Ein Kommentar

Sieben auf einen Streich


26. September 2018 – 5. Spieltag:

Was für ein gebrauchter Abend in Dortmund. Erstmalig in dieser Saison war der Club komplett überfordert und hat sich eine 0:7-Klatsche eingefangen. Schmerzhaft und historisch. Viel Lehrgeld für zu viel Naivität.

Dass der Club in Dortmund verliert, ist ja prinzipiell an der Tagesordnung. Es gibt kaum einen Gegner in der Republik, der dankbarer über einen Besuch des FCN ist, als der BVB. Schließlich datiert der letzte Club-Sieg im Westfalenstadion vom November 1990, seitdem gab es fast immer Niederlagen. Meistens verdient und deutlich, aber zumindest selten eine Demontage.

Die Vorzeichen für eine Niederlage waren daher einigermaßen klar, aber gleichzeitig keimte in mir auch die Hoffnung auf ein gutes Spiel vom Ruhmreichen. Denn der Club hat sich in den ersten vier Spieltagen dieser Saison bisher prächtig präsentiert: Mit stabiler Abwehr, die kaum Chancen zulässt, beherztem Einsatz, mutigem Offensivspiel und viel Moral trotz mehrerer Rückstände und Nackenschläge. Also warum sollte es nicht gelingen, mit den gezeigten Tugenden auch beim Champions-League-Teilnehmer zu bestehen und vielleicht ein Pünktchen aus dem Westfalenstadion zu entführen …?

Escort-Service statt Kampf

Es gelang nicht, weil an diesem Abend der Club leider ein ganz anderes Gesicht gezeigt und viel zu viel zugelassen hat. Erstmalig in dieser Saison hat der Altmeister wie ein naiver Aufsteiger gespielt und war in allen Belangen total überfordert. So kam der BVB dann in Schwung und hat den FCN gnadenlos überrollt. Die Clubspieler waren zu weit weg von ihren Gegenspielern, kamen damit nicht richtig in die Zweikämpfe und haben Dortmund tolle Räume geboten. Räume, die der BVB dankend angenommen und mit spielerischen Mitteln und technischer Überlegenheit kaltschnäuzig ausgenutzt hat. Bis zum bitteren Ende.

Was die Gründe für die Indisponiertheit des gesamten Teams waren, lässt sich nur erahnen: War es die große Kulisse der 75.000 Zuschauer im Fußballtempel, war es die Ehrfurcht vor der mit Stars gespickten Branchengröße, war es die Systemumstellung oder war es schlicht die naive Unerfahrenheit als Aufsteiger mit kaum vorhandener Bundesligaerfahrung?

Ich weiß es nicht. Wahrscheinlich eine Kombination aus allen Faktoren. Jedoch war mein erster Gedanke, als ich die Aufstellung inklusive defensiverer Systemumstellung mitbekommen habe: „Warum schmeißt Köllner ein System um, das die Cluberer vier Spiele selbstbewusst und stabil praktiziert haben? Warum werden eigene Stärken zu Lasten einer Defensivtaktik aufgegeben?“

Historisches Ergebnis

Woran es letztlich auch gelegen haben mag: In Dortmund darfst du nicht nur spielerisch dagegen halten. Du musst auch kämpfen, kratzen und beißen. Nah am Gegenspieler sein und dessen Spieltrieb stören. Das ist den Cluberern nicht gelungen. Sie sind leider wie ein Escort-Service mitgelaufen und waren Statisten für wie im Rausch spielende Dortmunder. So frisst du dann Gegentor, um Gegentor, um Gegentor, bis es am Schluss 0:7 steht. Machen wir uns nix vor. Hätte das Spiel noch 15 Minuten länger gedauert, wäre es wohl zweistellig geworden, denn der BVB hatte Bock, den Aufsteiger aus der Noris richtig herzuspielen. Und der hat ihnen den Gefallen getan und selbst beim Stande von 0:4 nach einer Stunde immer noch arglos nach vorne gespielt und unbedarft verteidigt.

Der Schlusspfiff hat den Aufsteiger dann erlöst – das Ergebnis ist zwar historisch, aber nur bedingt ruhmreich. Eine Klatsche mit sieben Toren Unterschied gab es zuletzt in der Saison 1983/1984 beim VfB Stuttgart. Das war noch vor meiner Zeit als Club-Fan. Tja, jetzt habe auch ich ein solches Ergebnis mitgemacht – eine zweifelhafte Ehre.

Noch gegen Hannover war es ein Siegerkreis. Doch diesmal steckten die Spieler als traurige Verlierer die Köpfe zusammen. Danke an Thorsten Winter @thorsten_winter für das Foto.

Wenn wir mal gefallen sind

In dieser Partie wurde der Club also gewogen und in Summe für zu leicht befunden. Das kann passieren und es macht auch keinen Sinn, auf einzelne Spieler zu schimpfen und anzuprangern. Das war als Teamleistung einfach zu wenig. Das weiß jeder der Beteiligten.

Schade nur, dass letztlich doch eingetreten ist, was Trainer Köllner auf der Pressekonferenz vor dem Spiel als Marschrichtung ausgegeben hat:

„Wir fahren nicht nach Dortmund, um Autogramme abzuholen, sondern um zu punkten.“ Anscheinend waren es doch Autogramme.

Okay, so ein Debakel schmerzt jeden Glubberer und drückt erstmal die Stimmung auf den Nullpunkt. Auch das Torverhältnis hat einige tiefe Kratzer im Lack abbekommen. Aber sollte man jetzt alles in Frage stellen? Bitte NICHT! Der Club hat sich bisher besser präsentiert, als es Fußball-Deutschland erwartet hätte. Deutliche Niederlagen als Aufsteiger bei den deutschen Schwergewichten München oder Dortmund kommen nicht gänzlich unerwartet. Beide spielen nicht nur finanziell und von der Kaderqualität her in einer anderen Liga. Dieses Lehrgeld musst du eben als Underdog zahlen. Aber an diesen Vereinen sollten wir uns letztlich auch nicht orientieren. Wir müssen unsere Punkte gegen andere holen: Gegen die Teams aus Mainz, Hannover, Augsburg, Frankfurt, Freiburg und Düsseldorf. Das sind die Konkurrenten um den Klassenerhalt.

Der Support der 3.000 Club-Fans war phänomenal – trotzdem ein schwerer Gang in die Kurve nach einem deftigen 0:7. Danke an Thorsten Winter @thorsten_winter für das Foto.

Das einzig Gute an dieser englischen Woche ist, dass es bereits am Samstag weitergeht und der Club sich schnell rehabilitieren kann. Dann geht es im Aufsteigerduell gegen die Fortuna. Dieses Spiel ist vom Stellenwert deutlich höher, als das Gastspiel in Dortmund. Ich hoffe nur, dass unsere Mannschaft keinen Knacks bekommt und das Debakel möglichst schnell aus den Köpfen rauskriegt. Sie sollten sich dabei an die Fanchoreo und Spruchbänder von Berlin erinnern:

„Wenn wir mal gefallen sind, dann stehen wir wieder auf!“

Auch wenn der Fall ziemlich unsanft war und sich anfühlt, wie wenn man im Dunkeln plötzlich die Kellertreppe runtergestürzt ist. Abhaken! Helfen wir, unseren Rot-Schwarzen beim Aufstehen. Gehen wir am Samstag ins Stadion und unterstützen lautstark unseren FCN. Fans und Mannschaft – es kann nur ZUSAMMEN gehen!

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Ein Kommentar zu “Sieben auf einen Streich

  1. […] Sieben auf einen Streich […]

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