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Charaktertest bestanden


29. September 2018 – 6. Spieltag:

Rehabilitation gelungen und Moral gezeigt: Nach dem historischen Debakel gab‘s einen verdienten 3:0-Sieg gegen Mitaufsteiger Düsseldorf. Eine verrückte englische Woche mit Himmel und Hölle im rasanten Wechsel.

Sonnendurchflutetes Max-Morlock-Stadion. Es ist Samstagnachmittag um 15:30 Uhr. Perfekte Uhrzeit und perfekte Rahmenbedingungen für Bundesliga-Fußball. Trotzdem marschiere ich mit gemischten Gefühlen Richtung Achteck. Zu frisch ist das derbe Dortmund-Debakel vom Mittwoch: „Ausgerechnet jetzt ist englische Woche. Ist das gut oder schlecht? Wie hat es die Mannschaft verkraftet? Gibt‘s einen Knacks oder eine Trotzreaktion?“ schießt es mir durch den Kopf.

Feines Gespür haben auf jeden Fall die Fans bewiesen. Kein Pfiffe oder blöde Sprüche beim Warmmachen. Stattdessen empfangen wir die Mannschaft mit aufmunterndem Applaus.

„Vorankommen heißt, öfter aufzustehen als hinzufallen! Mund abwischen und weitermachen!“ steht auf dem Transparent in der Nordkurve.

Eine vollkommen zutreffende Einschätzung.

Lieblingsgegner Fortuna

Ausgerechnet jetzt steht das wichtige Sechs-Punktespiel gegen Mitaufsteiger Düsseldorf an! Oder eher zum Glück genau jetzt – denn schließlich ist Fortuna unser Lieblingsgegner. Gegen kein anderes Team in der 1. Bundesliga haben wir daheim eine bessere Bilanz: 12 Siege und lediglich ein Unentschieden, der letzte Punktverlust beim 2:2 datiert aus dem Jahre 1982. Zumindest die Vorzeichen der positiven Serie standen also klar auf Seiten des Ruhmreichen. Trotzdem hat keiner geglaubt, dass es uns der Mitaufsteiger leicht machen wird.

Im Gegenteil. Es war eine Partie auf Augenhöhe, bei der Düsseldorf zunächst agiler und selbstbewusster war. Forsch haben sie den Weg nach vorne gesucht und den Ball gefällig laufen lassen, ohne dass daraus zwingende Torgefahr entstanden wäre. Der Club dagegen erstmal bemüht, sicher und stabil zu stehen und jedwedes Risiko zu vermeiden. Kein Hurra-Fußball auf Teufel komm raus, sondern eher kontrollierte Offensive in Rehagelscher Manier. Kein Wunder, denn das Mittwochstrauma hat vorsichtig gemacht.

Trotzdem hat sich der Club Chancen erarbeitet und ging in der 28. Minute verdient in Führung, auch wenn es letztlich ein Elfmeter war. Leibold wird im Strafraum umgesenst und völlig zu Recht gibt’s Strafstoß. Chefsache für Kapitän Behrens, der die Kugel mittig unter die Latte knallt und sein erstes Bundesliga-Tor verbuchen kann.

Bredlows Tat und Ishaks Kniefall

Nur fünf Minuten später wahrscheinlich der positive Knackpunkt für den Altmeister: Nach einer Club-Ecke fängt sich der FCN beinahe klassisch einen Konter ein. Düsseldorfs Lukebakio sprintet im Alleingang frei auf Bredlow zu. Der verkürzt den Winkel, macht sich groß und fährt reflexartig das linke Bein aus. Glanzparade! Die hundertprozentige Torchance zum Ausgleich vereitelt. Klasse gemacht! Jubel brandet im Achteck auf.

Der wurde in der 64. Minute noch größer, weil es unser Mika ebenfalls überragend löste. Genau wie sein Düsseldorfer Kontrahent konnte er frei auf den Torwart zulaufen, weil sich ein gegnerischer Eckball zum gefährlichen Bumerang entwickelte. Doch Mika macht es besser, behält die Nerven und versenkt den Ball links am Keeper vorbei ins Tor! 2:0 – das Stadion bebt. Anschließend sprintet Ishak zur Eckfahne, sinkt erleichtert auf die Knie und schreit seine Freude raus.

Und weil der Altmeister im Effizienzmodus war, gelang zehn Minuten vor Schluss sogar noch das 3:0. Löwen mit präzisem Zuspiel auf den eingewechselten Palacios, der aus kurzer Distanz an Düsseldorfs Keeper vorbei den Ball in die Maschen lupft. Damit war der Heimsieg besiegelt.

Effiziente Chancenverwertung

Trotzdem hat sich die Fortuna nicht hängen lassen, spielte weiter nach vorne und wollte den Ehrentreffer. Zur Strafe für diesen naiven Offensivdrang hätte Misidjan fast noch einen Konter zum 4:0 abgeschlossen, aber das wäre vom Ergebnis her deutlich zu hoch gewesen.

Es ist schon eine komische Sache mit den Fußball-Statistiken: Die Rheinländer gewannen mehr Zweikämpfe (54:46 Prozent), hatten mehr Ballbesitz (59:41 Prozent) und mehr Torschüsse (11:9). Doch bei den Toren lag der Club klar vorne, weil er mit Effizienz und Kaltschnäuzigkeit seine Chancen verwertet hat.

Himmel und Hölle

Der griechische Philosoph Demokrit hat in der Antike gesagt:

„Mut steht am Anfang des Handelns, Glück am Ende.“

Beides konnte der Club am Samstag für sich verbuchen und sich letztlich über einen wichtigen Heimsieg in der Gegenwart freuen.

Es war beeindruckend für mich zu sehen, wie unser Team die Lehrstunde in Dortmund weggesteckt hat und sich zu keiner Phase hat hängen lassen. Es war zwar nicht das attraktivste und spielerisch beeindruckendste Heimspiel – auch das Ballwegschlagen aus der Gefahrenzone gehört nun wieder zum Repertoire des FCN – aber trotzdem ein beeindruckender Nachweis über die intakte Moral und Charakterstärke dieser Bundesliga-unerfahrenen Mannschaft. Umso größer waren Freude und Erleichterung über die gelungene Rehabilitation. In der Noris liegen Himmel und Hölle eben dicht beieinander.

Somit endet eine englische Woche mit zwei überzeugenden Heimsiegen und einer „knappen“ Auswärtsniederlage – mit diesen sechs Punkten ist der Club absolut im Soll. Es gibt sogar einen ganz bimberlaswichtigen Verein, der in dieser englischen Woche zwei Punkte weniger geholt hat als der Ruhmreiche. Ob die den anschließenden Charaktertest auch bestehen werden, ist mir allerdings ziemlich worschd.

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Ein Kommentar zu “Charaktertest bestanden

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