Ein Kommentar

Schluss mit Mimimi-Mehltau


12. März 2017 – 24. Spieltag:

Emotionsreiche Woche beim Club: Erhoffter Trainerwechsel, neues Feuer im Training, überraschende Torwartrochade, unerwarteter Tod und endlich ein Heimsieg zu NULL.

Wie aus Trauer mutmachender Applaus werden kann, wurde schon vor Spielbeginn demonstriert: Völlig unerwartet verstarb am Samstag Heino Hassler. Das Fan-Urgestein und Mitarbeiter des Nürnberger Fanprojekts starb im Alter von nur 61 Jahren nach kurzer, aber schwerer Krankheit. Heino Hassler begleitete den Club jahrzehntelang bei Heim- und Auswärtsspielen, als aktiver Fan genauso wie auch in seiner Funktion beim Fanprojekt Nürnberg. Dort war er seit 1989 als pädagogischer Mitarbeiter der Dreh- und Angelpunkt für Einzelfallhilfe, Beratung, Öffentlichkeitsarbeit sowie Informationsveranstaltungen für Fangruppen. Ein Kind der Nordkurve, das eigentlich fast jeder Cluberer zumindest vom Hörensagen kannte.Eine sehr schöne Geste, dass der Club ihn vor dem Spiel mit einer Gedenkminute ehrte. Aber es war nicht die übliche Schweigeminute der Trauer, sondern eine Minute voller Applaus, so wie Heino es sich wohl gewünscht hätte. Gänsehaut und bereits ein hochemotionaler Moment vor dem Spiel.

Endlich breite Brust

Es war überhaupt eine emotionsreiche Woche am Valznerweiher: Viele hatten darauf gehofft und es wurde war – der Trainerwechsel. Am letzten Dienstag verkündete Sportvorstand Bornemann, dass Schwartz ab sofort nicht mehr Club-Trainer ist und stattdessen Michael Köllner bis auf Weiteres übernimmt.

Der 47-jährige Köllner, bislang Leiter des NLZ und Cheftrainer der U21, ist seit März 2016 beim FCN. Zuvor war der gebürtige Oberpfälzer als Inhaber der Fußballlehrer-Lizenz im Jugendbereich bei den Fürthern tätig und von 2002 bis 2014 als DFB-Koordinator für die Talentförderung in Bayern zuständig. Ein sehr lesenswertes Porträt über Michael Köllner hat Redakteur Florian Zenger von Clubfans United geschrieben.

Somit war eine wichtige Personalie geklärt und der Weg frei für den Stimmungsumschwung: Endlich weg vom verzagten Schwartz-Jammern über Spielerabgänge, Verletzungspech und eine indisponierte Elf hin zu neuem Feuer und Vertrauen in die Stärken des vorhandenen Kaders. Klare Worte, Mut machen, Zuversicht versprühen. Keine Überheblichkeit, aber endlich wieder breite Brust! Plötzlich war er weg der Mimimi-Mehltau, der sich seit Monaten über Verein und Fans gelegt hat und dem eh schon spärlichen fränkischen Optimismus den letzten Funken Fußballfreude ausgesaugt hat. Auch wenn Köllner natürlich kein Wunderheiler sein kann, der allein durch gutes Zureden Kantersiege garantiert, war bei mir die Zuversicht enorm. Und ich hatte so richtig Bock auf mehr und freute (!) mich auf das Spiel gegen Tabellenschlusslicht Bielefeld. Wir Cluberer ham scho an Patscher …

Schäfer sprintet wieder

Neben mir haben noch knapp 24.500 Unentwegte den Weg ins Stadion gefunden. Zur Überraschung fand auch Schäfer den Weg aufs Spielfeld. „Hoppla, jetzt krempelt der neue Coach den Kader aber ganz schön um“, dachte ich mir. Aber schon kurz danach stellte sich heraus, dass die überraschende Torwart-Rochade auf der kurzfristig zugezogenen Bauchmuskelzerrung von Kirschbaum basierte. Auf jeden Fall war unser Heißsporn zurück – so als wäre er nie weg gewesen.

