmalig vom Interesse des RSC Anderlecht an Trainer René Weiler gelesen hatte, war ich überrascht und geschockt zugleich. Schnell wurde mir klar: Das sind mehr als nur die üblichen Transfergerüchte in der Sommerpause. Weiler wird kaum zu halten sein, denn zu verlockend sind die Perspektiven des belgischen Rekordmeisters und Champions League Aspiranten.

Konfuse Tage

So kam es dann auch. Nach einigen vorschnell verkündeten Wechselbestätigungen, Dementis, Verhandlungspoker mit vor und zurück sowie hüh und hott war am Montagnachmittag Weilers Abgang auch offiziell endgültig besiegelt.

Andreas Bornemann, Vorstand Sport beim 1. FCN, bestätigte: „René Weiler hat uns klar signalisiert, dass er den Club trotz seines bestehenden Vertrages Richtung Belgien verlassen möchte. Nachdem wir in den Gesprächen mit Anderlecht ein wirtschaftliches Ergebnis erzielt haben, das der Vertragskonstellation und auch der Kurzfristigkeit des Wechsels gerecht wurde, haben wir die Freigabe erteilt. Wir danken René Weiler für seine Zeit beim Club.“

Letztlich ging es nur noch um die Ablösesumme, die Anderlecht berappen musste, um Weiler aus seinem bis noch 2017 gültigen Vertrag herauszukaufen. Dass dabei Anderlecht in der gesamten Kommunikation und Außendarstellung eine so unglückliche Figur abgab, wie der FCN zu seinen chaotischsten Zeiten, lässt mich schadenfroh grinsen. Doch die Schadenfreude verfliegt nur allzu schnell, denn zu groß sind die bleibenden Probleme beim Club. Auch wenn der Club mit kolportierten 700.000 Euro zuzüglich Erfolgsprämien zumindest eine einigermaßen ordentliche Ablösesumme für Weiler erhält. Ich hätte zwar deutlich über eine Million erwartet, aber egal. Es ist letztlich nichteingeplante Kohle, die der Verein dringend brauchen kann, um handlungsfähiger bei Transfers zu sein.

Danke trotz unerfüllter Mission

Auch wenn Weiler die Aufstiegsmission leider nicht erfolgreich beenden konnte: Ihm gebührt der Dank dafür, dass er seit seinem Amtsantritt im November 2014 aus der verzagten Mannschaft wieder eine starkes Kollektiv geformt hat. Ein Kollektiv, das nicht auf außerordentlicher Klasse und technischen Qualitäten beruhte, sondern mit Wucht, Herz, Leistungsbereitschaft und Teamgeist überzeugte.

Genau dieses Team hat sich mit ehrlicher Leidenschaft die Herzen der Fans zurückerobert und uns eine phantastische Saison beschert. Langersehnte Heimsiege gegen die Westvorstadt oder die Aufstiegskonkurrenten aus Freiburg Leipzig und Hamburg sowie die Rekordserie aus 18 unbesiegten Partien haben ungewohnte Euphorie freigesetzt. Diese Erinnerungen werden bleiben – dazu hat auch der Trainer einen wesentlichen Beitrag geleistet. Danke und alles Gute für René Weiler.

Gutes oder schlechtes Timing?

Auch wenn ich den Abgang nach Anderlecht mit den dort rosigen Perspektiven verstehen kann, darf sich der FCN durchaus im Stich gelassen fühlen. Zudem geht Kapitän Weiler auf den ersten Blick eigentlich zur Unzeit von der Brücke: Kurz vor Beginn der Saisonvorbereitung mitten beim Zusammenstellen der neuen Mannschaft. Aber vielleicht ist gerade das jetzt der Vorteil!

Der Club kann das Kapitel Weiler in dem Wissen abschließen, dass die mangelnden finanziellen Perspektiven den ambitionierten Schweizer sowieso nicht auf Dauer zufriedengestellt hätten. Bevor dies also zu dauerhafter Missstimmung mit Zwist, Genöle und Gejammere geführt hätte, endet die Ära Weiler zwar abrupt mit etwas Wehmut – aber ohne Groll. Nachkarteln wäre absolut fehl am Platz!

Stattdessen hat der neue Club-Trainer die Chance, die Mannschaft ab Ende Juni zusammenzustellen und eine komplette Vorbereitung mit ihr durchlaufen zu können. Immerhin deutlich besser, als wenn ein Trainer mitten im trüben Herbst neu dazukommt und sich über den vorhandenen Kader beschwert, den er sich nicht aussuchen konnte. Und der Trainer, der jetzt beim FCN anheuert, weiß, dass die finanzielle Situation angespannt ist und keine Luftschlösser zu bauen sind. Der Club hat die Karten auf den Tisch gelegt.

Neue Asse gefragt

Jetzt gilt es für den neuen Coach mitsamt der Vereinsführung, mit der Geldnot als „Schwarzem Peter“ so raffiniert umzugehen, dass trotz Schulden und düsterer Perspektiven das eine oder andere neue Ass gefunden und geformt wird.

Wer weiß, vielleicht entpuppen sich ausgerechnet bereits Ausgemusterte wie Sylvestr doch wieder als Trumpfkarten und neue alte Asse? Auf jeden Fall birgt der Neuanfang auch wieder neue Chancen. Und die plus Geduld hat der neue Trainer, wer auch immer es werden wird, definitiv erstmal verdient.

Ich jedoch habe mich gegen die Vernunft und Geduld entschieden! Ich habe am Sonntag meine Dauerkarte verlängert – natürlich zu gestiegenen Preisen. Der Club kanns brauchen. Jetzt erst recht!

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3 Kommentare zu “Käpt‘n über Bord

  1. […] Käpt‘n über Bord […]

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  2. „Lieber jetzt als im Herbst“ is richtig und kann fast als Seitenhieb gegen Hecking verstanden werden! 🙂
    Und jawoll! Dauerkarte erworben, so muss das sein! Ich hab ja meine Treue-Dauerkarte das zweite Jahr! 🙂

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