Ein Kommentar

Schmerzhafter Sonntagsschuss


26. Februar 2017 – 22. Spieltag:

Erfolglos hat der Club seine grandiose Heimserie gegen Angstgegner Bochum ausgebaut. Mittelmaß und Zuschauerschwund lassen uns jetzt definitiv nicht mehr los. Stimmung im Keller und Derbyvorfreude schier unermesslich.

Es war ein herrliches Vorfrühlingserwachen. Sonne pur und 10 Grad – wie geschaffen für einen sonntäglichen Stadionbesuch. Schade, dass auch Fußball gespielt wurde. Zu Gast war der VfL Bochum, der sich erneut als Spaßbremse erwiesen hat. Mit 0:1 ging die Partie verloren und der Altmeister ist bereits seit zehn Zweitligaspielen sieglos gegen die graue Maus ausm Pott. Inzwischen ist Bochum ein richtiger Angstgegner, obwohl sie durch ihre Spielweise wahrlich keine Angst und Schrecken verbreitet haben!

Kein Spektakel wie im Hinspiel

Noch im Hinspiel gab es ein Torfestival mit neun Toren. Durchaus Ähnliches war zu erwarten, wenn der FCN mit gutem Sturm und miserabler Abwehr auf eines der schwächsten Auswärtsteams trifft. Und Bochum war auch an diesem Sonntag eigentlich kaum an Harmlosigkeit zu übertreffen: Kein vernünftiger Spielaufbau, kaum Präzision und viele Fehlpässe sowie haarsträubende Ballverluste rund um den eigenen Sechzehner. Das sind die üblichen Attribute, die man sonst vom Altmeister zur Genüge kennt.

Bochum hatte in der ganzen Partie zwei vernünftig vorgetragene Angriffe. Der erste lief über die rechte Seite mit einer Hereingabe von der Torauslinie in den Rücken der Club-Abwehr. Der sehenswerten Seitfallzieher klatschte an den rechten Pfosten. Der zweite Angriff wenige Minuten später dann genau nach dem gleichen Strickmuster. Doch diesmal war es ein brachialer Sonntagsschuss aus zwölf Metern, der in der rechten Gambel einschlug! 0:1 in der 35. Spielminute – der Club lag wieder einmal in einem Heimspiel zurück.

Zufallsprodukte ohne Happy Ending

Der Club war gefordert und Bochum igelte sich hinten ein. Auch wenn das Team zwar besser spielte als letzten Montag bei den Sechzigern, ansehnlich und berauschend war das wahrlich nicht. Viele Schüsse oder Halbchancen, die eher zufällig zustande kamen. Eigentlich egal, solange man zwei oder drei Stück davon reinmacht. Aber an diesem Nachmittag war die Chancenverwertung zu fahrig und ungenau – zudem hielt Bochums guter Keeper, was auf sein Tor kam. Noch mehr Schüsse gingen drüber oder vorbei.

Gleichzeitig fiel dem Club nix Besseres ein, als immer wieder hoch in die Spitze zu spielen, anstatt mit Flachpässen die Stürmer steil zu schicken. Da wirst du als Fan beim Zuschauen fast WAHNSINNIG! Auch wenn Engagement und Kampfgeist zwar tadellos waren, war das planlos uninspirierte Anrennen letztlich doch zu wenig. So verlierst du am Schluss unverdient gegen einen harmlos biederen Gegner und fängst dir bei nem Konter auch fast noch das 0:2. Aber irgendwie muss ja auch die graue Maus zu ihrem zweiten Auswärtssieg kommen. Der Ruhmreiche leistet hier wie gewohnt gerne Aufbauhilfe. So ein Spiel darfst du nie und nimmer verlieren, aber der Sonntagsschuss hat für ein tödliches Ergebnis ausgereicht. So angefressen war ich zuletzt bei der Heimniederlage gegen Sandhausen.

Nachvollziehbarer Zuschauerschwund

Machen wir uns nix vor. Spätestens jetzt wird der Club im Mittelmaß gefangen bleiben. Schon zum x-ten Mal wurde die Chance vertan, mit einem Sieg ans obere Tabellendrittel ranzuschnuppern. Aber nur um es klarzustellen: Damit meine ich nicht die ersten vier Plätze! Hier haben wir nix verloren und punktemäßig sind diese schon meilenweit entfernt.

tabelle_speltag-22_2017Aber mit diesem guten Kader und Etat muss es doch ein realistisches Ziel sein, Platz 5 oder 6 zu erreichen! Das ist einerseits wichtig, um dem verständlichen Anspruchsdenken von Umfeld und Fans gerecht zu werden und andererseits essentiell für den Verein, um im Ranking bei den TV-Geldern nicht abzurutschen. Hier droht, dass Braunschweig und Union Berlin an uns vorbeiziehen. Laut Bild-Zeitung ein Verlust von geschätzten 1,2 Mio. Euro an Fernsehgeldern. Geld, das dem FCN nächste Saison schmerzlich in der Kasse fehlen wird.

