Ein Kommentar

Naggerd übern Plärrer


25. September 2016 – 7. Spieltag:

Zwischen Depp und Held liegen oft nur Nuancen: Mit Moral und Kampfgeist verwandelt der Club den Pausenrückstand in einen 3:1-Sieg mit Burgstaller in kurioser Hauptrolle. Der erste Saisonsieg besänftigt die Gemüter und entfacht neue Zuversicht.

Die Erleichterung um 15:19 Uhr war allgegenwärtig: Trainer Schwartz vollführte eine Jubeltänzchen und Sportvorstand Bornemann Luftsprünge. Beide lagen sich danach in den Armen. Jeder vorm TV-Bildschirm konnte mitverfolgen, welche Last von diesem Duo fiel, dem die sportliche Talfahrt des Ruhmreichen seit Saisonbeginn angelastet wurde. Siege heben die Laune und auch das Team genoss den längst überfälligen Jubelkreis – zusammen mit dem Trainer.

jubeltraube_bielefeldVon uns Fans brauch ich dabei gar nicht erst zu sprechen! Auch unser Gemüt hat die letzten Wochen arg gelitten. Zu frustrierend der verpatzte Saisonauftakt mit vier Schlappen in Serie – vor allem die letzte gegen den ewigen Erzrivalen aus der Westvorstadt. Daher war der erste Saisonsieg ein absoluter Brustlöser, der gleichzeitig die vibrierenden Nerven etwas beruhigte. Dass auch dieser Sieg alles andere als normal entstehen sollte, ist mal wieder typisch Club.

Kellerduell auf der Alm

Schon vor dem Spiel sorgten die Ergebnisse der vorangegangenen Partien, dass es zu einem wahren Kellerduell auf der Bielefelder Alm kommen sollte: Vorletzter gegen den Letzten – nur die kühnsten Pessimisten hätten den Altmeister vor der Saison so tief unten erwartet. Doch der Club tat diesmal alles, um dort unten raus zu kommen. Er hat bis zur 41. Minute auch alles richtig gemacht. Mutig und druckvoll das Heil in der Offensive gesucht. Oft aufs Tor geschossen und die Arminen weg vom eigenen Tor gehalten. Nur die eigene Chancenverwertung ist gewohnt mau. Schon komisch: Der Club hat in der gesamten 2. Liga am häufigsten aufs Tor geschossen, doch die Trefferquote ist leider ein schlechter Witz. So bist du dann eben nur das Schlusslicht in der Tabelle. Doch in der besagten 41. Minute dann die Möglichkeit, endlich in Führung zu gehen – berechtigter Elfer fürn FCN!

Was danach passierte, war jedoch ein weiterer Sargnagel ins rot-schwarze Nervenkostüm …

Jag den Burgi …

Die Ausführung des Strafstoßes spottete jeder Beschreibung. Burgi schoss nicht, sondern er schob! Aber nicht gezielt wuchtig in eine Ecke, sondern als Kullerball genau in die MITTE. Bielefelds Torwart Hesl, ein Ex-Fürther, der uns schon oft mit Glanzparaden zur Verzweiflung getrieben hat, musste sich nicht einmal groß bewegen! Er blieb stehen und wurde angerollert. Der Ball prallte von seinem Fuß ab, aber auch die Nachschussmöglichkeit wurde aufs Kläglichste versiebt. Du kannst einen Elfmeter verschießen, keine Frage. Aber doch nicht SO!

Zitat von Burgi gegenüber den Nürnberger Nachrichten zum verschossenen Elfmeter: „Ich hab mir gedacht: Was soll’s, scheiß drauf, weiter geht’s!“

Mir schwoll der Kamm noch mehr, als sich fast im Gegenzug die alte Fußballweisheit bewahrheitete: „Wenn du vorne net triffst, dann fängst du dir eben hinten eins.“ So wars dann auch. Bielefeld trifft aus dem Nichts per Kopf zum 1:0. War ich bedient!

Und Burgi? Mein wütender Gedanke war: „Denn Burgi sollten wir zur Strafe für diesen dilettantisch versemmelten Elfer naggerd übern Plärrer jagen!“

Trag den Burgi …

In der Halbzeit saß ich konsterniert aufm Sofa. Im Netz kursierten schon die Sprüche: „Gleich laufen die letzten 45 Minuten vom Trainer Schwartz!“ Es war alles angerichtet, dass der Club den üblichen Deppen bis zur Perfektion abliefert. Aber der Club machte diesmal das positiv Unerwartete und drehte das Spiel. Er machte einfach dort weiter, wo er vor der Pause aufgehört hatte: Moral beweisen, weiter mit Attacke stürmen und aufs Tor ballern. Nur mit einem Unterschied: Die Chancen wurden plötzlich genutzt und die Trotzreaktion mit einem „Jetzt-erst-Recht“ wurde belohnt. Hauptdarsteller war wieder Burgstaller, der mit einem Doppelpack den Spieß umdrehte.

Erst hämmerte er zum Ausgleich in der 52. Minute volley links oben ins Eck und dann lenkte er in der 81. Minute volley aus vier Metern das Leder unter die Latte. Die verdiente Führung für den Ruhmreichen. Spiel gedreht! Den Gnadenstoß setzte Mittelstürmer Matavz mit dem 3:1 fünf Minuten vor Schluss: Der behielt bei einem Konter die Ruhe, tanzte am Strafraum einen Arminen aus und schlenzte überlegt unten ins lange Eck. Damit waren für mich die letzten Zweifel beseitigt! Der Club wird seinen ersten Sieg einfahren. Mein erleichterter Jubel dürfte noch jetzt in der halben Nachbarschaft nachhallen.

Und Burgi? Torgefährlich, unermüdlicher Einsatz, kampfstark, auch nach hinten ackernd – unser Kärntner-Stier zeigte seine alten Tugenden! Dafür hätte er es doch verdient, dass man ihn auf Schultern übern den Plärrer trägt. Tja, so verrückt und schnelllebig ist nur der Fußball …

Befreit nachlegen

Doch der Sieg war nicht nur überfällig, sondern absolut verdient: Der FCN zeigte alle Grundtugenden aus der Vorsaison und gewann erstmals in dieser Saison mit 56 Prozent mehr Zweikämpfe als der Gegner. 60 Prozent Ballbesitz und selbst die Pass-Statistik lesen sich prächtig: Von den 359 gespielten Pässen fanden 77 Prozent den richtigen Rot-Schwarzen. Besonders die haarsträubenden Fehlpässe waren in den bisherigen Partien symptomatisch im Spiel des Altmeisters.

Diesmal wusste der Club sogar etwas mit dem Ball anzufangen. 21 zu 12 Torabschlüsse mit 9:3 richtigen Chancen sprechen eine deutliche Sprache. Doch das Allerwichtigste ist das Endergebnis mit 3:1 für den Ruhmreichen!

Zumindest diese Woche wird am Valznerweiher etwas Ruhe einkehren. Jetzt kann das Trainergespann einmal entspannt arbeiten und das Team auf das schwere Heimspiel am Freitag vorbereiten. Auch wenn es gegen unseren erklärten Lieblingsgegner Union Berlin geht – ein Selbstläufer wird das nicht werden. Jetzt bitte befreit durchatmen, akribisch weiterarbeiten und konzentriert nachlegen. Noch ist nicht viel erreicht und tabellarisch noch sehr viel Luft nach oben.

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Ein Kommentar zu “Naggerd übern Plärrer

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