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Rot leuchtet die Laterne


20. September 2016 – 6. Spieltag:

In gewohnter Manier verliert der Club das Frankenderby total überflüssig mit 1:2. Nach der vierten Niederlage in Folge sind Stimmung und Tabellenstand im Keller angekommen. Ist der Tiefstpunkt damit erreicht oder kommt es noch schlimmer?

Die Mannschaft erstarrt in gebührender Entfernung vor der Nordkurve. Verharrt ratlos und bedröppelt. Sie macht sich schon auf, noch in die Kurve zu gehen. Doch wütende Pfiffe und Sprechchöre verscheuchen sie. Das Team dreht wieder ab und schleicht mit hängenden Köpfen vom Platz. „Wir haben die Schnauze voll!“ skandiert die Nordkurve nach dem Abpfiff aufgebracht.

img_1163_bearbeitetDer Frust nach vier Niederlagen in Folge ist riesig – vor allem wenn man bedenkt, dass der Club innerhalb von neun Tagen drei Schlappen hat hinnehmen müssen. Dabei schmerzt die letzte natürlich besonders arg, ging es doch im ewig jungen 261. Frankenderby gegen den Rivalen aus der Westvorstadt. Derbyniederlagen daheim sind besonders giftige Stimmungskatalysatoren.

Support eingestellt

Bereits während dem Spiel ist die Stimmung der Fans gekippt. War die Unterstützung bis zum 0:2 noch energisch anfeuernd, wurde ab der 60. Minute der Support demonstrativ eingestellt: Keine Sprechchöre, kein Trommeln und Klatschen, kein Dauerfahnenschwenken. Stiller und deprimierter Protest. Und wer nicht stumm blieb, der spendete höhnischen Applaus. Diese Höchststrafe gab es schon lange nicht mehr im Achteck.

Echt der Wahnsinn, wie dramatisch schnell die Stimmung verständlicherweise kippen kann. Von Mitte November bis Ende Mai trug eine Woge aus Euphorie und Zuneigung die Mannschaft von Sieg zu Sieg. Selbst die verpatzte Relegation hat Fans und Mannschaft nicht entzweit – im Gegenteil! Die Szenen im Stadion nach dem Spiel jagen mir auch heute noch einen Schauer über den Rücken. „FCN – Liebe, Glaube, Leidenschaft!“ und „You’ll never walk alone!“ schallte es damals trotzig tröstend aus zigtausend traurigen Kehlen. Ein Zusammenhalt, der in Stein gemeißelt schien.

Doch momentan bekommt er Risse und bröckelt. Zu groß die Ernüchterung nach dem schlechtesten Saisonstart der Vereinsgeschichte. Zwei Punkte, Platz 18, vierte Niederlage in Folge, 17 Gegentore. Vom beinahe Erstligisten in den absoluten Zweitligakeller in gerade einmal sechs Spielen – das malträtiert die Club-Seele!

Derby in gewohnter Manier

Für die Genesung der rot-schwarzen Fanseele war der Derbyverlauf daher erneut nicht förderlich. Im Gegenteil. Dabei hatte ich zunächst den Eindruck, dass die Mannschaft mit dem Druck des Frankenderbys umzugehen weiß: Griffig, aggressiv, vorne torgefährlich und hinten resolut legte der Club sämtliche Tugenden an den Tag, die es eigentlich für ein erfolgreiches Derby braucht.

Tatsächlich gab der FCN im Vergleich zum Kleeblatt mehr als doppelt so viele Torschüsse ab (21:10), davon 5:2 gefährlich aufs Tor. Der Club hatte ein Eckballverhältnis von 12:3 und 56 Prozent Ballbesitz. Doch es war wie immer – in einer mittelmäßigen Partie macht der Club das Spiel und Fürth effizient die Tore.

Am Schluss stürzen fehlendes Glück gepaart mit eigenem Unvermögen den Altmeister, der sich sowohl in der ersten als auch in der zweiten Hälfte einige Großchancen herausarbeitete, noch tiefer in die Krise. Am Schluss gewinnt die glücklichere Mannschaft, die wahrlich nicht besonders aufgespielt hat, aber cleverer war. Am Schluss feiert wieder mal die grün-weiße Gästekurve und den Spott für die Verlierer gibt’s gratis dazu. Meine Begeisterung und die der anderen 30.000 Rot-Schwarzen halten sich arg in Grenzen! In Schockstarre verlassen wir wieder mal als Derbydepp das Stadion.

Wahnsinn made in Nürnberg

Irgendwie passend zur derzeitigen Stimmungslage war auch das Motto der seltsamen Club-Choreo in der Nordkurve: „Wir sind der Zorn Gottes, die Erde über die wir gehen sieht uns und bebt – Wahnsinn made in Nürnberg!“ Den Wahnsinnn unterschreibe ich sofort, aber den Rest muss man nicht unbedingt verstehen …

img_1145_bearbeitetJa, der Wahnsinn in der Noris mitsamt Herbstkrise nimmt seinen Lauf. Besonders im Kreuzfeuer ist Trainer Alois Schwartz. Es scheint, als hätte er Kredit und Geduld beim Großteil der Fans bereits verspielt. Die wütenden Pfiffe und Unmutsbekundungen der Kurve waren laut und deutlich. Zwar gab es noch keine Sprechchöre „Trainer raus!“, aber die Kritik an ihm und der konfusen Spielweise wächst. Neben der bescheidenen Punkteausbeute ist auch die Mannschaftsleistung erneut nur ordentlicher Durchschnitt – und das leider auch nur phasenweise.

Das reicht nicht! Es mangelt dem Club weiterhin an Struktur sowie einer konstant konzentrierten und fehlerfreien Leistung über 90 Minuten. Wie stellt man diese Fehler ab? Ist daran der Trainer schuld? Soll man ihn gleich entlassen oder erstmal weiter auf ihn vertrauen? Keine Ahnung, aber die Vereinsspitze muss sich bald entscheiden. Hier steht sie klar in der Verantwortung und muss sich der Realität und den aktuellen Entwicklungen stellen. Und dann entsprechend auch handeln – mit allen schmerzhaften Konsequenzen für Trainer UND Mannschaft!

Denn wenn nicht bald positive Ergebnisse in Gestalt von Punkten und Siegen erzielt werden, besteht die Gefahr, dass der Club dauerhaft in diesem Negativstrudel bleibt. Wo der enden kann, hat letzte Saison Paderborn mit dem erneuten Abstieg vorgemacht. Das gilt es unter allen Umständen zu verhindern! Denn sonst wird es definitiv ein „Wahnsinn made in Nürnberg“ – und da hab ich absolut keinen Bock drauf!

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