Ein Kommentar

Verstärkung für Nürnberger Leichtgewichte


18. Mai 2019 – 34. Spieltag:

Egal ob mit Druck oder ohne – der Club kommt nicht klar. Auch beim letzten Saisonspiel geriet das Team aus der Noris mit 1:5 in Freiburg unter die Räder. Ein blamabler letzter Eindruck für einen würdigen Absteiger. Doch wenigstens das Management drückt aufs Tempo bei Personalentscheidungen.

„Gewogen und für zu leicht befunden“, so lautet das abschließende Saisonfazit für das rot-schwarze Team. Aber wenigstens hat man in fast allen Partien tapfer dagegengehalten und alles gegeben. Dagegen hat sich der Club im letzten Saisonspiel doch arg gehen lassen und kaum vernünftigen Widerstand geleistet: Das Ergebnis war ein gerechtes 1:5, bei dem man nochmal vor Augen geführt bekam, dass man verdient abgestiegen ist.

Trotzdem schade, dass sich das Team mit diesem letzten Eindruck von der Bundesliga verabschiedet hat. Auch die mitgereisten 2.500 Fans hätten ein anderes Ergebnis, aber zumindest eine engagiertere Leistung verdient gehabt. Aber anscheinend sind die Akkus und Köpfe so leer gewesen, dass man selbst in einem Spiel um die goldene Ananas so ganz ohne Druck nicht mehr den Schalter umlegen konnte. Tja, sind im Saisonverlauf dann doch zu viele Negativerlebnisse gewesen, die unseren Jungs am letzten Spieltag die Freude auf Fußball vermiest haben.

Viel versprochen, selten geliefert

Es passt zur Saison, in der immer wieder viel gewollt und versprochen, aber nur selten geliefert wurde. Aber wenigstens herrscht genügend Selbstkritik. Stellvertretend dafür diese Statements nach der Partie gegen Freiburg:

Boris Schommers: „Heute kann ich mich nur bei unseren Fans entschuldigen. Sie sind wirklich einzigartig und haben uns bis heute toll unterstützt. Wir wollten deshalb heute auch für sie nochmal ein gutes Spiel machen. Das ist uns leider von der ersten bis zur letzten Minute nicht gelungen und das tut mir sehr leid.“

Hanno Behrens: „Für die Köpfe ist es scheinbar doch schwieriger, eine gute Leistung abzurufen. Wir wollten ein gutes Spiel machen, das ist uns nicht gelungen. Unsere Fans hätten ein anderes Ergebnis verdient gehabt. Anfang zweite Hälfte hat Freiburg jeden Schuss reingemacht. Haken wir das ab. Jetzt geht’s in den Urlaub, wir müssen die Köpfe wieder frei kriegen. In vier Wochen greifen wir wieder an.“

Eduard Löwen: „Es ist offensichtlich, dass das heute zu wenig war. Wir haben ein sehr schwaches Spiel gemacht. Wir brauchen uns auch nicht beschweren, dass wir fünf Dinger kassiert haben. Das war wirklich enttäuschend. Dass uns die Fans trotzdem feiern, ist atemberaubend. Es tut mir für sie und den Verein sehr leid. Das ist kein würdiger Abschluss, so kann man sich nicht aus der Bundesliga verabschieden.“

Mikael Ishak: „Das war von Anfang bis Ende schlecht. Nichts hat geklappt. Wir haben schlecht verteidigt, schlecht angegriffen. Da kannst du alles vergessen. Das ganze Jahr war sehr schwer. Es ist extrem hart, unsere Fans anzuschauen, die uns zuklatschen, obwohl wir sie enttäuschen.“

Tatendrang beim Management

So endet die Spielzeit dann eben leider als schlechteste Bundesligasaison der Vereinsgeschichte: Nur 19 Punkte geholt, nur dreimal gewonnen und kein einziger Auswärtssieg. Das Torverhältnis beträgt 26:68. In Summe die Kennzahlen eines verdienten Tabellenletzten und Rekordabsteigers. Die Saison ist vorbei, wir wurden von unserem Erstliga-Leiden erlöst.

Der Podcast „Rückblick: Was wirklich schief lief beim #FCN“ von Clubfans United beleuchtet nochmal in epischer Breite und Detailtiefe die abgelaufene Saison. Höhrenswert und kurzweilig.

Und danach haken wir diese Shit-Saison endgültig ab!

Ab jetzt geht der Blick nur nach vorn. Während die Spieler in Urlaub gehen, um Abstand zu gewinnen und neue Kraft zu tanken, ist nun das Management gefordert. Und es drückt mächtig aufs Tempo! Die Architekten der Mannschaft für die kommende Zeitligaspielzeit haben bereits erste Eckpfeiler errichtet.

