Ein Kommentar

Beschiss und Unvermögen


12. April 2019 – 29. Spieltag:

Viel los beim Freundschaftsduell gegen Schalke: Tolle Choreo, reguläres Tor aberkannt, Elfer verschossen, späte Führung noch vergeigt und den Sieg verschenkt. Das hält man im Kopf nicht aus: Trotz allem Unglück sogar einen Punkt auf den VfB Stuttgart aufgeholt.

Trotz der Abstiegsbrisanz auf dem Rasen ließen es die Fans auf den Rängen freundschaftlich krachen. Beste Stimmung und eine tolle Choreo vor Spielbeginn über das halbe Stadion. Unsere Nordkurve in Schalke-Farben und die Südkurve in die Club-Farbenpracht gehüllt: „Rot Schwarz Blau Weiss bis in die Ewigkeit“ lautete das freundschaftliche Motto.

In der Halbzeit dann weitere Freundschaftsschwüre in beiden Fankurven: „Freunde für ein Leben

Schalke und der FCN wird’s für alle Zeiten geben!“

Von Fanseiten war alles angerichtet – das ausverkaufte Stadion mit 50.000 war bereit und die Stimmung prächtig.

Doppelschock vorm Pausentee

Auch auf dem Rasen legte der Club los. Kompakt und zielstrebig war er über die gesamte Partie zugange. Wie auch schon in Stuttgart merkte man dem Team an, dass es die wichtigen Abstiegsduelle unbedingt für sich entscheiden wollte und nicht bereit war, auf Unentschieden zu spielen. Trotz aller Verkrampftheit und vieler Stockfehler ist das dem Altmeister auch sehr gut gelungen.

Kurz vor der Halbzeit der erste Doppelknackpunkt: Schalkes Caligiuri spielt in der 43. Minute einen katastrophalen Rückpass im eigenen Sechzehner. Behrens spritzt dazwischen und kommt noch vor Keeper Nübel an den Ball, umkurvt ihn und schiebt ein zum 1:0. Doch Schiedsrichter Robert Kampka gibt die Spaßbremse und entscheidet auf gefährliches Spiel von Kapitän Behrens. Keiner kann es fassen! Alle Fernsehbilder belegen, dass Behrens den Schalke-Torhüter weder berührt noch gefoult hat. Das Pikante daran war, dass der Videobeweis nicht zur Klärung herangezogen wurde. Angeblich hat der Schiri die Situation bereits abgepfiffen, bevor der Ball im Tor war. Somit wird der Videobeweis nicht automatisch bemüht, wie sonst nach jedem erzielten Tor. Gehört hat den Schiri-Pfiff allerdings niemand so richtig. So bleibt es bei dieser eindeutigen Fehlentscheidung und das reguläre Tor wird aberkannt. Was für ein Scheißdreck – so könnt ihr euch den VAR sparen!

Kurz nach dieser emotionalen Eskalation der nächste Tiefschlag. Pereira wird in der Nachspielzeit von Nübel gelegt. Elfer für den FCN! Trotz des verschossenen Strafstoßes gegen Leipzig übernimmt unser Kapitän Verantwortung. Behrens schießt unten links, doch der Gelsenkirchener Schlussmann ahnt die Ecke und lenkt die Kugel um den Pfosten. Erneut rot-schwarzes Entsetzen im Stadion. Wieder einen Elfer verkackt – von fünf Strafstößen in dieser Saison war es bereits der dritte verschossene. Nur diesmal war der Club selber Schuld. Was für ein Unvermögen! Wer diese Dinger nicht reinmacht, hat es einfach wahnsinnig schwer.

Drei Minuten Ekstase

Bis zur 60 Minuten merkte man dem Club deutlich an, dass er geschockt war und noch an den Ereignissen vor der Halbzeit zu knabbern hatte. Es war die einzige kurze Phase, in der Schalke das Spiel bestimmt hat. Doch danach fing sich der Ruhmreiche wieder und spielte leidenschaftlich auf Sieg.

In der 65. Minute dann eine riesige Doppelchance! Erst scheitert Ishak am glänzenden Nübel. Den Abpraller legt Behrens quer für Kerk, der mit seinem starken linken Fuß abzieht. Wieder rettet Nübel überragend. Zum Verzweifeln. Aber jeder im Stadion hatte das Gefühl, dass da noch was geht.

So war es dann auch. Pereira mit einer Zuckerflanke an den zweiten Pfosten. Dort steht der vor wenigen Minuten eingewechselte Japaner Kubo frei und köpft die Kugel an den Innenpfosten, von wo sie ins Tor prallt. Endlich das hochverdiente 1:0 in der 83. Minute. Ekstase und Erleichterung im Max-Morlock-Stadion.

Komm in meine Arme: Pereira und Kubo jubeln gemeinsam über das erste Saisontor des Japaners.

Aber der Club wäre nicht der Club. Nach einer Ecke behindern wir uns gegenseitig und bekommen den Ball nicht aus der Gefahrenzone. Aus dem Gewühl heraus wird Schalkes Nastasic angeschossen und stolpert den Ball ins Tor. Was für ein unverdienter Ausgleich. Es war die einzige Chance für Königsblau. Sie reichte am Schluss zum schmeichelhaften Punktgewinn. Keeper Nübel war Schalkes „Matchwinner“.

Vier Punkte verschenkt

Konsterniert und mit hängenden Köpfen flüchteten die Fans geradezu aus dem Stadion. Dass diese Partie trotz eindeutiger Überlegenheit nicht gewonnen werden konnte, hat allen mächtig zugesetzt. Es war eine der besten Saisonleistungen. Nur in Punkten hat sie sich nicht ausgezahlt – wieder einmal. Die Enttäuschung über das Ergebnis war riesig, nicht jedoch über die Leistung der Mannschaft. Sie wurde von der Nordkurve mit Sprechchören gefeiert und aufgemuntert. In der Südkurve dagegen war die Stimmungslage ganz anders: „Außer Nübel könnt ihr alle gehen!“ skandierten vieler der rund 7.000 Schalker stinksauer. Die unterirdische Leistung ihres Teams hat sie wieder einmal vergrätzt.

Was bleibt ist die Tatsache, dass der Club in zwei Abstiegsduellen hintereinander eine klasse Leistung gezeigt hat. Der FCN hat alles gegeben, hatte eine Vielzahl an glasklaren Torchancen und hatte sie nicht genutzt. Unvermögen, Pech und Beschiss sorgten für lediglich zwei Punkte. Es hätten beide Sechs-Punkte-Spiele gewonnen werden müssen. So hat der Club vier Punkte verschenkt. Zur Strafe kleben wir weiterhin auf dem 17. Platz.

Doch absurderweise hat der Ruhmreiche sogar einen Punkt aufgeholt, weil der VfB Stuttgart sein Heimspiel verloren hat. Somit beträgt der Rückstand nur noch drei Punkte auf den Relegationsplatz. Das ist kein Rückstand, der uneinholbar ist. Auch wenn das Restprogramm des FCN sehr ambitioniert ist – aufgrund der Leistungen der letzten Wochen traue ich dem Club noch etwas zu. Tragischerweise ist der Club leistungsmäßig endlich in der Bundesliga angekommen und wird sie wohl bald wieder verlassen müssen. Was für eine verrückte Liga. Aber auch hier gilt: Abgerechnet wird am Schluss. Notfalls erst nach dem 36. Spieltag. Die Hoffnung stirbt zuletzt!

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