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Gefestigt und gefährlich?


5. August 2016 – Saisonstart:

Eine lange Saisonvorbereitung geht endlich zu Ende: Turbulent mit Trainerwechsel, zähem Transferpoker und neuem Hauptsponsor – typisch FCN. Nach guten Testspielen scheint der Club gewappnet für Dynamo.

Quälende elf Wochen war die Sommerpause lang. Am heutigen Freitag startet endlich die neue Zweitligasaison. Gescheitert in der Relegation ist es inzwischen leider die dritte hintereinander für den Club. Natürlich sehen sich der FCN und die Fans vom Selbstverständnis her zwar als Bundesligist, aber wie weit ist der Ruhmreiche davon entfernt?

Klar, die Absteiger aus Stuttgart und Hannover gelten als Topfavoriten auf die direkten Aufstiegsplätze, aber wie sieht das Verfolgerfeld aus. Kann der Club erneut eine gute Rolle spielen?

Kein kompletter Kaderumbruch

Die gute Nachricht ist, dass sich der befürchtete Kaderumbruch diesen Sommer glücklicherweise in Grenzen hielt: Neben den Abgängen von Robert Koch (Ziel unbekannt), Tobias Pachonik (Schalke 04 II), Zoltan Stieber (Leihende Hamburger SV) und Jan Polak (Zbrojovka Brünn) schmerzen vor allem der Verlust von Edeljoker Danny Blum (Eintracht Frankfurt), das Leihende von Sebastian Kerk (SC Freiburg) und der Transfer von Niclas Füllkrug zum Ligakonkurrenten Hannover.

So entsteht vor allem in der Offensive ein herber Substanzverlust: Mit Füllkrug, Blum und Kerk fehlen drei Spieler, die in der vergangenen Saison auf insgesamt 22 Treffer und 16 Assists kamen. Das muss die Mannschaft erstmal kompensieren!

Namhafte und gestandene Neuzugänge sind Edgar Salli, Tobias Kempe und Enis Alushi. Salli vom AS Monaco, der 2014 für Kamerun bei der WM spielte, und Kempe von Darmstadt 98 sehe ich als Stammspieler. Auch Alushi von St. Pauli kann dem Team mit seiner Erfahrung bestimmt sofort helfen. Wieder zurück ist zudem Jakub Sylvestr – nach seiner erfolglosen Leihe an Paderborn und einer insgesamt gruseligen Saison. Ich bin guter Dinge, dass er zu seiner Stärke zurückfindet und Torgefahr erzeugt.

Talentierte Jungspunde

Nach Philipp Hercher und Cedric Teuchert wurde mit Lukas Mühl zu dieser Saison der nächste Nachwuchsspieler mit einem Profivertrag ausgestattet. Vornehmlich als Innenverteidiger eingesetzt, bewies er Trainer Alois Schwartz im Test gegen Erstligist Augsburg, dass er künftig auch auf der Sechs eine Option sein kann. Nach Patrick Kammerbauer, der in Vorbereitung als Rechtsverteidiger eingesetzt wurde, vervollständigt Ivan Knezevic die Riege der talentierten Jungspunde.

In der Vorbereitung durften aus der U21 auch Dennis Lippert, Mike Ott und Eduard Löwen reinschnuppern. Dieses Trio hat ebenfalls das Potenzial, sich mittelfristig für die Profis zu empfehlen. Bei den finanziellen Problemen des FCN genau die richtige Lösung, verstärkt auf den Nachwuchs und das eigene NLZ zu setzen.

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Darüber hinaus sollten wir unseren letztjährigen Shootingstar Erras nicht vergessen. Wenn er von seinem Kreuzbandriss genesen ist, steht wieder eine hoffnungsvolle Alternative bereit. Vielleicht klappts ja mit dem Comeback noch in diesem Herbst.

Hinten dicht, aber vorne zu ungefährlich?

Insgesamt lief unsere Vorbereitung richtig gut. Abgesehen von nem 1:1-Grottenkick gegen den Drittligisten Chemnitz hat der Club alle Testspiele gewonnen – selbst die Generalprobe gegen den Bundesligisten FC Augsburg am vergangenen Freitag.

Das große Plus für die neue Saison wird unsere eingespielte Defensive sein: Die Viererkette hat auch schon in der abgelaufenen Spielzeit so zusammengespielt und ist bestens organisiert. Der Club hat dreizehnmal kein Gegentor kassiert. Zudem steht mit Methusalem Schäfer erneut der Routinier im Kasten und Miso Brecko bleibt weiterhin der Mannschaftskapitän. Dass Kirschbaum offiziell zur Nummer 2 hinter Schäfer ausgerufen wurde, verwundert dann doch etwas. Aber es zeigt, dass unter dem neuen Trainer Schwartz alle eine faire Chance bekommen – unabhängig von den Patzern der letzten Spielzeit.

Genau hier liegt auch die Chance von Rückkehrer Sylvestr. Er kann nach nem Jahr zum Vergessen mit nur sieben Einsätzen und keinem einzigen Treffer neu angreifen. Das ist auch dringend nötig, denn in vorderster Sturmspitze seh ich den Altmeister sehr dünn besetzt! Auch wenn Burgstaller nach zähem Hin und Her jetzt endlich erklärt hat zu bleiben, oder er hat sich damit abgefunden, braucht es noch einen Mittelstürmer mit Durchschlagskraft. Bin gespannt, wieviel Geld Meeske und Bornemann in die Hand nehmen wollen und können, um hoffentlich einen Kracher für den neuen Trainer zu verpflichten. Trotz guter Transfererlöse und neuem Hauptsponsor Nürnberger Versicherung, die Vorstellungs-Pressekonferenz Mitte Juli fand ich überragend, ist weiterhin Sparen und vernünftiges Haushalten angesagt.