Und dass die „Torwart-Mumie“, als solche bezeichnete er sich selber nach dem Spiel in der Medien-Mixed-Zone, noch flott unterwegs sein kann, bewies er in der 20. Minute: Der Bielefelder Behrendt grätschte als letzter Mann Möhwald um, der allein aufs Tor gelaufen wäre. Doch statt Rot für diese Notbremse gabs nur den gelben Karton – eine krasse Fehlentscheidung mit anschließender Rudelbildung. Wer darf bei sowas natürlich nicht fehlen? Richtig, unser Schäfer! Er sprintete über den halben Platz, stürzte sich mit seinem giftig-orange leuchtenden Torwartsweater gut sichtbar ins Getümmel. Diskutierte und forderte energisch den Platzverweis. Doch der 4. Offizielle ließ sich davon nicht beirren. Ich fands herrlich! Wegen sowas vergöttere ich den Schäfer. Dieser brodelnde Vulkan auf dem Platz, der seine Mitspieler aus der Lethargie reißen kann, wird uns nach seinem Karriereende dann in der nächsten Saison fehlen.

Aber glücklicherweise hat der Club diesmal keinen Schäfer als Extra-Motivator gebraucht, denn alle waren von Beginn an heiß und bissig: Das Feuer und die Struktur aus der Trainingswoche haben sie problemlos ins Spiel mitgenommen. Der Club hatte in der ersten Halbzeit Bielefeld komplett im Griff. Stand gut geordnet, zeigte einen vernünftigen Spielaufbau mit flüssigen Flachpass-Kombinationen und kam zu einigen gut herausgespielten Chancen. Die Führung war längst überfällig und zum Glück bescherte Petrak sich und uns ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk. Nach quirliger Vorarbeit von Salli schoss Petrak hart und platziert ins rechte untere Eck. Endlich das 1:0 – erlösend wie verdient zugleich. So war die Negativserie von drei Spielen ohne eigens Tor beendet.

Verdienter Zittersieg

Der erste Durchgang sah wie richtiger Fußball aus und hat mir sehr gut gefallen. Nach der Pause hat dann die Arminia sich auch am Spiel beteiligt und versucht, den Ausgleich zu erzielen. Der Altmeister ließ sich immer mehr hinten reindrängen und es kam zu drei gefährlichen Situationen. Diese wurden mit Schäfer und vereinten Kräften gemeistert, doch mit der dünnen Führung zitterst du eben bis zum Schluss! Auch wenn der Club seine spielerische Linie dann verloren hat und wieder zum Stilmittel der hohen und weiten Bälle greifen musste, war es doch eine souveräne Vorstellung.

Die Einstellung engagiert und tadellos. Der Sieg war verdient und endlich auch mal wieder ein Heimsieg ohne Gegentor. Das hat bei sonnigem Frühlingswetter Spaß gemacht und die Stimmung war richtig gut im Achteck. Ein Hauch von „FCN – Liebe, Glaube, Leidenschaft“ wehte am Ende durchs Stadion. Heimsiege sind schön. Heino Hassler hätte sich auch gefreut.

Mit diesem Dreier hat der Ruhmreiche nun 32 Zähler auf dem Punktekonto und beruhigende zehn Punkte Distanz zur Abstiegszone. Jetzt lautet die Devise: So weitermachen und mit Mut und breiter Brust in die nächsten Partien gehen, um weiter zu punkten. Ziel sollte nachwievor ein vernünftiger einstelliger Tabellenplatz und die „Fränkische Meisterschaft“ sein. Die Nummer 1 in Franken kann man nämlich auch ohne Derbysiege sein – zum Glück …

Aber jetzt fahren wir erstmal zum Lieblingsgegner Union Berlin. Sechs Siege und ein Unentschieden lautet unsere überragende Bilanz. Damit ist der Ruhmreiche quasi der Angstgegner der Eisernen. Angstgegner. WIR. Das ich sowas noch erleben darf. Bin gespannt, wer nächsten Montagabend am meisten zittert.

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