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Doppelentlassung wider Willen


12. Februar 2019 – Entlassung von Sportvorstand und Trainer:

Knapp zwei Tage hat der Aufsichtsrat getagt, diskutiert, abgewogen und entschieden. Am Schluss gabs als Knalleffekt eine Entlassung im Doppelpack, die so nicht hätte sein müssen. Richtig war sie in letzter Konsequenz trotzdem.

Es hätte so einfach werden können: Trainer Michael Köllner hätte am Dienstagvormittag auf einer Pressekonferenz in beiderseitigem Einvernehmen mit Sportvorstand Andreas Bornemann seinen Rücktritt erklären können. Hätte einen sauberen Schlussstrich gezogen und hinter den Kulissen trotzdem seine Abfindung für die Vertragsauflösung erhalten. Bornemann hätte ihn defacto nicht entlassen und somit für den FCN weiter als Sportvorstand arbeiten können. Es wäre zwar ein klarer Cut gewesen, aber trotzdem ein halbwegs versöhnlicher Abgang, der Respekt und Zustimmung bekommen hätte.

Aber in diesem Szenario war letztlich zu viel „hätte“ und „können“ enthalten, so dass es dann fast zwangsläufig vollkommen anders kam.

Medienauflauf am Valznerweiher

Denn stattdessen war es eine Pressekonferenz, die mit ungewolltem Getöse das überraschende Ende von zwei leitenden Angestellten des Vereins bekanntgab. Den Trainer entlassen kann beim FCN nur der Vorstand – doch an dieser Stelle verweigerte sich Andreas Bornemann konsequent. Daher entschied sich am Ende der neunköpfige FCN-Aufsichtsrat für den ungewöhnlichen Doppelschlag auf sportlicher Leitungsebene.

Vorsitzender und Sprecher des Aufsichtsrates Thomas Grethlein erklärte den Medien die Beweggründe für die Entlassungen:

„Wir hatten gehofft, dass wir aus den ersten vier Spielen zumindest ein paar Punkte erringen. Auch, dass wir im Pokal weiterkommen. Das ist leider nicht erfolgt. Der desaströse Pokalauftritt hat uns alarmiert. Am Ende haben wir keine andere Möglichkeit gesehen, als einen neuen Impuls zu setzen. Wir haben den Sportvorstand gebeten, den Trainer zu beurlauben. Dieser Empfehlung hat Herr Bornemann nicht folgen wollen. Daher sahen wir uns genötigt, ihn von seinen Aufgaben zu entbinden und einen Ersatz zu berufen. Diese Entscheidung zollt uns viel Respekt ab. Das ist nicht üblich in der Branche. Wir bedauern sehr, dass Herr Bornemann seine Tätigkeit an das Schicksal von Michael Köllner gebunden hat. Wir haben versucht, ihn zu überzeugen, dass wir den Weg mit ihm weitergehen wollen.“

Bornemanns Prinzipientreue

Dass neben Köllner auch Bornemann gehen muss, hatte das Kontrollgremium noch versucht, zu verhindern. Doch der Sportvorstand weigerte sich beharrlich, gegen seine Überzeugung den erfolglosen Coach zu entlassen und knüpfte unverständlicherweise sein Schicksal an das seines Trainers. Daher enthob das Kontrollgremium den Sportvorstand kurz nach Mitternacht offiziell seines Amtes, obwohl er gerne mit ihm den Weg der Konsolidierung weitergegangen wäre. Köllners Aus folgte dann keine zwölf Stunden später.

Zwar ehrt Bornemann seine Prinzipientreue und Loyalität, so richtig verstehen kann ich allerdings nicht, warum er völlig unnötig früh im Saisonverlauf Köllner eine Jobgarantie gegeben und ihm bis zuletzt so bedingungslos den Rücken gestärkt hat. Stattdessen wirkte das Verhalten speziell die letzten Tage eher wie der trotzige Versuch, die sportliche Realität und Krise zu verleugnen.

Köllners Beratungsresistenz

Zusätzlich ist auch das Trainerkapitel Köllner beim Club beendet. Er wird als Aufstiegsmacher in die Geschichtsbücher des Ruhmreichen eingehen – ein Verdienst, der ihm unbestritten zusteht. Dafür sind ihm Verein und Fans absolut zurecht dankbar. Das nimmt ihm keiner mehr weg. Aber er hat ebenfalls als Verantwortlicher in den letzten Wochen und Monaten gezeigt, dass er dieses Team nicht mehr weiterentwickeln kann. Mit seinem Zick-Zack-Kurs bei Aufstellungen und Einwechslungen, den Rochaden und Experimenten, dem Verprellen von Leistungsträgern sowie seinen teils realitätsfremden Analysen nach den Spielen bot er viele Angriffsflächen. Aber er ist davon nicht mehr abgerückt und zeigte sich beratungsresistent. Da half ihm auch seine ehrlich sympathische Art und Fannähe nicht mehr weiter.

