Ein Kommentar

Dutzendweise Ausrutscher


31. Oktober 2016 – 11. Spieltag:

Ein Abseitstor, ein nicht gegebener Handelfer und Trainer-Zwist nach Spielende: Das Clubgastpiel am Millerntor sorgte für mehrere Ausrutscher – woran nicht nur die falschen Stollen Schuld waren.

Der Aufreger des Spiels war ein Handspiel. Burgi wühlt sich über die linke Seite in den Strafraum. Er legt sich den Ball halbhoch vorbei und der Arm des Hamburger Verteidigers geht zum Ball. Ein klarer Elfmeter – zumindest sollte man das meinen.

handspiel_st-pauliDoch der Schiri hat es nicht gesehen. An dieser Szene erhitzten sich die Gemüter: Burgi schüttelt ungläubig entgeistert den Kopf. Trainer Schwartz diskutiert energisch mit dem Schiedsrichter. Eigentlich hat es jeder im Stadion und an den zigtausenden TV-Bildschirmen gesehen. Nur der Schiri Osmers und sein Gespann leider nicht! Im Nachgang beim Betrachten der Fernsehbilder und Zeitlupen hat er seinen Fehler erkannt und sich dann wenigstens für seine Fehlentscheidung entschuldigt.

Spott vom Zettel-Choleriker

Doch St. Paulis Zettel-Ewald hat eine ganz andere Sichtweise! Anstatt einfach zu sagen „Ja, es wäre ein berechtigter Strafstoß gewesen. Und wir sind froh, dass es der Schiedsrichter nicht gesehen hat“, macht er sich über den Protest und Ärger von Schwartz lustig.

Vor laufenden Sky-Kameras gestand er zunächst: „Es sieht nach einer kleinen Bewegung mit der Hand zum Ball aus.“ Dann aber zürnte der Coach: „Wir hätten drei, vier Spiele gewonnen, wenn wir die Elfmeter gekriegt hätten, die uns zugestanden hätten.“ Als Lienen gebeten wurde, sich explizit zu dieser Szene zu positionieren, polterte er weiter: „Kommen Sie mir nicht mit so einer lächerlichen Szene. Sich darüber aufzuregen, da lache ich mich tot. Es ist Existenzkampf, da können sich die Nürnberger gerne aufregen.“

Auch wenn St. Pauli im Abstiegskampf steckt, kann er sich diese blöden Sprüche sparen. Denn Fehlentscheidungen aus früheren Spielen gegen seine Mannschaft sind ja wohl keine Rechtfertigungen, wenn es einen glasklaren Elfer für den Gegner nicht gibt. Das Regelwerk gilt nun mal für alle! Da hat er sich mehr als verzettelt, der Herr Übertrainer. Ich möchte mir gar nicht ausmalen, wie cholerisch er abgegangen wäre, wenn sein Team gestern so einen Strafstoß nicht bekommen hätte. Bestimmt hätte er den Wüterich gegeben und von krasser Benachteiligung gefaselt!

Also: Ein bisschen mehr Demut und fairer Sportsgeist wären angebracht gewesen. Übungsleiter Lienen hat wohl nicht mehr alle Lorbeeren im Kranz. Oder wie ein Sprichwort in Franken besagt: „Der war scho als Kind a Depp!“

Abseitstor und Ausrutschorgie

Leider war das nicht der einzige Aufreger. Schon nach fünf Minuten fängt sich der Club ein Abseitstor mit dem Hauch einer Slapstickeinlage: Eine knappe Abseitsstellung, die übersehen wird. Danach Kuddelmuddel im Strafraum, zwei Cluberer behindern sich gegenseitig und servieren den Ball fünf Meter vor dem Tor nem Hamburger. Auch Kirschbaum rutscht halb aus und liegt schon am Boden, sodass das Leder nur noch halbhoch im Tor versenkt werden muss. 0:1 Rückstand. Kein guter Auftakt am Millerntor.

Doch wenigstens lässt sich der Club davon nicht groß beeindrucken. Kämpft sich danach ins Spiel zurück. Bereits in der 20. Minute der Ausgleich durch Burgstaller – wen auch sonst. Auch weiterhin der Club spielbestimmend, mit Druck und guten Chancen.

Ansonsten fielen mir die vielen Ausrutscher und unfreiwilligen Straucheleinlagen auf: Der Club ist dutzendfach weggerutscht, was immer wieder für Unruhe und Gefahr sorgte für die Hintermannschaft sorgte. Hätte man nicht zumindest andere Stollen in der Halbzeit aufziehen können?

Intensives Unentschieden

Ansonsten war das Spiel sehr intensiv und mit viel Herz und Kampf, aber es war auch sehr viel Krampf dabei! Sehr viele Unzulänglichkeiten und unnötige Ballverluste. Schön anzusehen war es nur bedingt – es lebte von der enormen Spannung. Hätte der Altmeister in der ersten Hälfte führen müssen, war Pauli nach der Pause besser. Hatte einige gute Einschussmöglichkeiten, doch Kirschbaum reagierte wieder einmal glänzend mit prima Paraden.

Besonders die Stimmung war einzigartig und laut: 2.600 Club-Fans waren zum Gastspiel an den Kiez mitgereist und feuerten den FCN gewohnt lautstark an. Doch St. Paulis Fangemeinde machte am ausverkauften Millerntor noch mehr Rabbatz. Das war 90 Minuten lang ein echt stimmungsvoller Klangteppich.

Am Schluss bleibt es beim 1:1. Ein in Summe gerechtes Ergebnis, wenn man vom schon erwähnten nichtgegebenen Strafstoß absieht. Damit ist die Siegesserie vom Club gerissen – ausgerechnet beim Tabellenletzten, werden viele sagen. Doch ich glaube, dass St. Pauli nicht das typische Schlusslicht ist. Am Millerntor hängen die Trauben für Auswärtsmannschaften erfahrungsgemäß hoch. Sie werden ihre Punkte holen und mit dem Abstieg nichts zu tun haben.

Also kein Grund für größere Enttäuschung auf Seiten der Rot-Schwarzen. Klar, mit mehr Vehemenz und Mut bei der Auswechslung wäre insgesamt bestimmt mehr drin gewesen, aber manchmal muss man mit nem Unentschieden auch mal zufrieden sein. Also nicht wieder gleich hyperventilieren, auch wenn die Verletztenliste beim Club noch länger geworden ist und Grund dafür bietet: Stürmer Tim Matavz hat sich einen Anriss der Syndesmose im rechten Sprunggelenk zugezogen und fällt mehrere Wochen aus. Diese Sorgenfalten sind berechtigt. Aber auch dafür wird der Club eine Lösung finden.

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