2 Kommentare

Nervenkitzel für Fortgeschrittene


15. April 2017 – 29. Spieltag:

In einem packenden Sechs-Punkte-Spiel zeigt der Club große Leidenschaft. Trotz Unterzahl gelingt sogar noch der Sieg gegen Aue. Nach dieser Energieleistung haben sich aufkeimende Abstiegssorgen scheinbar erledigt.

Es war eine Woche voller nervöser Rechenspielchen. Die Ergebnisse des vorangegangenen Spieltages sorgen dafür, dass zwischen dem 7. und 17. Platz gerade einmal sechs Punkte Abstand liegen. Unvermittelt brach der kollektive Kampf um den Klassenerhalt aus. Mittendrin natürlich der Ruhmreiche – trotz scheinbar komfortablen achten Platz. Doch die Verletzungsmisere gepaart mit miserabler Torausbeute und Ergebniskrise sorgten schlagartig für noch größere Verunsicherung im sowieso schon fränkisch nervösen Umfeld.

Die Anspannung vor dem Gastspiel der Erzgebirgler aus Aue war also deutlich zu spüren, schließlich hatten die den Trend gerade auf ihrer Seite mit 13 Punkten aus fünf Spielen: Zudem waren die Veilchen heiß darauf, in diesem Sechs-Punkte-Spiel ihren ersten Sieg gegen den Club einzufahren und hatten 4.000 Fans als Verstärkung im Schlepptau.

Kempe der Stimmungskiller

Aufgrund der wirksamen Blocksperre des 7er und 911ers und dem selbstauferlegten Stimmungsboykotts der Ultras fand wie schon gegen St. Pauli keine organsierte Anfeuerung der Mannschaft statt. So waren bis zur 24. Minute nur die Aue-Fans lautstark im Achteck zu hören. Die Südkurve als Stimmungszentrum – ein unerfreulicher Zustand in so einem wichtigen Heimspiel. Sie haben das Vakuum vielfältig genutzt.

Danke an Steffen@2_Steffen für das Foto

Doch in dieser 24. Minute hatte der Club den Stimmungskiller für die Veilchen parat: Torwart-Mumie Schäfer, so bezeichnet er sich ja inzwischen selber, macht ausnahmsweise das Spiel schnell. Herrlich, dass ich das noch erleben darf. Auf jeden Fall wirft er ab auf Löwen, der schickt Möhwald rechts auf die Außenbahn. Pommes flankt flach in die Mitte, wo sich Kempe umringt von vier Gegenspielern geschickt dreht und links unten gefühlvoll einschiebt. Mich hebt es aus dem Sitz! 1:0! Endlich wieder ein Tor! Endlich wieder eine Führung! Und dann auch noch so klasse herausgespielt. Erleichterung breitet sich in der Magengrube aus.

Jetzt ließ der Club Aue kommen, spielte gut gestaffelt von hinten raus und hatte weitestgehend alles im Griff. Es war ein rustikales Kampfspiel ohne brutale oder nickliche Fouls. Aber ein Foul brachte die Partie plötzlich zum Kippen.

Notbremse mit doppelter Strafe

In der 51. Minute wäre Pascal Köpke durchgewesen und frei aufs Club-Tor zugelaufen. Verteidiger Kammerbauer geht volles Risiko und trifft mit seiner Grätsche statt Ball nur den Gegner. Notbremse als letzter Mann und Rot – hart, aber nachvollziehbar. Den fälligen Freistoß aus etwas mehr als 20 Metern hebt Aues Kvesic über die Mauer zum Ausgleich. Verdammte Axt, bitterer kann eine Notbremse nicht bestraft werden!

Aue nun mit Oberwasser und der FCN fast 40 Minuten in Unterzahl. Die Partie wurde noch intensiver und ein packender Fight, die Club-Abwehr unter Dauerdruck. Während Bulthuis an diesem Samstagnachmittag ein ständiger Unsicherheitsfaktor war und zwischen Genie und Wahnsinn wandelte, bot Djakpa eine überragende Leistung. Der Club ließ zwar net viel zu, doch immer wieder brachten uns leichtsinnige Ballverluste rund um den eigenen Strafraum in Bedrängnis.

Auch im Sechzehner gab es drei knifflige Situationen: Eine davon durch DB4 an Köpke hätte einen Elfmeter für Aue geben müssen. Glück gehabt. Aue hatte Oberwasser, doch der Club kämpfte wacker und leidenschaftlich.

