Ein Kommentar

Aufsteigen mit Köpfchen


23. April 2018 – 31. Spieltag:

Der Club hat drei Big Points eingefahren! Im Spitzenspiel gelang ein überzeugender 3:1 Auswärtssieg beim ärgsten Verfolger Holstein Kiel. Der Vorsprung beträgt nun fünf Punkte – Aufstiegsträume nehmen konkrete Formen an.

Eine halbe Stunde vor Spielbeginn wurde mein Magengrummeln zu Bauchschmerzen. Gerade lieferte die Club-App die Mannschaftsaufstellung und ich musste mehrmals nachlesen und mich vergewissern, ob es sich nicht doch um eine Fake News handelt!? Zu abstrus erschienen mir die kurzfristigen Verletzungsausfälle von Bredlow und Ewerton und deren Ersatz durch Kirschbaum und Sepsi.

Ich gebe es zu: Ich hab gezweifelt, ob diese „Notelf“ mit der umgekrempelten Defensive, bei der drei Stammspieler ausfallen, das Zeug dazu hat. Das Zeug dazu, um im wichtigsten Auswärtsspiel der Saison gegen das offensivstärkste Team nicht nur bestehen zu können, sondern als Sieger vom Platz zu gehen. Ich habe es zwar gehofft, aber der Arsch war auf Grundeis. Doch mein FCN hat mich eines besseren belehrt!

Selbstbewusstes Statement

Denn der Club ist in diesem Auswärtsspiel genau so aufgetreten, wie ich es mir in den letzten Partien schon sehnlichst erhofft hatte. Wuchtig, energisch, selbstbewusst, zweikampfstark und dominant. Kein taktisches Abwarten und Rumlavieren, sondern mit dem direkten Zug zum Tor. Wieder und wieder. Mit der Körpersprache und der Ausstrahlung: „Wir sind der Club. Wir wollen Aufsteigen. Wir spielen hier klar auf Sieg!“ Das war ein eindeutiges Statement des Teams und die gezeigte Leistung hat das untermauert.

Alleine in der ersten Halbzeit gab der Ruhmreiche elf Torschüsse ab und hätte eigentlich noch höher als 2:1 führen müssen.

Kirschbaum und der Seps-Gott

Auch wenn meiner Meinung nach an diesem Abend die ganze Mannschaft hervorragend funktioniert hat, war ich von drei Spielern besonders angetan:

Keeper Kirschbaum, arg gescholten und in der Fanszene kritisch beäugt, hatte nach seinem fahrlässig verschuldeten Elfmeter gegen Ingolstadt seit November 2017 kein Spiel mehr bestritten. Doch aus dem potenziellen Unsicherheitsfaktor wurde ein starker Rückhalt mit mutigen Paraden, der sicher zupackte. Der sich auch von zwei bitterbösen, fast schon brutalen Aktionen der Kieler in der 43. und 85. Minute nicht den Schneid abkaufen oder verunsichern ließ. Dass der Schiri Harm Osmers das doppelte Reintreten von Ducksch in den am Boden liegenden Kirschbaum ungeahndet ließ, sagt viel über dessen Kompetenz aus. Aber der Name „Osmers“ ist in der Noris wahrlich kein Qualitätsmerkmal – spätestens seit dem Phantomtor anno 1994 ist dieser Name bei uns verbrannt.

Noch mehr überrascht hat mich die Abgeklärtheit von Laszlo Sepsi. Der rumänische Nationalspieler, harsch kritisiert und in der Fanszene fast nur noch belächelt, hat die Saison bisher auf der Tribüne oder Ersatzbank verfolgt. Kaum Spielpraxis und dann haut er so eine Leistung raus. Von unsicherem Wackelkandidat in der Abwehr und Gefahrenherd fürs eigene Tor war überhaupt nichts zu spüren! Ruhig und souverän hat er seine Zweikämpfe gewonnen und die Defensive stabilisiert.

Es freut mich sehr für die beiden, dass sie mit ihrer tollen Leistung maßgeblich zum Sieg der Mannschaft beigetragen haben. Das hätte ihnen aus Fanreihen kaum ein Kritiker zugetraut, denn beide wurden in den letzten Monaten vorwiegend mit Argwohn und Häme bedacht. So belegt die Leistung von Kirschbaum und Sepsi, dass man sich trotz Ersatzbankdasein jederzeit auf sie verlassen kann und sie charakterlich tadellos sind. Auch ein Kompliment für den intakten Teamgeist in der Club-Elf.

Oh Captain mein Captain

Eine Mannschaft, die durch ihren Kapitän Hanno Behrens hervorragend angeführt wird. Was der wieder auf dem Platz gezeigt hat, war überragend. Vorbildlicher Einsatz. Ein Anführer, ein Leitwolf. Nicht nur wegen seiner zwei Kopfballtore. Er ist für den Club ein Spieler, der den siegreichen Unterschied ausmachen kann. So wie eben am Montagabend. Inzwischen ist er sogar mit 13 Toren der beste Torschütze beim Altmeister und hat Ishak überholt. Bin gespannt, ob er im Saisonendspurt noch Ducksch einholt uns sich die Torjägerkanone krallt. Zuzutrauen wäre es unserem Captain.

Behrens on fire! Dank an den Clubfuchs, dass ich seine Grafik mit unserem El Capitan verwenden darf.

Aufstieg greifbar nahe

Auf jeden Fall gelang der 3:1 Auswärtssieg zum perfekten Zeitpunkt, so dass der Ruhmreiche seinen Status als stärkstes Auswärtsteam der 2. Liga untermauert hat. Es war gerade mal die zweite Heimniederlage der heimstarken Kieler – auch das spricht für den FCN. Der Club hat durch den Sieg im Schlüsselspiel den Vorsprung auf Kiel auf nun fünf Punkte ausgebaut und den Aufstiegsplatz gefestigt. Eine phantastische Stimmung der über 2.000 Clubfans in Kiel – Freudenfeuer inklusive. Auch meine Freude und Erleichterung waren nach dem Spiel grenzenlos.

War es das also schon mit dem Aufstieg?

Es war ein großer und entscheidender Schritt. Auch wenn die Leistung des Ruhmreichen beeindruckend war und von Entschlossenheit nur so gestrotzt hat, sind noch drei Spieltage übrig. Ja, es sieht sehr gut aus, aber final ist noch nichts unter Dach und Fach. Denkbar ist das Szenario, dass Kiel in Ingolstadt nicht gewinnt. Dann könnte der Club am Montagabend mit einem Heimsieg gegen Braunschweig den Aufstieg auch rechnerisch klarmachen. Die Euphorie der Fans ist bereits riesig und das Achteck wird wohl prall gefüllt sein.

Andererseits klappt es vielleicht erst später, weil Kiel sein Spiel gewinnt. Wir sollten also trotz aller Euphorie nicht verkrampfen, selbst wenn es am Montagabend noch nicht klappt. Das Gute ist, dass es der Ruhmreiche selber in der Hand hat. Ich bin überzeugt, dass wir es packen. Wann ist mir fast egal, auch wenn mein Nervenkostüm weiter strapaziert wird.

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Ein Kommentar zu “Aufsteigen mit Köpfchen

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