Ein Kommentar

Das Ende der Horrorshow


30. März 2019 – 27. Spieltag:

Endlich vorbei! Die verfluchte Sieglosserie ist beendet. Mit einer starken zweiten Halbzeit bezwingt der Club den FC Augsburg mit 3:0. Ein Sieg, der neue Hoffnung befeuert, weil zeitgleich Hannover und Stuttgart verloren haben. Zum Lohn gibt es am Samstag ein Endspiel beim VfB.

Es war ein schmerzhaftes halbes Jahr mit 20 Ligaspielen ohne Sieg. Eine Zeit voller unglücklicher Ergebnisse und Niederlagen. Gute Auftritte, schlechte Auftritte, kuriose Auftritte – die am Schluss immer eines gemeinsam hatten: Entweder stand der Club ganz ohne Punkte da oder er hat den Sieg nur knapp verpasst. Letzter Tabellenplatz. Zweifel an der Bundesligatauglichkeit. Frust, Spott und Galgenhumor entwickeln sich da zum allgegenwärtigen Begleiter. Seit Samstag um 17:19 Uhr ist die selbst für FCN-Fans beispiellose Negativserie beendet.

Die Legende bebt

Und sie endete standesgemäß spektakulär durch Matheus Pereira. Eben jenen Pereira, der durch einen Glockenschlag in Düsseldorf in der dritten Minute vom Platz flog. Eben jenen Pereira, der nach drei Spielen Sperre in der 70. Minute eingewechselt wurde. Ebene jenen Pereira, der von Leibold in der 88. Minute durch einen Zuckerpass in die Gasse steilgeschickt wurde und kaltschnäuzig rechts unten vollendete. 2:0 – der Rest war Ekstase im Achteck. Der lang angestaute Frust entweicht kollektivem Jubel, der Sieg scheint nicht nur zum Greifen nah, sondern selbst für Clubverhältnisse sicher. Die Erleichterung nach sechs Monaten quälenden Wartens grenzenlos!

Torschütze Pereira rennt zur Fankurve, klopft mit der Hand mehrmals aufs FCN-Logo, entschuldigt sich für seine dumme Aktion und bedankt sich fürs Vertrauen. Er hat mit seinem entscheidenden Tor die perfekte Antwort gegeben. Versöhnung gelungen. Der erste Sieg seit dem 29. September ist nur noch Formsache.

In den emotionalen Vulkanausbruch auf den Rängen sprüht Edu Löwen in der Nachspielzeit weiteren Brandbeschleuniger. Er schließt einen Konter rotzfrech ab und schlenzt links über den Keeper zum 3:0 ein.

Der Club hat tatsächlich drei Tore erzielt und gewinnt. Das Achteck bebt, als hätte der Ruhmreiche soeben einen Titel gewonnen. Viel aufgestaute Energie, die da endlich entweichen wollte, geradezu musste! Es war der perfekte fränkische Frustlöser, den uns die Torschützen Ishak, Pereira und Löwen bereitet haben.

Lohn für Leidenschaft

Es war ein 3:0 Sieg, den so keiner erwartet hatte. Als Cluberer hofft man natürlich, dass die Horrorserie endlich zu Ende geht. Als Gegner verlässt man sich darauf, dass sie bestimmt nie endet. Das haben die Augsburger wahrscheinlich auch getan, die eigentlich voll auf Sieg gesetzt haben. Doch am Schluss bleibt ihnen nur die wohl wenig schmeichelhafte Erwähnung in den Chroniken der Saison, dass sie als erste Mannschaft nach 20 Partien gegen den FCN verloren haben. Wer den Schaden hat… Das Motto „Heute gilt’s. Alles auf Sieg!“ hat nur der Club umgesetzt – man glaubt es kaum.

Die Mannschaft lebt und hat sich für die ansteigende Form und Leidenschaft in den letzten Wochen auch ergebnistechnisch endlich mal belohnt. Das hat sie so sehr verdient – und auch wir Fans, die leidgeprüft immer zu unserem Club stehen und massenhaft ins Stadion pilgern. Knapp 43.000 Zuschauer waren mit dabei. Auch wenn das Spiel wahrlich keine Partie zum Zungenschnalzen war, hat das letztlich keinen großartig interessiert. Der Club hat in der Defensive wenig zugelassen, seine Konter präzise abgeschlossen und einen Arbeitssieg eingefahren. Es kann manchmal so einfach sein, auch wenn man als Fan fast nicht mehr daran geglaubt hat.

Die Hoffnung glimmt

Plötzlich lebt die Hoffnung wieder, denn um das glückselige Wochenende perfekt zu machen, haben auch Hannover und Stuttgart verloren. Der Club verlässt damit den letzten Tabellenplatz und hat plötzlich wieder eine realistische Chance auf den Relegationsplatz. Nur vier Punkte beträgt der Rückstand auf den VfB Stuttgart auf Platz 16. Es ist die Ironie des Spielplans, dass der FCN just am nächsten Spieltag ein Abstiegsduell beim VfB bestreiten darf. Ja, ich sage bewusst DARF.

Denn das Geniale daran: Der Club hat doch defacto gar nix mehr zu verlieren, denn er ist ja bereits seit Monaten von allen abgeschrieben und schon abgestiegen. Keiner der Experten erwartet mehr etwas und die Fallhöhe ist sehr gering. Verliert er das Duell in der Schwabenmetropole, ist der Erstliga-Drops gelutscht, aber es bricht in der Noris keine Welt zusammen.

Das dürfte beim VfB ganz anders sein. Wehe, wenn dem FCN ausgerechnet in dieser Partie der erste Auswärtssieg gelingt. Dann sind wir mit einem Punkt Rückstand wieder dran am Relegationsplatz. Dann wird aus dem glimmenden Funken Hoffnung wahrscheinlich ein loderndes Feuer. Was für eine verrückte und kuriose Saison! Der Club hat es schon mehrmals geschafft, mit Negativserien am Saisonende abzusteigen. Vielleicht gelingt ja heuer mal die Sensation, mit einer niemals erwarteten Siegesserie am Saisonende den Abstieg zu verhindern?

Werbeanzeigen

Ein Kommentar zu “Das Ende der Horrorshow

  1. […] Das Ende der Horrorshow […]

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s