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In Lauerstellung


16. Dezember 2017 – 18. Spieltag:

Mit dem 1:1 auf dem Betze spielt der Club auswärts erstmals unentschieden. Auch wenn mehr drin gewesen wäre, geht der Punkt in Ordnung – und der Altmeister überwintert auf Platz 3.

Wenn die stärkste Auswärtsmannschaft beim Tabellenletzten antritt, scheint das Spiel eine klare Sache zu werden. Aber wenn eine Partie auf dem Betze ansteht, sollte man gewarnt sein und sich vom schlechten Tabellenstand des FCK nicht blenden lassen. Das hat der Club glücklicherweise auch nicht getan, trotzdem reicht es nicht zum siebten Auswärtssieg in dieser Saison.

Die erste Stunde lief alles nach Plan. Der Club bestimmte die Partie, ohne groß zu glänzen und zu brillieren. Doch das Führungstor gelang uns trotzdem durch eine Standardsituation in der 25. Minute. Nach einem Eckball von Valentini drehte sich Ishak im Zentrum um die versammelte FCK-Hintermannschaft und köpfte im Getümmel neben den rechten Pfosten ins Tor. Noch ein Schuss an den Außenpfosten von Behrens in der 49. Minute und eine vergebene Eins-gegen eins-Situation von Salli gegen Lauterns Keeper in der 55. Minute. Ansonsten war wenig los in einem verkrampften Kampfspiel. Egal! Es reicht vollkommen, wenn nächste Woche die am besten dekorierten Christbäume Schönheitspreise gewinnen. Wichtig ist bei so einem Spiel hauptsächlich das Ergebnis.

Über 2.000 Cluberer waren auf dem Betze mit dabei. Die Stimmung war klasse – in beiden Kurven. Ebenfalls ehrenwert, dass beide Fanlager der vor wenigen Tagen verstorbenen Lina gedachten. Bildnachweis: http://www.fcn.de

Tarzan als tapsiger Tropf

Doch die vergebenen Club-Chancen schienen den FCK aufzuwecken. Und wenn der Patient schon halb im Koma liegt, dann hilft nur die Wiederbelebung – und genau das hat der FCN leider getan: Nach einer Flanke von Lauterns Borrello fälschte Margreitter im Fünfmeterraum noch leicht ab. Keeper Bredlow ließ sich davon irritieren und hat sich die Kugel dann selbst in den Kasten bugsiert. Noch am Montag der Held, der sich nach dem gehaltenen Elfer wie Tarzan auf die Brust trommelt, diesmal eher der traurig tapsige Tropf. Dieses geschenkte Tor in der 62. Minuten hat Lautern beflügelt, die plötzlich das Spiel in den Griff bekamen. So entwickelte sich ein offener Schlagabtausch.

Erst hat der FCK eine Großchance und schiebt das Leder alleine vor Bredlow rechts am Tor vorbei. Dann verstolpert der freistehende Behrens überhastet nach starkem Solo von Ishak. Kurz danach ballert Möhwald aus 16 Metern an den Pfosten und Valentini zirkelt kurz vor Schluss einen Freistoß haarscharf links am Kasten vorbei.

Aus und vorbei. Am Ende bleibt es beim 1:1, trotz der deutlich besseren Gelegenheiten für den Club. Schon irgendwie ärgerlich, weil bei einer effizienteren Chancenverwertung der Ruhmeiche auch dieses Auswärtsspiel hätte gewinnen können, eigentlich müssen. Aber man muss auch anerkennen, dass sich der FCK leidenschaftlich gewehrt hat und sich den Punktgewinn auf dem heimischen Betzenberg verdient hat.

Enttäuschung weicht tabellarischer Zuversicht

Daher dauert meine Enttäuschung nur kurz. Ein Punkt auf dem Betze ist per se nicht verkehrt, auch wenn die Lauterer als Tabellenschlusslicht um die Existenz kämpfen. Oder vielleicht gerade deswegen. Klar, hätte ein Dreier für den FCN dafür gesorgt, dass wir auf dem direkten Aufstiegsplatz überwintern können – vielleicht sogar als Tabellenführer, wenn die Kieler ihr Spiel am Sonntag verlieren.

Aber vielleicht ist es letztendlich sogar besser so. Auf Platz 1 bist du der Gejagte und verkrampfst oder bist plötzlich zufrieden und satt. Doch auf dem dritten Platzt bleiben Hunger und Gier weiter erhalten. So geht der Club mit lediglich einem Punkt Rückstand auf die Aufstiegsplätze in die kurze Winterpause. Der Vorsprung auf die viertplatzierten Ingolstädter beträgt fünf Punkte. Komfortabel. Zumindest scheinbar.

Träume unterm Weihnachtsbaum

Doch ich bin guter Dinge, dass der Altmeister nicht abhebt und überheblich wird. Im Gegenteil. Mit dem Sturm und den bisher 36 erzielten Toren kann man absolut zufrieden sein, dagegen ist die Abwehr mit 23 Gegentoren eine Schwachstelle. In der Mannschaft steckt also noch genügend Potenzial, das in der Rückrunde sogar viel Luft nach oben verspricht.

Aber bevor der Schönheitswettbewerb der Christbäume beginnt und die Fans unterm Weihnachtsbaum mit glänzenden Augen vom Aufstieg 2018 träumen, hat der Club noch ein Bonusspiel in diesem Jahr. Er darf sich vollkommen ohne Druck im DFB-Pokal Achtelfinale mit dem VfL Wolfsburg messen. Gewinnt er, wäre es das i-Tüpfelchen. Bei einer Niederlage geht die rot-schwarze Welt auch nicht unter. Wichtig ist, dass sich der Club traut, offensiv das Spiel anzugehen. Lieber mit fliegenden Fahnen verlieren, als sich wieder mit einer taktisch verzagten Leistung in eine knappe Niederlage zu mauern. Also volle Pulle und mit offenem Visier. Obs dann fürs Viertelfinale reicht, werden wir sehen.

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