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Comebacks mit Wucht


7. April 2018 – 29. Spieltag:

Der 3:2 Heimsieg gegen Heidenheim beendet endlich die Sieglosflaute. Sturmtank Ishak ist zurück und war auch ohne Tor mehrfacher Torgarant. Typisch Club, dass Spiel und Spieltag außergewöhnlich gerieten – diesmal mit einigen Comebacks zugunsten des Ruhmreichen.

Abstoß von Heidenheims Keeper. Kopfballverlängerung. Heidenheims Verhoek drischt das Leder volley aus 35 Metern in die Gambel. Tor des Monats. „Verdammte Axt! Das darf doch net wahr sein. Jetzt geht die Scheiße der letzten Wochen genauso weiter!“ fluchte ich innerlich, als der Club in der 28. Minute wiedermal 0:1 zurück lag.

Was allerdings in den zehn Minuten danach passierte, ist genau der Grund, warum ich seit drei Jahrzehnten ein Fußball-Junkie bin und ins Stadion gehe.

Comeback 1: Drei Antworten

Anstoß FCN. Im direkten Gegenzug flankt Leibold und findet Kapitän Behrens, der schiebt die Kugel über die Linie. Die sofortige Antwort zum 1:1-Ausgleich. Rot-schwarze Erleichterung im Achteck.

Anstoß Heidenheim. Ishak erobert die Pille gleich nach dem Anstoß. Er bedient Löwen, der frei vor Heidenheims Keeper auftaucht und rechts vorbei zur Führung schießt. Spiel gedreht. Die Clubberer im kollektiven Freudentaumel.

Der Club lässt nicht locker und Schwedenbomber Ishak ist heiß. Erst scheitert er noch an Heidenheims Keeper, doch der Abpraller landet direkt vor Stefaniak. Der reagiert geistesgegenwärtig und köpft das Leder in die Maschen. Das 3:1 in der 38. Minute lässt das Max-Morlock-Stadion endgültig zum Freudentempel ausflippen! Ekstase.

Comeback 2: Held statt Depp

Aber der Club wäre nicht der Club, wenn er es nicht noch einmal spannend gemacht hätte.

Nur wenige Minuten nach der Pause gelingt Heidenheim der Anschlusstreffer zum 2:3. Torwart Bredlow unterläuft eine Flanke und Heidenheims Dovedan köpft locker ein. Mensch Fabi! Das ist bereits der dritte Fehlgriff bei Flanken hintereinander, der je zu einem Gegentor geführt hat. Erst Darmstadt, dann Dresden und jetzt Heidenheim. Wenn der Club jetzt auch noch den Ausgleich kassiert, wäre Bredlow der „Depp des Spiels“.

Aber stattdessen rappelt sich Fabi wieder auf und behält die Nerven: Freistoß für Heidenheim in der Nachspielzeit in gefährlicher Position. Feick tritt den Freistoß sehenswert in Richtung Tordreieck. Doch mit einer Glanzparade fischt Bredlow den Schuss aus dem Winkel und sichert den Sieg! Danach Abpfiff und der Club gewinnt 3:2. Die Negativserie ist endlich gestoppt – 30.000 Fans jubeln, klatschen sich ab, liegen sich in den Armen.

Danke an Colin‏ @C_o_l_in aus meiner Twitter-Community, der mir das Foto zur Verfügung gestellt hat.

21 Torschüsse, 54 Prozent Ballbesitz, 54 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Dazu eine Passquote von 80 Prozent, 12 Flanken und nur 10 Fouls. Diesmal sprachen auch die Zahlen auf dem Statistikbogen wieder klar für den Altmeister.

Comeback 3: Ishaks wuchtige Präsenz

Er ist wieder da – von Fans und Mitspielern sehnlichst erwartet: 54 Tage nach seinem Innenbandriss im Knie kehrte Mikael Ishak zurück und war überraschenderweise bereits in der Startelf. Zur Pause war zwar schon wieder Schluss, jedoch lediglich eine Vorsichtsmaßnahme von Trainer Köllner.

