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Burgi und die Tor-Fabrik


19. Dezember 2016 – 17. Spieltag:

Mit dem Last-Minute-Sieg gegen Lautern gelingt dem Club ein versöhnlicher Jahresausklang. Zugleich stellt er einen Torrekord auf, an den wohl lange keiner rankommen wird. War Burgis Siegtreffer das Abschiedsgeschenk für Fans und Verein?

Es war arschkalt an diesem Montagabend. Bei frostigen Minusgraden bleiben vernünftige Fans eigentlich daheim aufm Sofa und schauen sich das Spiel im Fernsehen an. Nur Verrückte gehen bei dieser Witterung freiwillig ins Stadion – ich bin einer davon. Auch Gastblogger Thorsten Winter aus meiner Twitter-Community, ein FCN-Mitglied aus Hessen, folgte dem Lockruf des Ruhmreichen: So nutzten wir die Gelegenheit zu einem Umtrunk und Plauderei vor dem Spiel.

Aber Club-Fans sind es prinzipiell gewohnt, dass es für sie keine Fußball-Komfortzone gibt. 24.500 Unerschütterliche sahen es genauso und machten sich warme Gedanken beim Treffen der Traditionsteams FCN gegen FCK.

Tausendfach legale Pyro

Warme Gedanken waren auch nötig, denn warm ums Herz wurde es einem nicht von dem Geschehen auf dem Rasen. Die einzig zündenden Ideen hatte der Stimmungsblock in der Nordkurve. Aber diesmal alles ganz legal: Zigtausend Wunderkerzen versprühten weihnachtliche Stimmung vor Spielbeginn. Garniert mit dem Banner: „Unsere Leidenschaft ist ihnen rätselhaft.“ Das dürften sich viele Clubberer gefragt, warum sie diesen Abend im Achteck verbringen.

img_1357_bearbeitetSo verstrich eine ereignisarme und verkrampfte erste Halbzeit. Einziger Aufreger war das nicht gegebene Tor von Dave „The Machine“, das er eigentlich regulär erzielt hat. Als anscheinend ausgleichende Gerechtigkeit wurde ein elfmeterreifes Handspiel von ihm nicht geahndet.

Doch in der zweiten Hälfte kam plötzlich Feuer in die Partie: Nach einem Eckball von links in der 51. Minute verscheuchte Behrens seinen Torfluch und erzielte mit wuchtigem Kopfball ins kurze Eck sein lang ersehntes erstes Saisontor. Das Lautererer Abwehrbollwerk war geknackt. Wieder musste es eine Standardsituation richten – in dieser Disziplin ist der Club schon seit vielen Spielen Spitze in der Liga.

img_1362_bearbeitetTorrekord eingestellt

Einen weiteren Spitzenwert nimmt der Ruhmreiche in punkto Toreschießen ein: Zum 38. Mal in Folge erzielte der Club in einem Zweitliga-Spiel mindestens einen Treffer und hat damit den Rekord von Wattenscheid 09 aus den Jahren 1987 und 1988 eingestellt. Die letzte Partie ohne Club-Tor datiert vom November 2015 beim 0:0 im Heimspiel gegen Karlsruhe. Es geschehen noch Zeichen und Wunder, dass der FCN mal ausnahmsweise einen Rekord aufstellt, über den sich der Fan auch wirklich freuen kann.

Aber unser Club offenbart schon seit geraumer Zeit auch sein anderes Gesicht: Er ist nämlich hinten nicht ganz dicht! Er trifft zwar wie am Fließband, doch genauso empfänglich ist er für Gegentore. Alleine in dieser Saison hat der Altmeister schon 30 Mal eingenetzt, doch gleichzeitig schon 29 Mal die Kugel aus dem eigenen Netz klauben müssen. Konnte man letzte Saison noch auf unsere vielen Torwartfehler schimpfen, liegt es heuer daran bestimmt nicht. Im Gegenteil! Keeper Kirschbaum hat eine tolle Hinrunde gespielt und ist für mich derzeit der beste Torhüter der 2. Liga – paradoxerweise trotz der vielen Gegentore.

Auch wenn der Ausgleichstreffer in der 78. Minute nicht unhaltbar erschien, war es zumindest kein grober Patzer von Kirschbaum. Er hatte beim Kopfball-Aufsetzer noch die Finger dran, konnte den Ball aber nicht mehr um den Pfosten lenken. Und irgendwie musste ja selbst der FCK zu seinem ersten Saisontor nach einer Standardsituation kommen. So gut deren Abwehr mit nur 13 kassierten Gegentoren steht, so harmlos agieren die Betzebuben in der Offensive. Beim Club ist es genau andersrum.

Burgis Knaller zum Abschied?