Zudem wird es auch mit den Zuschauerzahlen weiter nach unten gehen. 25.700 Fans waren gegen Bochum dabei. Auch hier sollten wir uns nix vormachen: Das wird weiter nach unten gehen. Klar liebe ich als Dauerkartenbesitzer den regelmäßigen Stadionbesuch. Doch wenn außer Stadionflair und frischer Luft nichts Positiveres geboten wird, fällt die Attraktivität eines Clubspiels doch deutlich ab.

Gruselige Heimbilanz

Mit schlechten Ergebnissen und wenig berauschenden Auftritten in Heimspielen lockt der FCN auch nicht zwingend neue Fans ins Stadion. Kar, wir 20.000 treudoofen Dauerkartenbesitzer haben bezahlt und sind fast immer da, aber die restlichen 30.000 Plätze im Stadion bleiben zunehmend leer. Ein Anblick, der schmerzt, aber auch der leeren Vereinskasse wehtut. Ich befürchte, dieser Trend wird nicht so einfach umzukehren sein, sondern sich eher noch verschlimmern.

Tausende Schals werden hochgehalten, wenn "Die Legende" erklingt - doch sie versinkt immer mehr im Mittelmaß.

Tausende Schals werden hochgehalten, wenn „Die Legende“ erklingt – doch sie versinkt immer mehr im Mittelmaß.

Denn zu gruselig liest sich die momentane Heimbilanz von 3 Siegen, 3 Unentschieden und 5 Niederlagen! Vor allem weil es Heimniederlagen waren, die allesamt hätten verhindert werden können. Keiner der Gegner – München, Fürth, Sandhausen, Dresden und Bochum – hat uns an die Wand gespielt. Jeweils einfache Gegentore haben jedoch ausgereicht, um dem Club den Schneid abzukaufen und sich dann mit Kampf und biederer Ergebnisverwaltung den Auswärtssieg zu sichern. Das ist viel zu einfach! Das nervt den Club-Fan unermesslich. Mich frustrierts auf jeden Fall. Spaßfaktor gleich NULL! So ist die Saison gefühlt bereits Ende Februar gelaufen.

Hingabe nur im Fanshop

Genau zur richtigen Zeit steht jetzt natürlich das Frankenderby beim geliebten Nachbarn in der Westvorstadt an. Ich erahne bereits, wie es ausgeht: Der Club fängt sich ein saublödes Gegentor nach 17 Minuten. Rennt dann engagiert, aber verkrampft erfolglos gegen den Rückstand an. In der 72. Minute gibt’s dann nen Konter zum 0:2 und der Rest sind der schon übliche Hohn und Spott für den FCN-Derbydeppen. Darauf kann ich verzichten! Aber ich lasse mich natürlich gerne vom Gegenteil überzeugen, nur leider fehlt mir gerade der Glaube an den Ruhmreichen und den Derbysieg.

Wie wäre es, wenn wir stattdessen lieber eine mehrwöchige Länderspielpause einschieben könnten – so bis Ende Mai?

Oder zumindest dass unser rot-schwarzes Team die gleiche Hingabe auf dem Platz vorlebt, wie die Mitarbeiter im FCN-Fanshop am Stadion! Die wurden gestern auch nach dem verlorenen Heimspiel nicht müde, alles für die Fans zu geben, obwohl der Fahnshop eigentlich schon längst geschlossen hatte. So bekam ich beim Stöbern im Fanshop mit, dass eine Mitarbeiterin trotz Sonderwünschen noch das neue Torwarttrikot eines Jungen beflockt hat. Den Vater des Steppkes hörte ich sagen: „Es soll doch ein Geburtstagsgeschenk sein. Wäre klasse, wenn wir das heut noch mitnehmen könnten.“ Als ich in die glücklich funkelnden Augen des Jungen blickte, als ihm das fertige Torwarttrikot über den Tresen gereicht wurde, war ich mir sicher: Er wird trotz Niederlage bestimmt wieder zum Club kommen. Auch so funktioniert Fanbindung – ein wichtiges Gut in der trostlosen Zweitligazeit, die wohl noch viele Jahre anhalten wird.

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Ein Kommentar zu “Schmerzhafter Sonntagsschuss

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