Nur eine Halbzeit dauerte also die Rückkehr unseres Goalgetters. 45 Minuten, in denen der Schwede allerdings maßgeblichen Anteil am FCN-Sieg hatte. Kurioserweise hatte er nur 18 Ballkontakte und spielte neun Pässen. Keine besonderen Werte und man könnte meinen, die Partie sei an Ishak quasi vorbeigelaufen. Genau das Gegenteil war der Fall!

Ishak war gefährlich, wuchtig, präsent und aufmerksam. Zwei Torvorlagen zum 2:1 und 3:1 brachten ihm weitere Scorerpunkte ein. Ishak bot eine starke erste Halbzeit, auch wenn er sich nicht mit einem Tor belohnen konnte. Was neben den zwei Vorlagen ebenfalls deutlich sichtbar gewesen war: Das Plus an Selbstvertrauen und Selbstverständnis, das der Club endlich wieder in Anwesenheit seines mit zwölf Treffern erfolgreichsten Torschützen an den Tag legte. Plötzlich war das oftmals zaudernd harmlose Offensivgestolpere der letzten Wochen wie weggewischt. Nicht auszudenken, wenn der Schwedenbomber seine zwei Großchancen noch reingemacht hätte! Dann wäre der Club mit einer satten 5:1 Pausenführung sorgenfrei in Front gelegen.

Ganz der bescheidene Teamplayer äußerte Ishak sich nach der Partie bei „Sky“: „Ich fühle mich in der Mannschaft wohl und habe gute Laufwege. Ich versuche, meinen Mannschaftskollegen so viel wie möglich zu helfen, und das hat heute gut geklappt.“

Kann man wohl sagen. Aber ist schon komisch: Ich halte grundsätzlich nichts davon, von einzelnen Spielern zu viel abhängig zu machen und Ihnen die Last des Heilsbringers aufzubürden. Aber irgendwie hat Ishak genau das am Samstag bewirkt. Seine Wucht und Präsenz haben dem gesamten Team einen Kick gegeben. Wir sind sehr froh, dass du wieder dabei bist.

Comeback 4: Lebenszeichen im Aufstiegsrennen

Dass im Fußballgeschäft alles sehr schnell gehen kann, ist uns bekannt. Aber der Turnaround für den Club am letzten Wochenende war dann doch beachtlich. Fünf sieglose Spieltage mit kärglichen drei Punkten haben natürlich Zweifel im Umfeld aufkommen lassen. Es war zwar nicht alles schlecht, aber die Offensive war sehr holprig unterwegs. Skeptiker und Weltuntergangs-Auguren bekamen viel Munition geliefert.

Doch nach diesem Wochenende, das beinahe perfekt für uns gelaufen ist, hat der Ruhmreiche plötzlich wieder sehr gute Karten im Aufstiegsrennen. Der Club hat als einziges Team von Platz 1 bis 5 gewonnen. Das ist ein starkes Lebenszeichen und erhöht den Druck auf die Konkurrenz: Drei Punkte Rückstand auf Tabellenführer Düsseldorf. Vier Punkte Vorsprung auf Kiel und den Relegationsplatz. Neun Punkte Vorsprung auf Ingolstadt und Regensburg, die Platz 4 und 5 innehaben. Das klingt vielversprechend. Trotzdem ist jetzt nicht alles gut und wird ein lockerer Selbstläufer.

Stattdessen schön auf dem Teppich bleiben und volle Konzentration auf die nächsten zwei „BRUTAL“ schweren Auswärtsspiele hintereinander in Ingolstadt und Kiel. Bis dahin gilt der Leitspruch der Choreo: „Kämpfen, Beissen, bis zum letzten Atemzug. Werdet selbst zum Teil der Legende!“ Noch fünf Spiele, wenn alles optimal verläuft – dann Legende.

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