Cedrics Lucky Punch

Beide Teams wollten gewinnen. Taktieren oder Standfußball Fehlanzeige. Auch in Unterzahl konnte der FCN einige gefährliche Angriffe und Konter fahren. Besonders in der 81. Minute: Behrens chippt die Kugel in die Spitze auf Teuchert, dessen Gegenspieler verschätzt sich und landet auf dem Hosenboden. Teuchert sprintet allen davon, doch anstatt abzuspielen schießt er selber! Gegen die Laufrichtung des Keepers trudelt der Ball ins Tor. 2:1 Führung in Unterzahl und die Fans auf den Rängen kanten kein Halten mehr. Kollektiver Freudentaumel.

Für die verbleibenden zehn Minuten rührte der Altmeister Beton an und verlegte sich voll aufs Kontern. Die 20.000 Rot-Schwarzen auf den Rängen feuerten ihren Club energisch an. Immer wieder raufte ich mir die Haare bei den Ungenauigkeiten und Ballverlusten in unserer Hälfte. Ein letzter kleiner Herzinfarkt, als der eingewechselte Ex-Clubberer Bunjaku in der Nachspielzeit nach einer Ecke köpfen durfte. Sein Kopfball ditschte auf die Latte, sprang zurück ins Feld und nach dem letzten Klärungsversuch war in der 94. Minute endlich Schluss!

Danke an Steffen@2_Steffen für das Foto

Der Jubel war ohrenbetäubend und ausgelassen. Erleichtert fielen sich Trainer Köllner und Sportvorstand Bornemann um den Hals. Die Mannschaft formierte sich nach dieser Energieleistung zum verdienten Jubelkreis. Die Ungeschlagen-Serie gegen Aue hält. Mit diesem Dreier im Sechs-Punkte-Spiel hat der FCN einen wichtigen Schritt getan, gar nicht erst in die Abstiegszone rein zu rutschen. Nach diesem Fight und der tollen Einstellung kann man stolz auf das Team sein. Ich bin es.

Fast der Klassenerhalt

Die 38 Punkte sind fast der Klassenerhalt, auch wenn sich rechnerisch gar nicht so viel verbessert hat. Denn nach den Sonntagspartien hat der Altmeister ironischerweise nach wie vor nur sechs Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz, den nun Aue belegt. Rechnerisch ist noch alles Negative möglich. Doch inzwischen balgen sich vor allem vier Teams mit je 32 Punkten um die Rettung, die sich noch in direkten Duellen die Punkte abknöpfen werden. Daher dürfte das rot-schwarze Nervenflattern wieder deutlich geringer geworden sein, aber wir Cluberer wissen aus Erfahrung: Erst wenn rechnerisch nix mehr geht, bestellen wir das Freibier und die Livemusik …

Bis Saisonende sollten wir noch so viele Punkte wie nur möglich einfahren, damit die fränkische Meisterschaft auch tabellarisch gewonnen wird. Die Westvorstadt ist nur noch zwei Zähler entfernt.

Ansonsten hoffe ich, dass auch die nicklichen Diskussionen und Anfeindungen innerhalb des rot-schwarzen Fanlagers endlich enden. Es geht nicht darum, wer sind die besseren oder schlechteren Fans, sondern darum, dass wir alle als EINE Nordkurve unseren FCN wieder gemeinsam anfeuern und bedingungslos unterstützen. Da schließe ich mich den Worten von Bomber Manolo uneingeschränkt an:

Diese Scharmützel haben in den letzen Tagen und Wochen einfach nur genervt und unserer Mannschaft mehr geschadet, als geholfen. Aber mindestens genauso wichtig ist es, dass Vereinsführung und Ultras wieder miteinander reden, sich aufeinander zubewegen und an einer tragfähigen Lösung arbeiten. Es wird Zeit, den Reset-Button zu drücken.

Advertisements

2 Kommentare zu “Nervenkitzel für Fortgeschrittene


  1. https://polldaddy.com/js/rating/rating.jsGuter Bericht, der die Stimmungslage treffend beschreibt! Pluspunkt für den deutlichen Hinweis, dass der Club noch nicht gerettet ist. NN/NZ bzw. nordbayern.de sind mir ein wenig zu sorglos, sprechen schon vom praktisch sicheren Klassenerhalt. Kann mich an mindestens zwei Male erinnern, wo sie dies unter vergleichbaren Voraussetzungen so taten und der FCN am Ende abstieg…

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s