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Derbydrama in der Nachspielzeit


28. April 2019 – 31. Spieltag:

Die Derby-Sensation gegen die übermächtigen Bayern war nur wenige Zentimeter entfernt. Aber nach einem verschossenen Elfer in der 90. Minute fühlt sich sogar der überraschende Punktgewinn wie eine Niederlage an. Zu allem Unglück ist der Abstand auf den Relegationsplatz auf fünf Punkte angewachsen.

Es ist diese 90. Minute, warum du als Club-Fan am FCN verzweifelst. Beim Stand von 1:1 bekommst du nach einem Ellenbogenschlag im Strafraum einen berechtigten Elfmeter. Doch du weißt noch nicht, ob du dich freuen sollst – schließlich hat Hanno Behrens die letzten zwei Elfer verschossen. Du hoffst, schickst Stoßgebete an den Fußballgott und träumst schon von dem Siegtreffer, der den sensationellen Derbysieg bedeutet.

Tim Leibold auf dem Weg zum Schuss ins Glück. Da kann doch gar nix schiefgehen, oder?

Diesmal übernimmt Tim Leibold statt Kapitän Behrens die Verantwortung. Er legt sich den Ball hin. Schießt scharf und platziert an Torwart Ulreich vorbei. Doch leider etwas zu platziert. Der Schuss klatscht an den rechten Innenpfosten, von dort springt die Kugel zwischen Torlinie und Keeper – ins AUS! Der Schuss war so hart, dass der Ball fast bis zur Eckfahne geprallt ist. Entsetzen im rot-schwarzen Lager. Schockiert vergraben viele die Gesichter in den Händen. Aus der Traum vom Sieg gegen das Münchner Millionenensemble und etwas weiter gedacht dem Klassenerhalt.

Doch es hätte, man glaubt es kaum, sogar noch schlimmer kommen können: Denn in der Nachspielzeit vertändelt ein Cluberer als letzter Mann auf Höhe der Mittelinie den Ball. Kinglsey Coman läuft allein auf Torwart Mathenia zu. Wir alle befürchten die Höchststrafe für den FCN. Coman schießt wuchtig, doch Mathenia pariert grandios!

Keeper Mathenia kurz nach seiner Glanzparade gegen Coman. Ohne diese verliert der Club in der Nachspielzeit.

Mathenia sichert letztlich den einen Punkt, der vor wenigen Augenblicken sogar unser Sieg hätte sein sollen. Kurz danach pfeift der Schiri ab. Mehr Drama geht nicht in der Schlussphase. Als Fan weißt du in dem Moment nicht, ob du lachen oder weinen sollst?! Auf jeden Fall bin ich um Jahre gealtert und weiter ergraut.

Paroli mit Herz

Was bleibt ist die Erkenntnis, dass der Club ein grandioses Spiel abgeliefert hat. Er hat den übermächtigen Bayern beherzt Paroli geboten. Hat auf Augenhöhe mitgehalten und ab der 35 Minute selber gefährliche Offensivaktionen und Chancen erspielt. Er geht sogar überraschend in der 48. Minute in Führung, nachdem Pereira den Ball klasse links unten ins Eck geschlenzt hat. Die anschließende Jubelexplosion und Freude im Achteck waren einfach überragend. Dem Club war im Derby plötzlich alles zuzutrauen!

Den Bayern einen Punkt abgetrotzt: Der Endstand ist eigentlich eine Sensation. Nach dem Spielverlauf trotzdem zuwenig.

Die Hoffnung auf den Sieg hielt dann fast 30 Minuten lang, bis die Bayern den Ausgleich zum 1:1 erzielen. Zufällig, aber doch irgendwie verdient, weil sie zwei dicke Chancen hatten, die Mathenia entschärft hat. Hätte es die Partie ohne diese dramatische Nachspielzeit gegeben, dann wäre es ein verdientes Unentschieden gewesen. Eines, das fast schon einer Sensation gleichkommt und jeder beim Club hätte sich über den Punkt gefreut. So aber fühlt es sich aufgrund des verschossenen Elfers wie eine Niederlage an. Zumindest für mich.