Keiner weiß genau, warum Stürmer Ishak bei Trainer Köllner in Ungnade gefallen ist. Gut für die Mannschaft war es sicherlich nicht.

Dazu kommt eine verheerende sportliche Bilanz von 15 sieglosen Spielen. Im Nachwuchsbereich kann man sowas zwar wegatmen und als Teil des Ausbildungsfortschritts aushalten, aber im unerbittlichen Ergebnisbetrieb Bundesliga-Fußball fehlen damit letztlich Argumente. Kritiker sprechen hier von Köllner als Bauernopfer, der aus Aktionismus, Großmannssucht und übersteigerter Erwartungshaltung entlassen wurde. Sorry, aber das sehe ich anders. An dieser Stelle nicht zu handeln und eine Änderung zu forcieren, wäre fahrlässig von Vorstand und Aufsichtsrat gewesen. Hier stehen die Gremien in der Pflicht der Mitglieder, den Verein nicht sehenden Auges gegen die Wand zu fahren. Daher war die Trennung von Köllner am Schluss der notwendige und richtige Schritt. Ob der Zeitpunkt letztlich zu spät erfolgte, wird sich zeigen. Aber ein lapidares „Weiter so, denn es wird schon noch werden“ hätte mit ihm keine Trendwende mehr gebracht. Dafür war die Situation inzwischen zu verfahren.

Verantwortungsvoll und besonnen

Trotz der Verdienste von Bornemann, hinsichtlich der vernünftigen und seriösen finanziellen Konsolidierung des Vereins, und Köllner, rund um den Aufstieg und die Förderung von Talenten aus dem NLZ zu Leistungsträgern, ist diese Epoche nun vorbei. Ja, ich finde es ist schade und bedaure diesen Schritt – denn es war damit über mehrere Jahre Kontinuität mit ruhigem und besonnenem Handeln gegeben.

Aber wenn die Entwicklungen der Gegenwart eine Veränderung erfordern, sollte entsprechend gehandelt werden. Das haben meiner Meinung nach die zuständigen Vereinsgremien verantwortungsvoll und besonnen getan. Dass es beim Club unfreiwillig dann doch mit mehr Getöse als gewünscht passiert, gehört zur DNA dieses Vereins. Aber das sollte uns eigentlich auch nicht mehr verwundern.

Nur zur Erinnerung: Der Clubpräsident Gerhard Voack hat im Jahre 1993 den Trainer Willi Entenmann entlassen, kurz nachdem der FCN die Bayern 2:0 besiegt hatte. Das war damals eine Posse sondersgleichen! Die jetzige Trainerentlassung dagegen ist sportlich begründet absolut nachvollziehbar und eigentlich kein Drama, das Verein und Fans entzweien sollte.

Übergangslösungen gefunden

Nachdem sich der Pulverdampf verzogen hat, muss die Handlungsfähigkeit des Vereins gewährleistet sein und der Trainingsbetrieb weitergehen. Aus diesem Grund wurden als Übergangslösung bereits die Nachfolger im Sportvorstand und auf dem Trainer-Posten bekannt gegeben:

„Wir haben Marcus Rößler, unseren Marketing-Leiter, zum Interimsvorstand benannt. Boris Schommers als Cheftrainer und Marek Mintal als Co-Trainer werden wir mit den Trainer-Aufgaben betrauen. Dies gilt bis auf weiteres. Vom Typus her ist Boris Schommers etwas anders als Michael Köllner. Insofern glauben wir daran, dass das für den Moment die beste Lösung ist. Das ist eine Interimslösung, alles andere – auch im Erfolgsfall – hat dann der neue Sportvorstand zu entscheiden“, erklärte Aufsichtsratschef Grethlein.

„Es kann sein, dass wir für den Posten des Sportvorstandes jemanden finden, der schon mal für den Club gespielt hat. Das ist aber nicht Bedingung. Wichtiger ist eine vernünftige Ausbildung oder genügend Erfahrung in diesem Bereich. Der Aufsichtsrat wird mit Hochdruck nach einem neuen Sportvorstand suchen, die Entscheidung aber nicht übers Knie brechen.“

Eine interessante Aussicht. Man kann gespannt sein, welche Personalentscheidungen in den nächsten Wochen getroffen werden. Ob es dem kurzfristigen sportlichen Erfolg hilft, bleibt abzuwarten. Ab jetzt gibt es keine Alibis und Ausreden mehr.

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3 Kommentare zu “Doppelentlassung wider Willen

  1. […] Doppelentlassung wider Willen […]

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  2. Naja, sich einfach mal Bornemanns Statements („sensationelle Arbeit“), Entgleisungen gegenüber Schiris und Anmaßungen vor Augen führen und das ganze steht in ganz anderem Licht da.

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  3. Sehr guter Kommentar. Meine volle Zustimmung.

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