Neuer Trainer vorgestellt

Schon am Sonntag präsentierte der FCN mit Damir Canadi den neuen Cheftrainer. Der Österreicher arbeitete zuletzt beim griechischen Erstligisten Atromitos Athen und führte den kleinen Verein zweimal in Folge in den internationalen Wettbewerb. Seine letzten Stationen als Trainer waren neben Atromitos Athen noch Rapid Wien und SCR Altach.

Canadis Credo zur künftigen Spielweise der Mannschaft verspricht endlich wieder mehr Offensive: „Grundsätzlich ist mir eine gute Balance im Spiel sehr wichtig. Wir wollen gut verteidigen, nur wenige Gegentore bekommen. Gleichzeitig wollen wir nach vorne viel kreieren. Wir müssen schauen, welche Mannschaft wir zur Verfügung haben, das wird sich jetzt in den nächsten Tagen und Wochen herauskristallisieren. Ich würde mir sehr dynamischen Fußball wünschen. So, dass die Fans auch stolz sind auf das, was sie auf dem Platz sehen.“

Vertragsverlängerung mit Mathenia

Dagegen gab es eine überraschende und höchst erfreuliche Entwicklung bei Torwart Christian Mathenia. Viele Fans haben befürchtet, dass Mathenia nach einer klasse Saison – im Torwartranking des Kicker ist Mathenia mit einer Durchschnittsnote von 2,82 einer der besten Keeper der Liga – den Verein verlassen wird.

Doch stattdessen ein Paukenschlag am Dienstag: Trotz des Abstiegs verlängert der 27-Jährige seinen Vertrag vorzeitig bis 2024 beim FCN! Ein richtig geiles Signal!

Sportvorstand Robert Palikuca bestätigt: „Christian hatte verschiedene lukrative Anfragen von anderen Vereinen, doch unseren Kaderplanern ist es gelungen, ihn von der vielversprechenden Perspektive beim FCN zu überzeugen. Über die Jahre hat den 1. FC Nürnberg immer wieder die Konstanz im Tor ausgezeichnet. Wir sind sicher, dass Christian die Klasse hat, eine Ära zu prägen. Er ist nicht nur Leistungsträger auf dem Platz, sondern mit seiner Erfahrung und seinem Auftreten auch eine wichtige Stütze in der Kabine.“

Mathenia, der im Sommer zum ersten Mal Vater wird, freut sich über die Planungssicherheit und schätzt das Angebot des Vereins: „Auch wenn sportlich nicht alles aufgegangen ist, habe ich im vergangenen Jahr gelernt, dass dieser Verein und seine Fans etwas ganz Besonderes sind. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir hier schon bald wieder einen gemeinsamen Grund zum Feiern haben werden.“

Defensive Unterstützung erhält Mathenia zudem von einem Neuzugang: Der Club verpflichtet Verteidiger Oliver Sorg, der einen Drei-Jahres-Vertrag unterschrieben hat. Sorg kommt mit der Erfahrung von 166 Erst- und 26 Zweitligaspielen zum FCN. 2014 bestritt er außerdem ein Länderspiel für die Deutsche A-Nationalmannschaft. Der 28-Jährige Defensivallrounder wechselt ablösefrei vom Mitabsteiger Hannover 96 in die Noris.

Verstärkung für den Sturm

Hinten dicht und vorn hilft schon der liebe Gott? Das geht nicht immer von alleine auf. Deshalb setzt der Club auch auf die Offensive und hat am heutigen Mittwoch Felix Lohkemper verpflichtet. Der 24-jährige Angreifer unterschrieb einen Drei-Jahres-Vertrag. Lohkemper kommt ablösefrei vom Zweitligabsteiger 1. FC Magdeburg und bestritt in der abgelaufenen Saison 29 Partien – dabei erzielte er sechs Tore und bereitete drei weitere vor. Lohkemper wurde im NLZ des VfB Stuttgart ausgebildet – über Hoffenheim und Mainz führte ihn sein Weg dann nach Magdeburg.

Das klingt vier Tage nach Saisonende erstmal sehr vielversprechend. Ich bin gespannt, wie sich das Gesicht der Mannschaft in den nächsten Wochen verändern wird. Vor allem auf die vielen Abgänge darf man gespannt sein. Dass alle ausgeliehenen Spieler den Club verlassen werden, war zu erwarten. Hier schmerzt besonders Pereira, aber ein derartiger Hochkaräter geht nicht mit in Liga 2 – und den kannst du dir eine Klasse tiefer ohne finanzielles Harakiri auch gar nicht leisten.

Also warten wir ab, genießen die Sommerpause ohne Fußball und hoffen darauf, dass alle Verantwortlichen im Verein ein glückliches Händchen bei den Personalentscheidungen habe werden. Anscheinend sind jetzt sogar Transfers vor dem Deadline Day möglich. Dann wird man sehen, wie konkurrenzfähig die Mannschaft wird und welches Ziel wir für die nächste Spielzeit ausgeben können.

Mission Wiederaufstieg klingt zwar gut, aber der Wunsch alleine wird nicht reichen.

Taten müssen folgen.

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