Überraschenderweise spielten beide Teams nach dem Ausgleich weiter nach vorne und wollten im letzten Spiel des Jahres noch den Siegtreffer. Auch wenn ich nicht mehr damit rechnete, war die Hoffnung auf den Lucky-Punch insgeheim da. Und als ich mich in der 90 Minute schon mit dem eigentlich verdienten Unentschieden arrangiert hatte, ließ Burgi nochmal das rot-schwarze Achteck erbeben.

img_1380_bearbeitetEr wird im Sechzehner von Gislasson fein angespielt. Ein Haken und Burgi zieht aus 13 Metern halbrechter Position schnell ab. Lauterns-Keeper rutscht das Leder unter den Händen durch ins lange Eck. Die Pille landet in den Maschen zum glücklichen 2:1 Sieg für den FCN! Ausgelassener Jubel und Serienumarmungen mit mir mittendrin. Späte Siegtore sind einfach unbeschreiblich geil. Nach zuvor sieben ungeschlagenen Spielen verliert Lautern erstmalig wieder eine Partie.

img_1367_bearbeitetEs war bereits Burgis 14. Saisontreffer, der damit weiterhin der Top-Torjäger der 2. Liga bleibt. Direkt danach wird er ausgewechselt und kommt so in den Genuss einer warmen Beifallsdusche des rot-schwarzen Publikums. Bin gespannt, ob dieses Tor sein Abschiedsgeschenk für den Club war? Die Zeichen deuten in Richtung Abschied unseres treffsicheren Österreichers. Ich schwanke noch: Burgi jetzt verkaufen, solange wir noch eine Ablösesumme für ihn bekommen? Oder mit ihm in die Rückrunde gehen und darauf hoffen, dass uns seine weiteren Tore eventuell doch noch zum Aufstieg ballern? Ich bin gespannt, wie es weitergeht und welche Bundesligisten ihn verpflichten wollen. Wie wird es mit der Club-Torfabrik weitergehen, wenn plötzlich das Fließband nicht mehr da sein sollte?

Vage Aussichten

FCN-Coach Schwartz findet zu den Aussichten beim Club in 2017 nur vage Worte: „Es ist schwer zu sagen, was in der Rückrunde geht und was nicht. Gewinnst du zwei Mal hintereinander, bist du plötzlich oben wieder mit dabei. Verlierst du zwei Mal, steckst du wieder im Niemandsland der Tabelle.“ Zumindest hat er erkannt, woran noch intensiv gearbeitet werden muss: „Wir haben wieder zwei Tore gemacht, insgesamt 30. Das ist top. Aber 29 Gegentore, da braucht man nicht diskutieren, das ist nicht gut. Wir müssen hinten stabiler werden. Die Balance zwischen Angriff und Abwehr muss besser werden.“

Auf jeden Fall steht der Altmeister nach dem siegreichen Vorrundenabschluss im Heimspiel gegen Lautern auf Platz neun im Mittelfeld der Tabelle. Das ist zwar ein versöhnlicher Jahresausklang, aber wie es in der Rückrunde 2017 weitergeht, ist ziemlich ungewiss. Das Team hat zwar einen guten Charakter, leistet sich aber auch viel zu viele Aussetzer, die höheren Zielen im Wege stehen. Solange die nicht minimiert werden, wird es sehr schwer, erfolgreich zu sein.

tabelle_hinrunde-2016

Aber jetzt genießen wir erstmal die wohlverdiente Winterpause – hoffentlich wird es eine friedliche Zeit für uns alle. Freud und Leid liegen dicht beieinander. Fußball bedeutet uns Fans zwar sehr viel, aber es ist beileibe nicht alles, was im Leben zählt.

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2 Kommentare zu “Burgi und die Tor-Fabrik

  1. […] Burgi und die Tor-Fabrik […]

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  2. Guter Bericht mit treffendem Ausblick. Ohne den Burgknaller zum Schluss wäre es kein erwärmender Abend gewesen. Nach dem 1:0, vor allem nach der Auswechselung von Möhwald kickte der Glubb wie ein Auswärtsteam – bevor die Elf von Schwartz die letzten Minuten den Lauterern wie geboten die Stirn bot und einen Sieg des Willens errang. Nun ist Platz 3 wieder möglich, neue Serie vorausgesetzt. Dafür muss das Team aber gegen die SGD, den FCH und die Partien danach von Anfang an wach sein und durchspielen. Dafür muss der Dräna das wachsweiche Sowohl-als-auch-Gerede sein lassen und Selbstwusstsein ausstrahlen: Wir sind der Club, wir wollen gewinnen, Punkt. Dafür braucht es vor allem hinten links mehr Stabilität, auch DB4 muss besser werden. Und die Abhängigkeit von Möhwald und Burgstaller ist im Kern bedenklich.

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