Ein Kommentar

Bestrafung in der Nachspielzeit


6. August 2016 – 1. Spieltag:

Es war der erwartete Saisonauftakt: Volles Stadion, euphorischer Aufsteiger und intensives Kampfspiel. Am Schluss eine gerechte Punkteteilung, doch das Zustandekommen in der Nachspielzeit nervt!

Ein Saisonauftakt wie gemalt in Dresden: Herrlicher Sommertag und proppenvolles Stadion mit 30.000 Zuschauern, die sich das Traditionstreffen aus acht DDR-Meisterschaften und neun deutschen Meisterschaften nicht entgehen lassen wollten. Eine stimmungsvolle Kulisse, zu der auch die 3.000 Cluberer positiv beigetragen haben. So ist das eben, wenn Tradition aufeinandertrifft – egal in welcher Liga. Klasse, dass sich beide Fangruppen doch darauf beschränkt haben, das eigene Team lautstark und enthusiastisch anzufeuern.

So spielten Gewalt und Ausschreitungen an diesem Tag glücklicherweise keine Rolle. Die zahlreichen Sicherheitskräfte hatten anderes befürchtet: Laut Polizeibericht Dresden waren 691 Beamte der sächsischen Polizei, elf Einsatzbeamte aus Thüringen sowie rund 190 Bundespolizisten im Einsatz. Eine stolze Zahl! Doch diese starke Präsenz hat gewirkt, so dass es während des Spiels aus polizeilicher Sicht zu keinen Störungen kam und auch die Abreise der Fußballfans ebenfalls problemlos verlief. Unabhängig von der logistisch ärgerlichen Tatsache, dass sich der angeordnete Shuttle-Bus-Transfer der Club-Fans zu den Parkplätzen über fast drei Stunden hinzog. So kann man die Fanströme nach der Partie auch strikt voneinander trennen. Aber wenns hilft …

Dankbarer Fall

Stattdessen wurde Fußball gespielt – ziemlich lange sogar: Der Club hatte seit der 45. Minute nach einem Foulelfmeter geführt. Die Führung kam allerdings glücklich zustande. Denn die Elfmeterentscheidung nach einem vermeintlichen Foul an Tim Leibold war umstritten. Halb fiel er, halb sank er dahin und der Schiri entschied auf Strafstoß. Guido Burgstaller ballerte wuchtig den Elfer zum 1:0 ins Netz.

Der Club ließ nicht viel zu, investierte selber auch sehr wenig ins eigene Angriffsspiel. Es fehlten der letzte Pass und die letzte Präzision. Die beste Chance auf das erlösende 2:0 vergab Jakub Sylvestr in der 77. Minute, als er leider knapp aus aussichtsreicher Position verzog. Überhaupt machte der Rückkehrer einen guten Eindruck. Nach so einer grässlichen Vorsaison wird das schon noch bei ihm. Bitte Geduld haben.

Schäfer gibt den Wüterich

Trotz allem sah es so aus, als ob der Altmeister das Ding einigermaßen souverän über die Zeit bringen sollte – bis weit in die Nachspielzeit hielt der knappe Vorsprung. In der 94. Minute musste der FCN dann allerdings doch noch den Gegentreffer hinnehmen und konnte so nur mit einem statt mit drei Punkten ins die Noris fahren. Ein Unentschieden, das in Summe in Ordnung geht, sich jedoch für uns wie eine Niederlage anfühlt. Ich war danach ziemlich bedient und ärgerte mich über die fünf Minuten Nachspielzeit, unsere Dusseligkeit und den verschenkten Dreier.

Ähnlich ging es Keeper Raphael Schäfer, der nach dem Spiel in die Mikrofone der Medienvertreter blaffte:

„Sie sollten mal den Schiedsrichter fragen, woher er die fünf Minuten genommen hat! Beim nächsten Mal, wenn dann richtige Unterbrechungen sind, dann spielen wir fünf oder zehn Minuten, oder wie? Gibt es da eine neue Regel, oder wie? […] 1:0 hat es gestanden, nichts war unterbrochen, ganz normaler Spielfluss. Dasselbe Spiel hatten wir in der Relegation, da gab es eine Minute Nachspielzeit. Dann macht der fünf Minuten, weil er einfach Lust hat ein schönes Spiel zu haben!“

Ja, Schäfer und die Emotion – ich kann mir ein Grinsen nicht verkneifen. Das ist authentisch. So ist er eben. Passd scho.

Eine mögliche Erklärung für die ausufernde Nachspielzeit lieferte Bezahlsender Sky: Länger nachspielen zu lassen statt gelb für Zeitspiel wurde anscheinend im Rahmen der letzten „Spieltagsreform“ beschlossen. Bin gespannt, wie konsequent sich das die Saison über entwickelt oder ob das nur eine Eintagsfliege war.

Noch genügend zu tun

„Der Gegner hat alles nach vorne geworfen und die Euphorie mitgenommen. Wir haben es nicht mehr geschafft, die Ruhe ins Spiel zu bekommen. Unsere Konter konnten wir nicht ausspielen, sondern haben sie überhastet abgeschlossen, dadurch ist der Druck größer geworden. Leider mit dem bitteren Ende“, fasste FCN-Coach Schwartz die Schlussphase kritisch zusammen.

In der Tat hatten die Dresdener eindeutig mehr vom Spiel, besonders im zweiten Durchgang, als sie durchgängig dem Rückstand hinterherliefen: So verzeichnete Dynamo nicht nur mehr Torschüsse (15 zu 11), auch bei den Zweikämpfen setzten sich die Sachsen durch, sie gewannen rund 55 Prozent aller Duelle. Noch klarer war es beim Ballbesitz: Der Club konnte lediglich magere 33 Prozent für sich verzeichnen, auch spielten die Sachsen doppelt so viele Pässe (595 zu 295).

Das sind natürlich Werte, die mir nicht wirklich gefallen! Es gibt schon noch eine Menge, woran es in den kommenden Wochen zu arbeiten gilt. Aber es gibt nach dem 1. Spieltag weder einen Grund für überzogene Trainer- und Mannschaftsschelte noch für Verschwörungstheorien potenzieller Benachteiligung durch den DFB. Wer sich in der 94. Minute einen Ausgleich einfängt, hat sich erstmal dämlich und unclever angestellt. Und bei Dynamo Dresden werden sich auch noch einige andere Teams verdammt schwer tun, die Punkte zu entführen. Also Mund abputzen und noch einige Transfers tätigen, um die Mannschaft gezielt zu verstärken.

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Ein Kommentar zu “Bestrafung in der Nachspielzeit

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