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Die kalibrierte VARheit


26. Januar 2019 – 19. Spieltag:

Nach einer unglücklichen 1:2 Auswärtsniederlage in Mainz sitzt der Club weiterhin als Schlusslicht im Tabellenkeller fest. Eine kalibrierte Abseitslinie und ein aberkanntes Tor sorgen für Trubel beim FCN und bringen die Mannschaft aus dem Tritt.

„Wichtig is aufm Platz“, jeder kennt diese Fußballwahrheit. Aber noch wichtiger ist manchmal im Keller. Und zwar in Köln, wo die Video-Referees sich mit dem Videobeweis vergnügen, oftmals zum Leidwesen der anderen. Hart gebeutelt hat es diesmal den Club, dem nachträglich sein Führungstor in der 64. Minute aberkannt wurde.

Schuhspitze neu kalibriert

Zwei Minuten durfte sich der Ruhmreiche über das erste Führungstor freuen, das er seit Oktober 2018 im Heimspiel gegen Frankfurt erzielt hatte. Zwei Minuten hat es gedauert, dass beide Mannschaften unschlüssig am Anstoßkreis standen und nicht wussten, wie es weitergehen sollte.

Die Mainzer hatten sich schon mit dem Gegentor arrangiert: „Wir sind von einem Rückstand ausgegangen und haben das Abseits nicht wahr genommen. Danach waren wir im psychologischen Vorteil“, gab der Mainzer Trainer Sandro Schwarz zu.

Am Schluss waren nämlich die Clubberer die Gelackmeierten. Mittels kalibrierter Linie, einem neuen technischen Hilfsmittel für den Kölner-Videokeller, konnte „eindeutig“ festgestellt werden, dass die Fußspitze von Clubstürmer Zrelaks Schuh mehrere Zentimeter im Abseits war. Alles klar. Unser Führungstreffer wird zurückgenommen und es steht weiter 1:1. Regeltechnisch gesehen zwar richtig, trotzdem kommt der Club emotional aus diesem Loch nicht mehr raus.

Die kalibrierten Linien in rot und grün: Szrelaks Schuhspitze steht im Abseits, der Körper ist gleiche Höhe.

Vorbei die Zeiten, wo bei gleicher Höhe auf kein Abseits entschieden wurde. Es ist zwar toll, wenn der Videobeweis grobe Fehlentscheidungen aufdeckt und verhindert, aber solange das nicht konsequent bei allen Fällen geschieht, bleibt das Gschmäckle der Benachteiligung. Und ketzerisch stelle ich die Frage in den Raum, ob bei den Branchengrößen der Liga auch der Videobeweis herangezogen und das Tor aberkannt worden wäre? Aber das alles sind natürlich nur Spekulationen aus dem tiefsten inneren der gequälten rot-schwarzen fränkischen Seele. Aber der Hauch der Unrechtbehandlung bleibt.

Bin gespannt, welches kalibrierte Folterwerkzeug demnächst in den Kölner Kellern kreiert wird, um seine eigene VARheit zu erzeugen. Der Club wird es bestimmt bald erfahren …

Fehlerkette reloaded

Irgendwie gehörte es dann zum üblichen Prozedere, dass der FCN nur wenige Minuten später wiederum selber in Rückstand geriet und wieder kräftig mitgeholfen hat: Leibold verlor den Ball im Vorwärtsgang, Mainz spielte den Konter klug aus und Stürmer Quaison brauchte nach der Flanke nur noch den Fuß hinzuhalten. Dass kurz davor eine passive Abseitsstellung der Mainzer vorlag und Quaison nur knapp auf gleicher Höhe nicht im Abseits stand, gehört zur Ironie dieses Spiels.

Der Club gab sich nicht auf und stemmte sich gegen die Niederlage, hatte aber keine echte Ausgleichschance mehr. Stattdessen hätte der FSV höher gewinnen können, ließ jedoch gute Einschussgelegenheiten ungenutzt. Auch wenn der Altmeister ein Spiel auf Augenhöhe ablieferte, gewannen die Mainzer aufgrund der besseren Torchancen verdient.

Trotzdem lehne ich mich aus den Fenster: Wäre der Club in Führung gegangen, hätte er einen dreckigen Arbeitssieg gelandet und drei Punkte mitgebracht. So bleibt es bei der Erkenntnis „Hätte, hätte, Fehlerkette!“

Sehnsucht nach der Niederlage

Traurigerweise belastet anscheinend nicht jeden Club-Fan diese erneute Niederlage. Im Gegenteil! Betrachtet man die Social-Media-Aktivitäten rund um das Auswärtsspiel des FCN, so sehnen sich manche Anhänger geradezu nach Niederlagen, weil damit der „unfähige Trainer“ endlich näher an seinen Entlassungstermin rückt. Geradezu grotesk.

Ich wünsche mir lieber Siege der Mannschaft – mit welchem Trainer und mit welchen Wintertransfers ist mir letztendlich herzlich egal. Und ja, ich glaube auch, dass sich die Methoden von Trainer Köllner inzwischen abgenutzt haben und wohl bald die Zusammenarbeit beendet wird. Aber deswegen auf Niederlagen des FCN hoffen? Nicht wirklich!

Was bleibt ist die Erkenntnis, dass alle Mannschaften im Tabellenkeller anscheinend gleich „unfähig“ sind: Nürnberg, Hannover, Stuttgart, Augsburg und Düsseldorf haben allesamt verloren. Tabellarisch hat sich nichts verschlechtert bis auf die Tatsache, dass nur noch 15 Spieltage übrig sind. Den Spielbetrieb bereits jetzt schon einzustellen, davon halte ich gar nix. Die VARheit liegt hoffentlich aufm Platz und nicht im Kölner-Keller.

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2 Kommentare zu “Die kalibrierte VARheit

  1. […] Die kalibrierte VARheit […]

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  2. Didi Hamann hat bei Sky 90 angedeutet, das dieses bewusst gemacht wird! Er (ohne Clubbrille) bestätigte nur meine Gedanken und nach den vielen anderen Szenen des Spieltages, bin ich mir jetzt sicher.

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