Sechs Punkte verschossen

Tragischerweise ziehen sich die vergebenen Strafstöße wie ein roter Faden durch die Saison. Am 1. Spieltag verschoss Ishak den späten Ausgleich bei der Hertha. Am 24. und 29. Spieltag scheiterte Behrens in den Partien gegen Leipzig und Schalke. Und jetzt vergibt Leibold gegen die Bayern. In Summe wären das sechs Punkte gewesen.

Zwei Elfer-Fehlschützen unter sich: Kapitän Behrens (r.) nimmt Leibold tröstend in den Arm.

Mit diesen sechs Punkten stünden wir jetzt auf dem Relegationsplatz knapp vor dem VfB Stuttgart. Denn zu allem Unglück hat der Trainerwechsel bei den Schwaben gleich zum erhofften Befreiungsschlag geführt – mit 1:0 besiegten sie am Samstagabend die favorisierten Gladbacher. Das hat von uns so auch keiner befürchtet. Tja, wenn man sich auf andere verlassen muss, ist man am Ende meistens selbst verlassen.

Somit ist der Club plötzlich auf fünf Punkte hinter die Stuttgarter zurückgefallen. Trotz Punktgewinn sind wir irgendwie die Verlierer des Spieltages. Uff! Das muss man erstmal verdauen. So schmerzt der Elfer-Fehlschuss umso mehr.

Stoßgebete fürs Fußballwunder

Mit nun fünf Zählern Rückstand bei nur noch neun zu vergebenden Punkten ist die Hoffnung auf den Relegationsplatz lediglich theoretischer Natur. Gewinnt Stuttgart am Wochenende in Berlin und holt der Club parallel in Wolfsburg keinen Dreier, wäre der neunte Abstieg aus der Bundesliga amtlich. Jetzt hilft nur noch ein Fußballwunder. Dass der Fußballgott den rot-schwarzen Vereinsfarben nicht wirklich gewogen ist, brauche ich eigentlich nicht extra betonen… Stoßgebete gibt’s trotzdem.

Es sieht alles danach aus, dass der Club diese Liga verlassen muss. Aber wenn wir gehen, dann wenigstens nach hartem Fight mit erhobenem Haupt! Wir sind stolz auf den Club! So hielt es auch ein Großteil des Stadions nach dem Derby: Aufmunternder Applaus und immer wieder die Gesänge „FCN – Liebe, Glaube, Leidenschaft!“ versuchten die Mannschaft beim Gang in die Kurve zu trösten. Die Mannschaft glaubt immer noch an ein Fußballwunder, allen voran Christian Mathenia, der eine phantastische Rückrunde spielt und so den FCN immer noch im Rennen hält.

Bei der „Ehrenrunde“ gibts Applaus – auch ohne Sieg, denn der Stolz über die Leistung bleibt.

Für Rot und Schwarz zerreißen

Denn an den drohenden Rekordabstieg wollen Spieler wie Trainer noch nicht denken, zu groß ist das Selbstvertrauen nach dem Auftritt gegen die Bayern. Trainer Schommers bestätigt: „Mit dieser Leistung wird mir nicht bange, in Wolfsburg einfach oder dreifach zu punkten.“ Auch Robert Bauer, der eine starke Partie abgeliefert hat, versprüht Zuversicht: „Wir haben ein Wahnsinns-Spiel gezeigt. Es war ein nahezu perfekter Tag. Es ist bitter, wir haben noch drei Spiele. Der Abstand ist etwas größer geworden. Wir müssen so weiter machen wie dieses Spiel. Nach dieser Partie kann jeder stolz sein – wir auf uns, wir auf die Fans. Wir leben noch!“

Auch wenn es ein bisschen wie das vielzitierte Pfeifen im Wald klingt, mir imponiert, dass sich die Mannschaft nicht aufgibt! Stattdessen beherzigt sie genau das Motto und die Tugend, die bei der Choreo in der gesamten Nordkurve zu lesen war:

„Wir haben keine Stars, keinen Glanz, keine Arena. Nur eine ruhmreiche Vergangenheit, elf Spieler und tausende treue Herzen, die sich für Rot und Schwarz zerreißen!“

Geile Choreo in der Nordkurve: Den Schriftzug 1. FC NÜRNBERG durften die Bayern die komplette 1. Halbzeit bewundern.

Genau so ist es. Außerdem kennt unsere Liebe sowieso keine Liga. Aber noch sparen wir uns die finalen Abstiegstränen.

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