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Der Trainer und sein Mantra


6. November 2017 – 13. Spieltag:

Wieder einmal geht es mit nem Dämpfer in die Länderspielpause. Erneut ein überflüssiger individueller Fehler, der die Niederlage verschuldet hat. Der Club verspielt sein tabellarisches Momentum und verliert den Anschluss zur Spitze.

Vor 30 Jahren hatte mein Trainer in der E-Jugend ein Mantra, dass er uns gebetsmühlenartig eingeimpft hat:

„Man spielt keine Querpässe rund um den eigenen Strafraum. Und im Strafraum schon gleich gar net. Haltet den Ball weg vom eigenen Tor!“

Dieses Mantra dürfte nach wie vor Bestand haben bei den zigtausend Jugendtrainern in der Republik. Ich vermute sogar, dass auch im Profibereich diese Binsenweisheit gültig ist. Schade nur, dass sich der Club an diesem nasskalten Novemberabend nicht daran gehalten hat.

Im Gegenteil. Er hat das Rückpassspiel und Quergeschiebe zelebriert – bis zum Erbrechen. Immer wieder wurde hinten ein Kombinationsspiel aufgezogen mit Keeper Kirschbaum als Dreh- und Angelpunkt. Ich weiß nicht, wie viele dutzend Mal an diesem Abend. Und ein ums andere Mal habe ich schimpfend reingebläggt: „Hört endlich mit dem Scheiß-Hinten-Rumgespiele auf!“ Aber vergebens.

Unheil mit Ansage

Alles nur noch eine Frage der Zeit. So kam es dann, wie es eben kommen musste. In der 81. Minute bekommt Kirschbaum von der Höhe der Eckfahne den Ball quer an den Fünfmeterraum geschoben. Ihm verspringt das Leder und er wird von Ingolstadts Stürmer Leczano bedrängt. Kirschbaum setzt nach und attackiert Leczano, grätscht ihn um. Eindeutiger Elfmeter! Leczano verwandelt, wenn auch mit komisch unterbrochener, verzögerter Anlaufbewegung. Schiri Zwayer lässt das Tor gelten. Auch schon egal. Es ist der 2:1-Siegtreffer für Ingolstadt.

Jedem im Stadion war klar, wer den Treffer verschuldet hat. Kirschbaum selbst weiß das ebenfalls. Keine Diskussion nötig.

Und auch diese Binsenweisheit hat eben Gültigkeit: „Wenn der Torwart einen Fehler macht, bedeutet das fast immer ein Gegentor.“

Neue Torwartdiskussion

Aber zu diskutieren ist die Tatsache, dass es überhaupt von der Spielanlage dazu kommen musste, dass Kirschbaum wieder und wieder die Bälle im eigenen Strafraum zugespielt bekam. Er hatte somit gezwungenermaßen die Rolle des Ballverteilers – und die liegt ihm nicht sonderlich. Denn seine unpräzisen Schüsse und Befreiungsschläge halfen den Mitspielern nur bedingt. Daher wäre es sinnvoll, in den nächsten Partien die Spieleröffnung definitiv anders zu gestalten. Eine Mischung aus Abschlägen und gezieltem Spielaufbau von hinten heraus. Aber bitte nicht mehr dieses Harakiri, das bei einem Pressing spielenden Gegner schnell zu eigenen Fehlern führt. Also bitte nicht mehr diesen Mist vom Montagabend, das halten meine Nerven und Stimmbänder nicht aus!

Was ich allerdings für verfehlt halte, ist die seit Montagabend neu entbrannte Torwartdiskussion. Ja, der Fehler ist eindeutig und hat letztlich die Niederlage verschuldet. Ja, Kirschbaum hat fußballerische Schwächen bei der Spieleröffnung. Aber sein Patzer war das Ende einer Fehlerkette, die sich das ganze Spiel über schon angedeutet hat. Ich finde nicht, dass deswegen ein Torwartwechsel stattfinden muss. Kirschbaum hat in der letzten und dieser Saison gut gehalten. Ich möchte nur an seine Sternstunde in Duisburg mit zahlreichen Glanzparaden erinnern. Auch in Heidenheim hat er vor wochenfrist richtig gut gehalten. Kirschbaum hat daher weiterhin das Vertrauen des Trainers, der Mannschaft und des Anhangs verdient.

