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Wenn wir mal gefallen sind


25. August 2018 – 1. Spieltag:

Einmal Lehrgeld, zwei Videobeweise und ein verschossener Elfmeter. Pech und Unvermögen vermasseln dem Club einen Punktgewinn beim stimmungsvollen Comeback in der Bundesliga.

Die Vorfreude auf die Bundesliga war riesig. Vier Jahre haben Fans und Verein warten müssen, bis endlich wieder ein Punktspiel in Deutschlands Fußball-Beletage anstand. Zum Auftakt führte der Spielplan den Ruhmreichen an eine nicht minder ruhmreiche Spielstätte – das Berliner Olympiastadion. Tradition trifft auf Tradition. Alte Dame Hertha gegen Altmeister Nürnberg.

Danke an Twitterer „ZickZack@ZickZack76“ für die Fotos aus Berlin.

Circa 5.600 Rot-Schwarze begleiteten ihren Club und sorgten für mächtig Stimmung: Zu Beginn gab es eine farbenfrohe Choreo mit roten und schwarzen Fahnen, dazu das Spruchband: „Wenn wir mal gefallen sind, dann stehen wir wieder auf.“ Auch der Support während dem Spiel war lautstark und unermüdlich. Ich habe mir das ganze Spiel im Urlaub nur über Internetradio anhören können und fast nur die Gesänge und Anfeuerung der Clubfans gehört. Einfach überragend! Ein Gewinn für die Bundesliga. Aber das war uns sowieso allen klar.

Danke an Twitterer „ZickZack@ZickZack76“ für die Fotos aus Berlin.

Lehrgeld gezahlt

Doch es hat leider nichts geholfen. Am Ende verlor der FCN mit 0:1. Sogar relativ unverdient und unglücklich. Schließlich hatte Mikael Ishak in der 84. Minute die Chance, vom Punkt auszugleichen. Nach einem Handspiel entschied Schiedsrichter Welz nach Rücksprache mit seinem Videoassistenten und nach Ansicht der Bilder auf Elfmeter für den Club. Ishak schnappte sich die Kugel, schoss halbhoch unplatziert und scheiterte folgerichtig am Keeper der Herthaner. Diese Chance wurde leichtfertig vertan und damit der letztlich verdiente Punktgewinn vergeben. Ärgerlich und sehr schade, denn noch vor Wochenfrist hat uns Ishak im Pokal mit seinem Doppelpack den Sieg beschert und in die nächste Runde bugsiert.

Ironie des Schicksals: Unser eigentliche Elfmeterschütze wäre Hanno Behrens gewesen. Hat unser Kapitän letzte Saison keine Pflichtspiel-Sekunde verpasst, musste er in seinem ersten Bundeligaspiel wegen muskulärer Probleme vorzeitig ausgewechselt werden – und konnte prompt den Elfer nicht schießen. Stattdessen musste Mikael ran und verschoss. Aber bitte deswegen nicht lange grämen. Kopf hoch und das nächste Mal besser machen.

Gleiches gilt auch für unsere Abwehr, die eigentlich solide stand. Bis auf die 26. Minute: Tim Leibold ließ sich mit einem einfachen Übersteiger düpieren, der Ball wird von der Grundlinie in den Strafraum gepasst, wo Herthas Knipser Ibisevic unbehelligt einschiebt. Ein Treffer, der Hertha letztlich zum Sieg reicht. Klassischer Fall von Lehrgeld gezahlt. Ist für einen Aufsteiger wahrlich keine Sensation.

VAR wohl nix

Schade nur, weil dem Club nach einer fahrig verzagten ersten Hälfte aufgrund seiner Leistungssteigerung eine ordentliche zweite Halbzeit gelang. In fast allen Punkten der Matchstatistik liegen ausgeglichene Werte vor. Es hätte sich niemand beschweren dürfen, wenn der Altmeister der Alten Dame einen Punkt abknöpft.

In gewisser Weise hätte es auch 0:0 ausgehen können, denn es gab zwei strittige Entscheidungen, bei denen der Videobeweis herangezogen wurde: Sowohl vor dem Gegentor als auch beim Elfer war eine Sonderklärung nötig. Da wirst du als betroffener Fan vor dem Fernseher, Radio oder im Stadion fast kirre. Ich jedenfalls habe Blut und Wasser geschwitzt, während die Entscheidungen überprüft wurden. Ganz ehrlich: Vor dem Gegentor hätte ich das Foul an Margreitter mit Freistoß für den FCN geahndet. Und den Handelfmeter hätte ich auch nicht gegeben. So wäre es bei einem mittelmäßigen torlosen Remis in der riesigen Berliner Betonschüssel geblieben.

Danke an Twitterer „ZickZack@ZickZack76“ für die Fotos aus Berlin.

Schon krass, dass der VAR an diesem ersten Spieltag für so viele kontroverse Entscheidungen und vor allem Fehlentscheidungen gesorgt hat. Absolut unverständlich, wenn man bedenkt, wie reibungslos und weitestgehend fehlerfrei der Videobeweis bei der WM in Russland funktioniert hat. Und dann so ein Fiasko zum Ligastart! Bin gespannt, ob das die Schiedsrichter vernünftig in den Griff bekommen. Ich denke, dass uns der VAR noch viele knifflige Momente mit Frust und entsetztem Haareraufen bescheren wird.

Fallen und Aufstehen

VAR hin, VAR her. Am Ende hat es der Club selber vergeigt und den Punktgewinn verschenkt. Somit ist der Aufsteiger in dieser Saison zum ersten Mal gefallen. Schlimm? Ein Beinbruch? Ist damit der Abstieg schon besiegelt? Mitnichten! „Wenn wir mal gefallen sind, dann stehen wir wieder auf.“ Für mich gilt das Motto der Choreografie als das Motto der ganzen Saison.

Der Club wird in dieser 1. Liga noch oft straucheln und hinfallen. Das ist als Aufsteiger mit einem Minietat auch nicht ungewöhnlich. Aber es wird darauf ankommen, wie oft wir wieder aufstehen werden. Der Club hat von der Papierform her keinen Kader, der automatisch in der Bundesliga für Furore sorgen muss. Aber er hat ein Team, das letztes Jahr als verschworener Haufen auch Rückschläge gemeistert hat und verdient aufgestiegen ist. Die Fans und die Region identifizieren sich absolut zu Recht mit diesem Team. Die mannschaftliche Geschlossenheit bleibt auch für diese Spielzeit das entscheidende Faustpfand – unabhängig davon, ob noch einige Spieler vor Ende der Transferfrist geholt werden.

Es wird noch eine lange Saison werden. Lasst uns fallen und noch öfter wieder aufstehen. Dann bin ich zuversichtlich, dass uns die Mission Klassenerhalt 2019 gelingen wird.

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