Ein Kommentar

Den Stabilitätspakt gekündigt


28. August 2016 – 3. Spieltag:

Bei 33 Grad ist jedes Stück Stoff eines zu viel. Jedoch ist Entblößen nur bedingt eine Lösung. Dass der Club in Braunschweig seine Abwehrreihen entblößt hat und blank dastand, hat höchstens die Eintracht gefreut. Ein 1:6 das schmerzt – als Club-Fan möchte man sich am liebsten komplett verhüllen oder ne Tarnkappe überziehen.

Selten habe ich mich so sehr gefreut, dass ich ein Spiel vom Club komplett verpasst hab. Meine Siesta am Sonntagmittag begann kurz nach 14 Uhr. Da stand es 1:0 für meinen Club durch Burgi. „Die schaffen das auch ohne mich“, redete ich mir ein und gönnte mir ein Nickerchen. Im Halbschlaf hörte ich mein Smartphone konstant piepsen und brummen – Club-App und Kicker-Ticker hatten anscheinend viel zu vermelden. Egal, ich döste weiter. „Die machen das schon …“

Böses Erwachen

Tja, umso schlimmer war das Erwachen, denn der Club hat es anscheinend genauso gemacht wie ich und das Spiel verpennt. Als ich nach meinem Power-Napping mit verschlafenen Augen aufs Smartphone linse, bin ich schlagartig wach: Aus der 1:0-Führung wurde innerhalb von 50 Minuten eine 1:6-Klatsche! Drehschwindel stellt sich ein und der sofortige Wunsch, mich wieder hinzulegen.

Die Mannschaft hatte wahrscheinlich auch Drehschwindel während der Partie: Das Team kassierte innerhalb von 14 Minuten drei Tore durch Standardsituationen. Dazu noch ein unglückliches Eigentor von Bulthuis und kurz vor Schluss noch zwei weitere Gegentore. Zweikampfverhalten, Abstimmung und vor allem Konzentration in der Rückwärtsbewegung waren schlichtweg eine Katastrophe! Den Gegenspielern wurden im und rund um den Sechzehner viel zu viel Räume gelassen. Diese wurden dankbar durch die Braunschweiger angenommen und die guten Einschussmöglichkeiten gnadenlos vollstreckt. Statt Viererkette war der Defensivblock beim FCN eine einzige Fehlerkette – Keeper Schäfer leider auch. In Summe ein Abwehrverhalten, das den Namen Abwehr nicht verdient. So genügt das keinen Zweitligaansprüchen.

Überforderte Haudegen

Das Komische daran: Die Abwehrformation hat sich im Vergleich zur Vorsaison nicht verändert! Es sind keine unerfahrenen Jungspunde, sondern die gleichen Haudegen, die letzte Saison bis auf wenige Ausnahmen hinten dicht gemacht haben. Doch aus dem Abwehrbollwerk ist ein wackliger Bretterverschlag geworden.

Und das bei der Erfahrung aufm Platz – mit 28,6 Jahren die zweitälteste Mannschaft in Liga 2! Obwohl der Altmeister in Braunschweig fast nur gestandene Profis oder Ex-Nationalspieler aufs Feld geschickt hat, fand sich kein Routinier, der spätestens nach dem 1:4 mehr Kompaktheit und Defensivarbeit von den Kollegen einforderte. Stattdessen Auflösungserscheinungen. Das ganze Team hat sich kampflos ergeben und die Bude vollrammeln lassen. Der blanke Hohn, dass der Club in den Statistikkategorien „Ballbesitz, Passquote und Zweikampfwerte“ besser als Braunschweig war. Nur eben leider nicht bei den Toren – und die sind letztlich, was zählt! Was für ein Debakel. Was für ein schwarzer Sonntag. Der letzte Urlaubstag absolut verpatzt.

Wieder Relegationsplatz

Genauso so wenig verstehe ich momentan, wie verzagt, demütig und planlos der Club agiert!? Es ist das vierte Mal in Folge, dass wir 1:0 führen, dann den Spielbetrieb einstellen und mindestens den Ausgleicht kassieren. Schon traurig, dass man sagen muss: „Die 1:0-Führung hat der Mannschaft jeweils nicht gut getan.“ Aber Rückstände tun ihr noch weniger gut!

Ratlos wie wenig eine Einheit auf dem Rasen steht, obwohl es zum Großteil die Spieler vom letzten Jahr waren. Als Ergebnis stehen wir nach dem dritten Spieltag bereits wieder auf dem Relegationsplatz. Nur leider unten am falschen Ende der Tabelle. Okay, die Tabelle nach drei Spielen ist nur Makulatur und beunruhigt mich nicht wirklich. Doch es sind die Tendenz und weitere Aussichten, die mich nachdenklich stimmen.

Das Umfeld murrt

Schon vor der Niederlage musste der neue Trainer Schwartz Kritik einstecken für seine vorgegebene Taktik, Spielsystem, Aufstellung und das mutlos uninspirierte Auftreten. Dass die Kritik nach ner 1:6-Klatsche jetzt noch weiter zunimmt, verwundert auch ihn nicht. Zudem fragen sich bereits viele aus dem Umfeld, ob Schwartz überhaupt der Richtige sei und orakeln, dass seine Zeit als Trainer beim Club bald ausgelaufen sein dürfte.

Läuft sein Zeit beim Club schon ab?

Der Blick auf die Uhr: Läuft seine Zeit beim Club schon ab?

Diese Frage bereits jetzt zu stellen, halte ich für verfrüht: Es ist richtig, vieles kritisch zu hinterfragen und akribisch zu analysieren. Das haben Vereinsführung, Trainerstab und Mannschaft anscheinend selbstkritisch eingesehen. Aber schon jetzt alles in Frage zu stellen und in hektischen Aktionismus mit möglichen Bauernofpern zu verfallen, halte ich für schlichtweg falsch! Auch ich habe nach dem 1:6 nen dicken Hals und bin sehr skeptisch, ob die Transfers gut genug sind, damit der Club eine siegreiche Saison bestreiten kann. Aber erfahrungsgemäß braucht der Ruhmreiche eben immer etwas länger, bis er in die neue Runde erfolgreiche reinfindet. Das ist zwar ärgerlich, gerade aufgrund der guten Ergebnisse während der Vorbereitung, war aber auch die letzten Jahre leider Fakt. Zudem sollten wir die Siegesserie und Erfolge der letzten Saison endgültig abhaken. Das wird so schnell nicht wieder eintreffen!

Daher kommt die Länderspielpause genau zum richtigen Zeitpunkt: Endlich schließt das unsägliche Transferfenster, dessen Spalt fürn FCN wegen akutem Geldmangel sowieso nur sehr schmal war. Dann steht der Kader bis zur Winterpause fest und das Trainerteam kann daraus endlich eine Mannschaft formen. Auch das braucht Zeit und Geduld. Also bitte nicht panisch werden, sondern etwas mehr Zuversicht und Realitätssinn. Wir sind schließlich der Club – und das alles ist doch nicht wirklich neu für uns, oder?

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