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Hiobsbotschaft am Kiez


12. Februar 2018 – 22. Spieltag:

Es war ein teuer erkauftes Unentschieden auf St. Pauli: Top-Torjäger Mikael Ishak hat sich das Innenband des linken Knies angerissen und fehlt circa acht Wochen. Womöglich ein entscheidender Nachteil im Aufstiegskampf?

Aus dem Schock am Montagabend wurde schnell Gewissheit: Am Dienstagnachmittag bestätigte die MRT-Untersuchung in Nürnberg, dass sich Mikael Ishak im Auswärtsspiel beim FC St. Pauli schwerer am Knie verletzt hat, als befürchtet: Unser schwedischer Top-Torjäger hat sich einen Innenbandriss im linken Knie zugezogen und wird dem Club damit voraussichtlich in den nächsten acht Wochen fehlen. Gute Besserung Ishak – come back stronger!

Ob in dieser Saison Ishak nochmal als Torschütze auf der Anzeigetafel im Stadion erscheinen wird?

Passiert ist das Malheur in der 20. Minute der Partie: Ishak köpft zunächst eine Flanke von Valentini an den Innenpfosten, von dem der Ball parallel zur Torlinie wegspringt. Ishak sprintet hinterher und schießt aus der Drehung St. Paulis Keeper an. Beim Aufkommen nach seinem Schuss muss es dann passiert sein, denn direkt danach sinkt Ishak mit schmerzverzerrtem Gesicht zu Boden. Nichts geht mehr. Er humpelt vom Platz. Seine Miene lässt erahnen, dass es mehr als nur eine Prellung oder Dehnung ist. Leider ist es nun bestätigte Gewissheit, die auf die Stimmung schlägt.

Hexenkessel Millerntor

Dabei waren die Voraussetzungen vor dem Montagabendspiel beim FC St. Pauli eigentlich optimal: Die Konkurrenten Düsseldorf und Kiel haben ihre Auswärtsspiele verloren. Die Verfolger Duisburg und Ingolstadt nur Unentschieden gespielt. Mit einem Sieg hätte der Club die Tabellenführung übernommen – was per se nicht unmöglich erscheint, wenn das stärkste Auswärtsteam der Liga auf die schwächste Heimmannschaft trifft.

Aber bei diesem Flutlichtspiel haben die Kiezkicker eindrucksvoll bewiesen, warum das Millerntor eigentlich ein schwer zu bändigender Hexenkessel ist. Pauli hat wohl das beste Heimspiel dieser Saison abgeliefert. Nichts war mehr erkennbar von den teilweise irrlichternden Heimauftritten im bisherigen Saisonverlauf. Es war eine sehr intensive und kampfbetonte Partie auf Augenhöhe, bei der keine Geschenke verteilt wurden. Das ausverkaufte Millerntor brodelte die gesamten 90 Minuten lang – es war laut und extrem nervig. Denn die Atmosphäre hat das Heimteam spürbar angetrieben. Diesen Lärmpegel habe ich schon lange nicht mehr so mitbekommen.

Aber zum Glück hat sich der Ruhmreiche davon nicht einschüchtern lassen, sondern hat selbstbewusst dagegengehalten. Trotzdem hat es an diesem Abend nicht zu dem erhofften Auswärtssieg, sondern lediglich zu einem spannenden 0:0 gereicht. Wobei der Club mit diesem Punkt sehr gut leben kann. Auch wenn wir 70 Prozent Ballbesitz verbuchen konnten, hatte St. Pauli mehr gefährliche Torschüsse und einige Großchancen. Wenn Fabi Bredlow im Club-Gehäuse nicht so überragend hält, verliert der FCN das Spiel. Daher ein hart erkämpfter Punkt, auf den man stolz sein darf. Wer sich vorher vom mittelmäßigen Tabellenstand der Kiezkicker hat blenden lassen und auf eine lockere Auswärtsaufgabe spekuliert hat, der ist selber schuld. Auch wenn der Club um den Aufstieg spielt – St. Pauli ist nun mal keine Laufkundschaft!

Ladehemmung oder Trotzreaktion?

Die Frage wird nun sein, wie gut die Mannschaft den Ausfall ihres Top-Torjägers verkraften wird. Während des Spiels hatte man nur bedingt das Gefühl, dass das Team geschockt und hilflos war. Auch wenn das Spiel bis zum Sechzehner gefällig war, hat der letzte Pass nur selten gestimmt. Die Angriffe waren zwar gefährlich im Ansatz, aber die letzte Konsequenz und große Torchancen haben gefehlt. Wobei das auch an dem massiven Abwehrbollwerk der Kiezkicker lag, die einfach stark und kompromisslos verteidigt haben. So passiert es dann eben, dass der treffsicherste Sturm der 2. Liga mal kein Tor erzielt. Ist halt so.

Jetzt darf man natürlich gespannt sein, wie es ihn den nächsten Partien weitergeht. Wird das Team den Ausfall kompensieren? Können Salli, Werner, Stefaniak und Zrelak als adäquater Ersatz einspringen? Oder droht uns plötzlich Ladehemmung und die Aufstiegschancen werden gemindert?

Man darf gespannt sein. Jedoch hoffe ich einfach, dass sich die Mannschaft an der Stärke und Kompaktheit aufrichtet, die sie während dieser Saison kontinuierlich aufgebaut hat. Dass sie Ausfälle wegstecken kann, hat sie bereits nach der schweren Verletzung von Sebastian Kerk im August letztes Jahr demonstriert. Ich hoffe auch diesmal auf eine ähnliche Trotzreaktion. Den Charakter dafür hat das Team!

Schwere Verletzung für Sebastian Kerk beim Heimspiel gegen Union Berlin in der Vorrunde: Gestützt von Betreuern humpelt er vom Platz.

Nur eines ist beim nächsten Spiel gegen Duisburg bereits sicher: Es wird keinen Hattrick von Ishak geben wie in der Vorrunde, als sein Stern beim FCN zu leuchten anfing. Doch vielleicht springt ja ein anderer Cluberer ein und schießt den FCN zum Sieg im Spitzenspiel gegen den Tabellenvierten aus Duisburg.

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