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Raus mit Applaus


19. Dezember 2017 – DFB-Pokal Achtelfinale:

In der Woche vor Weihnachten Arbeit, Familie und Geschenkeeinkaufshatz unter einen Hut zu bringen, erfordert höchste Präzision. Kommt da eine Männergrippe und zusätzlich noch ein Club-Spiel am Dienstagabend dazu, erfordert das schlichtweg einen Klon. Diesen habe ich für mich in Gestalt von Thorsten Winter ins Achteck geschickt. Mein Gastautor ist Clubberer und Vereinsmitglied, wohnt in Hessen und arbeitet als Redakteur bei der FAZ. Lest Thorstens Eindrücke vom Pokalspiel gegen Wolfsburg.

Die 119. Minute läuft, da schallt es „Steht auf, wenn ihr Club-Fans seid!“ aus der Nordkurve. Dabei bedarf es dieser Aufforderung gar nicht. Denn in der Kurve stehen ohnehin Aberhunderte und andere stehen mittlerweile auch. Allerdings, um zu gehen. Kopfschüttelnd, hadernd. Auch sie sind Aberhunderte, nur wollen sie sich die letzten beiden Minuten der Verlängerung gegen Wolfsburg nicht mehr anschauen. Ihnen wird ein junger Club-Fan verärgert hinterher twittern, sie sollten doch das nächste Mal gefälligst zu Hause bleiben. Subtext: Erfolgsfans brauchen wir nicht. Aber dazu später.

Hadern mit der Chancenverwertung

Kopfschüttelnd, hadernd – diese Reaktion erscheint verständlich angesichts des Spielverlaufs. Als heuer nicht gerade heimstarkes Team einer deutlich teureren, eine Liga höher spielenden Truppe über weit mehr als 90 Minuten ebenbürtig zu begegnen, das hatte nicht jeder vom Club erwartet. Auch nicht, dass er mehr klare Chancen haben würde als der FC VW. Zwischen der 55. und der 61. Minute hätten Leibold, Behrens, Salli und Ishak das Spiel zugunsten des Clubs entscheiden können – nein, müssen! Aber sie fanden im sehr gut aufgelegten Wölfe-Torwart ihren Meister oder zielten nicht genau genug. So wie schon Möhwald und Ishak in der ersten Halbzeit. Bei welchem Verein dieser Wölfe-Torwart vorher gespielt hat, möchte ich aus vorweihnachtlichen Pietätsgründen verschweigen. Aber die Farben im Vereinswappen sind identisch …

Und wenn der wieder einmal mannschaftsdienlich-vorbildlich ackernde Ishak bei dem direkt auf den 0:1 folgenden Angriff die Kugel nicht mit dem Schienbein getroffen hätte, sondern wenigstens kontrolliert mit dem Innenrist, dann hätte es doch noch etwas werden können mit der nächsten Pokalrunde.

Hat er aber nicht, und schließlich machte indirekt der untadelige Tobi Werner mit seiner mehr als unglücklichen Abwehraktion den Deckel drauf, indem er den Ball dem Ex-Cluberer Didavi auflegte. Der konnte gar nicht anders, als das 0:2 zu machen. Und angesichts dessen wollten Club-Fans den bitteren Schlusspfiff doch nicht mehr abwarten, zumal wenn es schon sehr spät und im Achteck eklig kalt ist.

Auf Augenhöhe

Was bleibt nun vom Dienstagabend? Der Club ist raus, aber mit Applaus. Anders als bei dem Pokalspielen gegen Hertha und Schalke hat er sich auf Augenhöhe mit dem Bundesligisten gezeigt und alleine die Treffsicherheit vermissen lassen. Dass die Wölfe vor den Toren drei gute Chancen hatten, geschenkt: Wer hatte erwartet, dass es so wenige sein würden?

Ist das Aus im Pokal ein Beinbruch? Meines Erachtens höchstens in finanzieller Hinsicht, nachdem das Team durch die Niederlage am Ende der vergangenen Saison schon viel Geld verschenkt hatte.

Im Achtelfinale des DFB-Pokals war Endstation für den FCN. Daher gilt leider auch 2018 wieder: Nur Gucken, nicht Anfassen!

Projekt #wiederaufstieg2018

Ansonsten kann sich der FCN fortan ganz auf die Liga konzentrieren und das Projekt #wiederaufstieg2018. Denn dieses Ziel ist machbar. Es gibt keine Übermannschaft in der 2. Liga. Düsseldorf hat bisher noch in so ziemlich jeder Rückrunde geschwächelt und ob Kiel als Aufsteiger seinen Lauf durchhält, darf mit Fragezeichen versehen werden. Hoffen wir, dass sich die Köllner-Elf vom Doppel-Dämpfer kurz vor Weihnachten nicht aus dem Konzept bringen lässt und zudem das Träner-Team dem Salli endlich das Toreschießen beibringt sowie die mangelhaften Abläufe mit den Bankspielern wie Werner und Gislason verbessert. Wenn die Mannschaft ihr Potenzial richtig hebt, dann wird sie ihren Fans noch mehr Spaß machen als bisher schon in dieser Saison.

Köllner hat schon recht: Als Dritter in die Rückrunde zu gehen, ist gar nicht schlecht. Andernfalls würde auch der letzte Club-Fan noch vor Aufstiegseuphorie verfrüht durchdrehen. Das wiederum wäre gar nicht gut. Wir wollen ja aufsteigen. Also nicht hadern. Durchdrehen vor Glück können wir immer noch nach dem Aufstieg.

 

Gastautor Thorsten Winter im Steckbrief

Alter: 50 Jahre

Beruf: Redakteur bei der F.A.Z. und FAZ.Net

Glubb-Fan: Bin ich seit 1984. Wurde ich damals im Zuge der schlimmen Saison und der furiosen Aufholjagd unter Trainer Höher.

Dauerkarte: Wohne berufsbedingt in Oberhessen, daher leider keine 😦

Glubb-Mitglied: seit 1. April 2014

Twitter: @thorsten_winter

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2 Kommentare zu “Raus mit Applaus

  1. Endlich mal keine Mauertaktik und man konnte zeigen, dass der Glubb mithalten kann! Lieber so ausscheiden, als wie gegen Frankfurt, Schalke und Hertha.

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