Natürlich gilt aber für ihn ebenfalls das Leistungsprinzip: Sollte er dauerhaft nicht die geforderten Leistungen bringen und durch Fehler weitere Gegentore und Niederlagen in Serie verschulden, ist auch ein Torwartwechsel angebracht. Aber bitte nicht gleich beim ersten Bock. Ich als ehemaliger Torwart weiß, dass du ohne Vertrauen und Rückhalt erst recht unsicher wirst und plötzlich zu viel nachdenkst. Also stärken wir Kirschbaum den Rücken und vertrauen weiterhin auf seine Fähigkeiten, die er unbestritten hat.

Taktikcode geknackt

Aber auch unabhängig vom Torwartfehler war der ganze Abend für die Katz! Es gab drei ansehnliche Torchancen, der Ausgleichtreffer ist dabei schon eingerechnet, der Rest war ideenloses Anrennen. Auf beiden Seiten war es ein Spiel ohne viele Höhepunkte. Beide Mannschaften haben sich gegenseitig neutralisiert, wobei Ingolstadt das etwas bessere Team war. In Summe wäre ein Unentschieden das gerechte Ergebnis gewesen.

Bedenklich jedoch, dass der Club sich in den letzten drei Ligaspielen kaum Torchancen erspielt und erarbeitet hat. Es scheint, dass inzwischen die Gegner den Taktikcode geknackt haben, wie man das Nürnberger Offensivfeuerwerk frühzeitig löscht und im Keim erstickt. Das aggressive Pressing bekommt dem Team gar nicht gut – kreativ zündende Ideen seitdem Mangelware.

Choreo als Lichtblick

Die einzig zündenden Ideen an diesem gebrauchten Abend hatten die Ultras: Sie hatte eine aufwendige Choreo vorbereitet. Zu sehen war die gemalte Skyline der Noris bei dunkler Nacht. Das Spruchband lautete: „Nürnberg leuchtet wahrlich in ganz Deutschland wie eine Sonne unter Mond und Sternen.“

Passend dazu erhellten unzählige Blinker die Nacht. Eine schön anzusehende Pyroshow, die das emotionale Highlight an diesem Montagabend darstellte. Bin gespannt, mit wie viele Strafe uns der DFB belegt. Aber egal, das war es diesmal echt wert. Es wird schon nicht gleich wieder eine Blocksperre in der Nordkurve werden.

Trotzdem heißt es zum dritten Mal Wunden lecken während der Länderspielpause: Wie schon nach den Partien gegen Aue und Bielefeld geht der Club mit nem herben Dämpfer in die Länderspielpause. Schade nur, dass wir mit den Niederlagen gegen Heidenheim und Ingolstadt den Anschluss zur Spitze etwas verloren haben. Zwei Rückschläge, die erstmal für Ernüchterung sorgen und die aufkeimende Euphorie wieder eingedämmt haben. Es wartet noch genügend Arbeit auf Trainerstab und Mannschaft.

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2 Kommentare zu “Der Trainer und sein Mantra

  1. […] Der Trainer und sein Mantra […]

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  2. https://polldaddy.com/js/rating/rating.jsKirschbaum in Frage zu stellen, ist albern. Der Mann ist ein guter Goalie. Weit wichtiger erscheint, Spiele wieder durchzuspielen und von Anfang an wach zu sein sowie Ishak nicht leer laufen zu lassen, sondern zu füttern. Und weniger ernsthaft: König des Querpasses vor der eigenen Abwehr ist historisch gesehen Roland Grahammer – Mitte der 80er beim Glubb. Ich erinnere an einen besonderen Katastrophenquerpass gegen Biene Maja aus DO. Allmächd.

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