Weiler stolpert beim Nachtreten

Apropos Trainer: Nach dem überstürzten Abgang von René Weiler zum RSC Anderlecht wurde Alois Schwartz nach 108 Spielen an der Seitenlinie des SV Sandhausen neuer Clubcoach. Schwartz freute sich auf die neue Herausforderung, das Umfeld und die mediale Aufmerksamkeit beim Ruhmreichen.

Ex-Trainer Weiler dagegen haben nicht nur die neuen Chancen beim RSC Anderlecht gereizt. Er scheint geradezu des FCN in allen Facetten überdrüssig gewesen zu sein. Er hatte also keinen Bock auf mehr! Anders kann ich mir Weilers Interview-Aussagen und verbales Nachtreten, veröffentlicht in der Bild-Zeitung am 3. August, nicht erklären:

„Ich hatte in Nürnberg eigentlich nie eine starke Ansprechperson, wie sie ein Trainer auf diesem Niveau auch braucht, an meiner Seite. Der Club ist unglaublichen Stimmungsschwankungen ausgeliefert, weil die Führungsstruktur zu breit ist und viele Leute im Verein versuchen, Einfluss zu nehmen. Dazu kommt das Schwelgen in vergangenen Erfolgsjahren bis zurück zu den Meisterjahren. Als Trainer ist es da nicht einfach, in solch einem emotionalen Umfeld zu arbeiten. Und selbstverständlich gehört es zum Trainerberuf dazu, dass du oft als Verantwortlicher oder gar Schuldiger bei Misserfolg angesehen wirst. Aber trotz beachtlichen Erfolgen habe ich von Vereinsverantwortlichen selten gehört oder gelesen, dass man glücklich war, dass ich dort Trainer war. […] Man muss doch sehen, woher der Club kam. Welche Missstände wir nach und nach abarbeiten mussten und dabei ja immer weiter an Substanz verloren. Wenn man dann sieht, was wir gemeinsam erreicht hatten, hätte ich mir schon gewünscht, von gewissen Leuten noch ein bisschen mehr Wertschätzung zu erfahren.“

Ich habe mich über diese Aussagen richtig geärgert! Es war zwar nicht viel Geld da, aber als Bader weg war, konnte Weiler in Ruhe arbeiten – mit voller Rückendeckung der neuen Vereinsführung Meeske und Bornemann und der Fans sowieso. Er hat seine Mannschaft mit ordentlichem Potenzial bis an die oberste Leistungsgrenze entwickelt. Das war eine tolle Arbeit. Aber der Bundesligaaufstieg ist nicht gelungen. So bleibt sein Trainerdasein beim Club ungekrönt und eben nur eine positive Randnotiz in den langjährigen FCN-Chroniken. Das ist an sich nicht schlimm, scheint ihn aber doch irgendwie zu frustrieren? Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass Weiler mit Anderlecht am Mittwochabend in der Champions League Qualifikation gescheitert ist. Das dürfte die Wertschätzung seines neuen Vereins nicht zwingend erhöht haben …

Abwartende Saisonprognose

Wie gut die kommende Saison wird, weiß ich nicht. Der Club ist und bleibt eine Wundertüte. Ich glaube nicht, dass wir den dritten Platz vom Vorjahr wiederholen können. Ich schätze die Mannschaft etwas schwächer ein, weil besonders die vielen Abgänge in der Offensive schwer wiegen.

Aber wie so oft als Cluberer rechnen wir zwar mit dem Schlimmsten und hoffen doch aufs Beste – eben die fränkische Variante von Optimismus. Ich sehe uns zwischen Platz 4 und 9. Ob wir eine gewichtige Rolle im Aufstiegskampf spielen können, wird sich herauskristallisieren. Die 2. Liga ist heuer gespickter den je mit elf ehemaligen Deutschen Meistern und Tradition im Überfluss. Elementar wäre schon mal ein guter Saisonstart – zumindest besser als letzte Saison. Daher gehört ein Auswärtsspiel bei Aufsteiger Dynamo Dresden nicht zu meiner bevorzugten Auftaktpartie.

FCN-Dauerkarte_2016-2017

Also was zählt: Wir haben ne Dauerkarte. Wir haben Bock auf mehr. Wir sind der Club. Lasst die Spiele endlich beginnen. Alles Weitere werden wir schon sehen. Ich fahre jetzt (leider) erstmal in Urlaub.

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2 Kommentare zu “Gefestigt und gefährlich?

  1. […] Gefestigt und gefährlich? […]

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  2. Von Weiler bin ich auch gewaltig enttäuscht. Solch ein Nachtreten ist einfach stillos und öffnet zumindest mir ein wenig den rosaroten Blick. Denn er hat auch nicht alles richtig gemacht, gerade wenn ich an die Rele… – Schluss jetzt, der Blick geht nach vorne! Meiun Sohn und ich haben auch wieder ne Dauerkarte, aus Block 5 wird die Mannschaft unterstützt! Denn: WIR sind der Club!!!

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