Ein Kommentar

Unsanfte Derbylandung


3. März 2018 – 25. Spieltag:

Der Club verliert das Frankenderby mit 0:2. Leider eine verdiente Heimniederlage vor 47.500 Zuschauern. Da die Konkurrenz gleichzeitig siegt, schmilzt der Vorsprung auf Platz 3 auf fünf Punkte.

„Man darf im Frankenderby eigentlich alles – außer verlieren!“ lautet eine landläufig bekannte Fußballweisheit. Und wenn man schon verliert, dann sollte man wenigstens alles gegeben, gekratzt und gebissen haben. Sich in alle Zweikämpfe reinwerfen, sich Chancen erarbeiten und einfach alles tun, um Tore zu erzielen. Einfach um den Fans zu zeigen: „Uns bedeutet ein Derbysieg genauso viel wie euch!“

Wenn man dann trotzdem verliert, ob unglücklich oder verdient, muss man das akzeptieren. Das ist eben der Grundzug eines jeden sportlichen Wettkampfes. Auch wenn es gerade im prestigeträchtigen Frankenderby natürlich sehr schmerzt.

Verdient verloren

Aber an diesem Samstagnachmittag ist der Club eben nicht wie der Tabellenführer aufgetreten, der favorisiert gegen den 16. der Tabelle spielt. In dieser Partie war keine Unterschied zu erkennen zwischen Aufstiegs- und Abstiegskandidat. Im Gegenteil.

Die erste Halbzeit war ereignisarmen, beide Teams haben sich komplett neutralisiert und es gab kaum Torszenen. Die größte vergab der FCN unmittelbar vor dem Pausenpfiff. Doch in der zweiten Hälfte gelang den Fürthern der Führungstreffer in der 50. Minute, der ihnen natürlich Auftrieb verlieh. Der Club wollte zwar, aber es gelang nicht. Kein Durchkommen, kein zündende Ideen, keine zwingenden Torchancen mehr. Die hatte dagegen Fürth bei zahlreichen Kontern. Einige hundertprozentige Chancen konnten sie nicht verwerten. Doch in der Nachspielzeit die endgültige Entscheidung mit dem 0:2.

Es ist schmerzlich es zugeben zu müssen: Aber der Altmeister hat dieses Frankenderby verdient verloren. Er hatte nie den Zugriff auf die Partie, den man von der Heimmannschaft erwartet. Damit meine nicht, dass man den Gegner an die Wand spielt. Aber im Heimspiel erwarte ich mir schon, dass man als Tabellenführer klar zeigt, wer der Herr im eigenen Haus ist. Gerade im Derby.

Choreo gewinnt keine Derbys

Diesem Anspruch ist der Club gestern leider nicht gerecht geworden. Wie schon so oft in den Derbys der letzten Jahre. Komisch und sehr ärgerlich, dass vor allem in diesen Partien dem FCN allzu oft die nötige Galligkeit fehlt. Aber anscheinend bekommt dem Ruhmreichen seine Favoritenrolle gegen den kleineren Verein aus der Westvorstadt nicht. Und wer sich überheblich seinem Gegner überlegen fühlt, der wird oft erstaunt aufwachen, weil er plötzlich das Spiel verloren hat – egal ob im Derby oder in anderen Partien!

Trösten wir uns wenigstens damit: Die Derbybilanz der Saison 2017/18 geht „ganz eindeutig“ an den Club! Denn ein 3:1 auswärts und ein 0:2 daheim bedeutet für beide Teams 3 Punkte und 3:3 Tore. Aber aufgrund der Auswärtstorregel „auswärts erzielte Tore zählen doppelt“, die bei Relegationsspielen oder internationalen Ausscheidungsspielen mit Hin- und Rückspiel angewendet wird, ist der Ruhmreiche mit 6:5 Toren der Jahres-Frankenderby-Sieger! Hurra.

Somit ist auch das gestrige Statement der optisch wunderschönen Choreo bestätigt: „Nummer 1 in Franken. In den Büchern der Geschichte und den Herzen der Menschen. So war es und so wird es immer sein“

Auch wenn der Club gestern nicht so aufgetreten ist. Schade nur, dass eine Choreo alleine keine Derbys gewinnt! Aber die Derbybilanz aller 264 Aufeinandertreffen spricht nach wie vor für den Altmeister: 140 Siege, 47 Remis, 77 Niederlagen. Auch wenn die Fürther sich ihrerseits bestimmt auch als Nummer 1 Frankens wähnen. Aber diese Diskrepanz in der Wahrnehmung beider Fanlager wird sich sowieso nie auflösen – egal was die Tabelle oder ewige Derbystatistiken aussagen. Und wer nach Derbysiegen austeilt, muss auch nach Derbyniederlagen einstecken können. Frotzeleien, blöde Sprüche und Spott gibt’s wie im richtigen Leben gratis dazu. Wer das nicht aushalten kann, muss sich einen anderen Verein suchen, der immer gewinnt. Aber wer will das schon? Sowas verträgt doch die fränkische Seele gar nicht!

Abhaken und weiter arbeiten

Mit ein bisschen Abstand zum Spiel wird sich wohl folgende Erkenntnis durchsetzen: Auch wenn ein Derbysieg natürlich einen Extraschub liefert, gibt es auch für dieses Spiel nur drei Punkte. Allerdings ist die Saison noch lange nicht gelaufen. Weder ist der Club aufgestiegen noch hat Fürth den Klassenerhalt geschafft. Es ist noch viel Arbeit notwendig.

Auch wenn die Fans nach dem Spiel sauer sind und Dampf ablassen – auch ich habe mich über die Niederlage und blutleere Leistung des Teams wahnsinnig geärgert – gibt es keinen Grund, die Saison jetzt schlechtzureden! Hakt die Niederlage ab. Kein Grund für Trübsal und Weltuntergangsstimmung.

Endlich mal wieder ein proppenvolles Max-Morlock-Stadion. Der Spielausgang hat allerdings nur den 3.000 Gästen geschmeckt.

Ladehemmung wieder überwinden

Es sind noch neun Spiele, in denen der Club den Aufstieg schaffen kann. Dass in den letzten beiden Partien nicht richtig viel zusammenging und kein Treffer gelang, stimmt mich natürlich nachdenklich. Aber dass es Rückschläge und Tiefs geben würde, war mir genauso klar. Trotzdem hat der FCN noch fünf Punkte Vorsprung auf Kiel. Dass Kiel nach elf sieglosen Spielen ausgerechnet gestern mit einem 5:0-Sieg gegen die punktgleichen Duisburger ein deutliches Lebenszeichen gesetzt hat, ist eben typisch.

Genauso wie die Tatsache, dass die schlechteste Auswärtsmannschaft der Liga ihren ersten Auswärtssieg im Frankenderby landet und der Club nach elf Partien ohne Niederlage genau dieses Spiel verliert. Man hätte eigentlich darauf wetten sollen.

Egal, Mund abputzen und weitermachen! Hoffen wir mal, dass der FCN wieder schnell in die Spur findet und seine Ladehemmung abstellen kann. Nur so besteht die Chance, dass uns wenigstens nächste Saison die Frankenderbys erspart bleiben. Die braucht doch eh kein Mensch!

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Ein Kommentar zu “Unsanfte Derbylandung

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